Verhütung auf Knopfdruck: Forscher wollen Frauen Hormon-Chip verpflanzen

Hautchip zur Verhütung
Eine neue Erfindung von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) könnte schon bald herkömmliche Verhütungsmethoden ablösen. Dabei wird Frauen ein kleiner Mikrochip direkt unter die Haut gepflanzt, der über die kontrollierte Abgabe von Hor © Fotolia

US-amerikanische Forscher haben eine neue Verhütungsmethode entwickelt. Dabei bekommen Frauen einen winzigen Mikrochip – der per Fernbedienung an- und ausgeschaltet werden kann – direkt unter die Haut verpflanzt. Ist der Chip erst implantiert, versorgt er die Frauen mit Hormonen, die den Eisprung verhindern. Die neue Technik könnte nach Aussagen der Entwickler weltweit die Empfängnisverhütung revolutionieren. Kritiker befürchten dagegen, dass der Chip gehackt und dadurch missbraucht werden kann.

Der vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte und nun offiziell vorgestellte Mikrochip soll Frauen am Oberarm, Gesäß oder Bauch unter die Haut verpflanzt werden. Im Chip befindet sich ein spezieller Substanz-Speicher, der das – bereits zur Verhütung eingesetzte – Hormon Levonorgestrel enthält. Je nach Bedarf kann die Hormonausschüttung des Chips durch eine kabellose Fernbedienung aktiviert oder deaktiviert werden.

Das An- und Abschalten der Hormonausschüttung des Chips ist allerding nicht von einer Stunde auf die andere möglich. Wie bei der Einnahme und dem Absetzen der Anti-Baby-Pille müssen monatliche Zyklen eingehalten werden, damit die Verhütung wirksam funktioniert.

 

Der Chip verhütet 16 Jahre

Die im Chip enthaltene Hormonmenge soll nach Angaben der Entwickler – bei einer kontrollierten Freisetzung von 30 Mikrogramm pro Tag – mindestens 16 Jahre den Eisprung verhindern können. Damit soll das briefmarkengroße Hormonimplantat besonders auf lange Sicht die Verhütung preisgünstiger, einfacher und flexibler machen. Bereits 2018 soll der Chip im Handel erhältlich sein.

 

Schmelzende Membran lässt Hormone passieren

Technisch standen die Entwickler vor einer großen Herausforderung. Damit nicht zu viele Hormone auf einmal vom Chip freigesetzt werden, musste zuerst eine sogenannte ultradünne „Platin-Titan- Versiegelung“ entwickelt werden. Diese spezielle Membran funktioniert grundsätzlich als Dichtung. Damit diese Versiegelung für den Moment der Hormonabgabe durchlässig wird, bringt sie ein Stromimpuls – der durch eine verbaute Mikrobatterie ausgelöst wird – kurzzeitig zum Schmelzen. Bis die Membran wieder vollständig ausgehärtet und abgedichtet ist, kann exakt die vorgesehene Hormonmenge aus dem Chip entweichen.

Trotz dieser elektrochemischen Reaktion des Chips unter der Haut, ist das Prozedere nicht spürbar. Frauen, die sich Chip unter die Haut verpflanzen lassen, müssen weder mit täglichen Stromschocks noch mit einer schmerzhaften Hitzeentwicklung rechnen.

 

Kann der Chip gehackt werden?

Kritiker des Hormon-Chips befürchten – aufgrund der kabellosen Fernsteuerung –, dass das Verhütungsimplantat von außen gehackt werden könnte. Die Forscher des MIT widersprechen dieser Gefahr, da für eine Kommunikation zwischen Fernbedienung und Chip zuerst ein Hautkontakt hergestellt werden muss.  Zudem sei bereits eine sichere Verschlüsselung entwickelt worden, das sowohl eine Manipulation des Hormonchips von außen als auch eine Auslesung der Daten auf dem Gerät verhindert.

Hamburg, 10. Juli 2014

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