Vergesslichkeit im Alter

Redaktion PraxisVITA
Eine Frau hat etwas vergessen
Vergesslichkeit im Alter? Von wegen! Den wahren Grund, warum uns im Alter häufig Dinge nicht einfallen wollen, haben Forscher jetzt herausgefunden © Shutterstock

Den Schlüssel verlegt, den Arzttermin vergessen und der Name des neuen Nachbars will uns einfach nicht mehr einfallen. Ist das jetzt die berühmte Vergesslichkeit im Alter? Nein! Denn Forscher haben jetzt herausgefunden, dass wir im Alter gar nicht vergesslicher werden.

Kennen Sie das? Sie treffen zufällig einen alten Bekannten, grüßen freundlich und kommen ins Stocken. Wie war noch mal der Name? Und wie hieß denn bloß der Film, der letzte Woche im Kino so witzig war? Das ist halt die Vergesslichkeit im Alter, dachten wir bei solchen Erinnerungslücken bisher. Das Gehirn funktioniert eben nicht mehr so gut wie in der Jugend.

 

Gibt es überhaupt Vergesslichkeit im Alter?

Doch es ist ganz anders. Wissenschaftler der Uni Tübingen fanden heraus, dass es nicht die Vergesslichkeit im Alter ist, die uns manchmal stocken lässt. Vielmehr ist es das immense Wissen, das wir uns in unserem bisherigen Leben schon angeeignet haben. Für die Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit Computermodellen, die jeden Tag eine bestimmte Menge Daten zum Lesen bekamen und neue Dinge lernten.

Entsprach die Datenmenge dem Wissen eines Jugendlichen, lief das Computermodell schnell. Jeder neue Satz Daten aber machte es langsamer, obwohl es technisch auf dem gleichen einwandfreien Stand war. Das heißt: Auch unser Gedächtnis funktioniert einwandfrei. Nur haben all die Namen und Geburtstage, das gesammelte Schulwissen und natürlich unsere Erlebnisse und Erfahrungen unseren Speicher ziemlich vollgemacht. Deshalb brauchen wir in höherem Alter einfach etwas länger, bis wir das abgelegte Wissen auf unserer Festplatte wiederfinden.

Vergesslichkeit im Alter
Wenn Ihnen das nächste Mal der Name der Nachbarin nicht sofort einfällt, hat das nichts mit Vergesslichkeit im Alter zu tun. Geben Sie Ihrem Gehirn einfach ein bisschen Zeit, all die abgespeicherten Daten zu durchforsten© istock
 

Eine gefüllte Festplatte statt Vergesslichkeit im Alter

Ebenso ermutigend: Es kam heraus, dass Ältere ihr angesammeltes Wissen viel besser beherrschen als Jüngere. Die Wissenschaftler baten Testpersonen, sich Wortpaare zu merken. Einige waren sinnvoll (oben/unten), andere unsinnig (Katze/dunkel). Jugendliche bekamen beides gut hin, Ältere merkten sich passende Wortpaare besser.

Dies demonstriert, dass Ältere Sprache viel besser verstehen als Junge, sagt Prof. Harald Baayen von der Uni Tübingen. Wenn Ihnen also das nächste Mal der Name der Nachbarin nicht sofort einfällt, hat das nichts mit Vergesslichkeit im Alter zu tun. Geben Sie Ihrem Gehirn einfach ein bisschen Zeit, all die abgespeicherten Daten zu durchforsten. Es ist eben voll da oben, aber das ist ja auch gut so!

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.