Vergrößerte Lymphknoten – wie groß ist normal?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess verrät, welche Größe bei Lymphknoten harmlos ist
Expertin Dr. Hess: „Die reaktive Lymphknotenvergrößerung ist Ausdruck der vermehrten Abwehrarbeit, die das Immunsystem von Kindern aufgrund der vielen Infekte in diesem Alter hat“ © privat

Was sind Lymphknoten eigentlich genau und was ist ihre Aufgabe im Körper? Welche Gründe können vergrößerte Lymphknoten haben? Was sind Warnzeichen, dass etwas „ernsteres“ dahinter stecken könnte? Welche Abklärungen sind notwendig?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Immer wieder fragen mich besorgte Eltern nach einem bei ihrem Kind neu ertasteten, vergrößerten Lymphknoten, meist am Hals. Die Aufregung ist groß, assoziieren doch viele einen großen Lymphknoten in erster Linie mit Krebs. Lymphknoten sind Bestandteile der Immunabwehr, es gibt im Körper an ganz vielen Stellen mehr oder weniger große Lymphknoten. Die meisten sind so klein, dass sie nicht tastbar sind. Oder sie befinden sich an versteckten Stellen, zum Beispiel im Bauch um den Darm herum. Die Lymphknoten liegen wie kleine Perlen an den Lymphgefäßen und werden von ihnen sowie von Arterien und Venen durchflossen. Ihre Aufgabe ist die Filterung der Lymphflüssigkeit und des Blutes von Keimen, Zelltrümmern oder Tumorzellen und auch deren Abbau.

 

Vergrößerte Lymphknoten – in den meisten Fällen harmlos

Kleinkind mit vergrößerten Lymphknoten - Abtasten bei der Kinderärztin
Kommt es zu einer Infektion, beispielsweise einer Mandelentzündung, haben die Lymphknoten besonders viel Arbeit und schwellen deshalb an. Eine Größe von 5-30 Millimetern gilt dabei als normal© Corbis

Normalerweise können Lymphknoten eine Größe von fünf bis dreißig Millimetern erreichen, viele sind aber auch deutlich kleiner, nämlich nur um zwei Millimeter. Auch die Rachenmandeln (Tonsillen) gehören zum lymphatischen System des Körpers. Sie sind eine Ansammlung von vielen kleinen Lymphknötchen. Kommt es zu einer Infektion, haben die Lymphknoten im Abflußbereich des Infektherdes (also beispielweise am Hals im Rahmen einer Mandelentzündung) besonders viel Arbeit und schwellen deshalb an.  Ebenso die Tonsillen. Glücklicherweise ist in den meisten Fällen schnell ausschließbar, dass es sich um eine bösartige (maligne) Lymphknotenvergrößerung handelt.

Am häufigsten liegt eine sogenannte reaktive Lymphknotenvergrößerung vor, besonders bei Kleinkindern. Die reaktive Lymphknotenvergrößerung ist Ausdruck der vermehrten Abwehrarbeit, die das Immunsystem von Kindern aufgrund der vielen Infekte in diesem Alter hat – je mehr Infekte, desto größer werden die Lymphknoten. Diese vergrößerten Lymphknoten sind weich, lassen sich gut verschieben, sind einzeln (also nicht miteinander „verbacken“) ertastbar und sie sind nicht schmerzhaft. Sie überschreiten die Größe von zwanzig Millimetern nur selten. Mit der Zeit nimmt die Lymphknotenvergrößerung von allein wieder ab, es kann und muss therapeutisch nichts unternommen werden.

 

Welche Krankheiten können hinter vergrößerten Lymphknoten stecken?

Chronische Erkrankungen können ebenfalls für Lymphknotenvergrößerungen verantwortlich sein. Dazu gehören Autoimmunerkrankungen, Speicherkrankheiten, HIV oder auch Tuberkulose. Hierbei sind mehrere Lymphknoten vergrößert, sie fühlen sich beim Abtasten härter an als bei der reaktiven Lymphknotenvergrößerung; sie sind nicht miteinander verbacken und nicht schmerzhaft.

Selbstverständlich kann ein Lymphknoten auch mal selbst mit einem Bakterium (oder seltener mit einem Virus) infiziert und darum vergrößert sein. Dann kommt es zu einem raschen Größenwachstum auf oft über 30 Millimeter. Die gesamte Umgebung ist teilweise rot und geschwollen und der Bereich reagiert mit Schmerzen auf Druck. In einigen Fällen muss dann der Lymphknoten chirurgisch geöffnet werden, um die eitrige Flüssigkeit abfließen zu lassen. Sonst reicht aber häufig auch die Einnahme eines Antibiotikums.

 

Wann sind vergrößerte Lymphknoten bösartig?

Wenn es sich um eine bösartige Vergrößerung der Lymphknoten handelt, ist das Wachstum stetig, es kommt zwischendurch nicht wieder zu einer Größenabnahme. Sie sind mittelgroß, mittelhart bis hart, oft sind mehrere Lymphknoten miteinander verbacken und meistens sind sie mit der Umgebung verwachsen (und darum nicht auf dem Untergrund verschiebbar). Die Schmerzhaftigkeit fehlt.

Bei einer durch Krebs verursachten Lymphknotenvergrößerung kommen meistens noch sogenannte B-Symptome dazu: Nachtschweiß, ungewollte Gewichtsabnahme von mehr als zehn Prozent des ursprünglichen Gewichts innerhalb der letzten sechs Monate, Fieber über 38 Grad Celsius ohne erkennbaren infektiösen Grund.

Aber wie schon gesagt, am häufigsten ist die reaktive Lymphknotenvergrößerung, insbesondere bei Kindern. Ist man sich unsicher, bringt ein Ultraschall des entsprechenden Bereiches, gegebenenfalls zusammen mit einer kleinen Blutentnahme, rasch Sicherheit.[1]


[1] Michalk/Schönau, Differentialdiagnose Pädiatrie, 1. Auflage 1999, s. bes. S 434-441

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