Vergesslichkeit: Ist das schon Demenz?

Redaktion PraxisVITA
Vergesslichkeit
Demenz sollte so früh wie möglich behandelt werden. Daher ist es wichtig, bei anhaltender Vergesslichkeit mit dem Hausarzt zu sprechen © Fotolia

Vergesslichkeit muss nicht gleich ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Trotzdem ist es in einigen Fällen sinnvoll, die Ursache abzuklären. PraxisVITA erklärt, welche Ursachen Vergesslichkeit neben einer Demenz außerdem haben kann und wann Sie zum Arzt gehen sollten.

Wo ist die Grenze zwischen harmloser Vergesslichkeit und ernstzunehmenden Gedächtnisproblemen? „Wenn jemand über ein halbes Jahr hinweg die zunehmende Vergesslichkeit dauerhaft beschäftigt, und nicht nur vom Betroffenen selbst, sondern auch von Angehörigen Gedächtnisprobleme bemerkt werden, sollte man das ernst nehmen und die Ursache abklären lassen“, sagt Dr. Oliver Peters, Leiter der Gedächtnis-Sprechstunde der Berliner Charité.

Vergesslichkeit oder Demenz: Der Hausarzt ist immer der erste Ansprechpartner

Deshalb sollten Betroffene zunächst mit ihrem Hausarzt sprechen. Der kennt seine Patienten am besten und kann Veränderungen meist gut einschätzen. Eine Liste aller eingenommenen Medikamente – auch solche, die ein anderer Arzt, etwa der Kardiologe, verschrieben hat – kann zudem hilfreich sein. Denn manchmal ist Vergesslichkeit eine Nebenwirkung bestimmter Arzneimittel. Der Arzt wird außerdem erfahren wollen, welche Beschwerden genau aufgefallen sind und wann diese erstmals bemerkt wurden.

Ebenso kann eine veränderte Gefühlslage Hinweise geben. Etwa, wenn jemand sich immer mehr zurückzieht oder häufiger als sonst misstrauisch oder gereizt reagiert. „Angst und Depression gelten als ein Frühzeichen der Alzheimer-Demenz“, so Dr. Peters.

Vergesslichkeit
Nur leichte Vergesslichkeit oder schon Demenz? Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner, um diese Frage zu klären© Fotolia

Wenn die Vergesslichkeit Demenz ist

Erhärtet sich der Verdacht, dass es sich nicht nur um leichte Vergesslichkeit, sondern um Demenz handeln könnte, wird der Hausarzt weitere Untersuchungen einleiten. Dadurch sollen andere mögliche Erkrankungen ausgeschlossen werden. Der Arzt kann den Patienten aber auch direkt an eine sogenannte Gedächtnis-Sprechstunde überweisen. Das sind besondere Zentren – meist an größere Kliniken angeschlossen – die sich auf die Diagnose sehr früher Stadien von Demenz-Erkrankungen spezialisiert haben.

Die möglichst zeitige Diagnose bringt viele Vorteile

Warum sollte man sich mit der Diagnose Demenz belasten, wenn es doch „noch“ keine Heilung gibt? Zum einen kann natürlich herauskommen, dass behandelbare Ursachen Schuld an der Vergesslichkeit sind. Etwa eine Stoffwechselstörung. „Wenn wir feststellen, dass tatsächlich die Demenz der Grund für die Vergesslichkeit ist, bringt das für viele die gewünschte Sicherheit. Und das ist in der Mehrzahl das, worauf die Menschen, die sich an uns wenden, Wert legen“, so Dr. Peters.

Oft ist es auch für die Angehörigen und Freunde einfacher, die Veränderungen zu akzeptieren, wenn sie wissen, dass eine Demenz hinter der Vergesslichkeit steckt. Und durch eine frühe Diagnose haben Familien die Möglichkeit, die kommenden Schritte zu planen. Außerdem gilt: Je eher die derzeit verfügbare Therapie begonnen wird, desto besser die Aussichten, den Fortschritt der Krankheit zu verlangsamen.

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