Vergesslichkeit – was steckt dahinter? Vergesslichkeit – noch normal oder schon krankhaft?

Mona Trautmann
Alte Frau hat etwas vergessen
Vergesslichkeit ist in gewissem Maße normal – aber ab wann nicht mehr? © iStock/sanjagrujic

Vergesslichkeit muss nicht immer eine ernsthafte Erkrankung zugrunde liegen. PraxisVITA erklärt wie Sie mögliche Gedächtnisprobleme identfizieren und was Sie dagegen tun können.

Vergesslichkeit, also die Problematik, im Gedächtnis gespeicherte Informationen abzurufen, ist nichts anderes als eine natürliche Informationsfilterung des Gehirns. Dieser Prozess ist notwendig, um eine Überlastung zu vermeiden. 

Etwas zu vergessen ist also in gewissen Maße normal. Störend wird Vergesslichkeit, wenn sie den Alltag negativ beeinflusst. Doch wer die Ursache findet, kann in der Regel mit einfachen Mitteln etwas dagegen tun.

Junger Mann hält sich gestresst Hände ins Gesicht
Nicht nur alte, sondern auch junge Menschen vergessen hin und wieder etwas © iStock/shironosov
 

Die Ursachen für Vergesslichkeit sind vielseitig 

Mit dem Alter werden Menschen vergesslicher. Der Grund sind sich stetig verlangsamende biologische Vorgänge: Die Nervenzellen geben mit zunehmendem Alter seltener und schwächere Signale ab als in jungen Jahren. Vergesslichkeit im Alter muss also kein Vorbote einer Demenzerkrankung sein, sondern ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses des Gehirns. 
Doch das Alter ist nicht die einzige Ursache für Vergesslichkeit - schließlich vergessen auch junge Erwachsene und Kinder hin und wieder etwas. Ob das Gehirn eine Information speichert, hängt von vielen Faktoren ab. Unter anderem beeinflussen unser Interesse und Gefühl für etwas, ob das Gehirn eine Erinnerung oder Information speichert oder verwirft. Nur was das Hirn für wichtig befindet, leitet es ins Langzeitgedächtnis. 

Ursachen, die Vergesslichkeit begünstigen können sind außerdem:

  • Alkoholkonsum
  • Chemotherapien
  • Dehydration
  • Depressionen
  • Diabetes
  • Drogenmissbrauch
  • Epilepsie
  • Gehirnentzündung 
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Kopfverletzungen
  • Mangelernährung (Vitamin B12 Mangel)
  • Medikamenteneinnahme
  • Psychische Belastung
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Schlafmangel
  • Schlafstörungen
  • Schlaganfall
  • Stress
  • Überforderung
 

Symptome - Vergesslichkeit im Alltag

Die nicht krankhafte Vergesslichkeit äußert sich durch kleine Fehlleistungen des Gehirns. Dazu gehören das Vergessen einer Telefonnummer, eines Namens oder das Verlegen von Gegenständen. Diese Art von Vergesslichkeit ist kein Grund zur Sorge, wenn sie hin und wieder auftritt. 

Einen genauen Grenzwert dafür, ab wann Vergesslichkeit als krankhaft gilt, gibt es nicht. Sie sollten jedoch den Hausarzt informieren, wenn das Vergessen das alltägliche Leben einschränkt. Das ist der Fall, wenn bereits gelernte Dinge wie zum Beispiel Autofahren plötzlich nicht mehr funktionieren. Wenn Sie neu aufgenommene Informationen nach wenigen Minuten wieder vergessen oder sich gar nicht erst merken können, weist das ebenfalls auf eine krankhafte Ursache hin. Demenzkranke haben außerdem Probleme damit, sich räumlich und zeitlich zu orientieren: Betroffene verlaufen sich in gewohnter Umgebung oder wissen nicht, welcher Wochentag ist.

 

Diagnose - vergesslich oder krank?

Um festzustellen, ob die Vergesslichkeit krankhaft ist, befragt der Hausarzt den Patienten ausführlich. Wichtig sind Häufigkeit und Ausmaß des Vergessens: Für die Diagnosestellung muss der Arzt wissen, seit wann die Problematik besteht und ob und wie stark die Vergesslichkeit den Patienten im Alltag eingeschränkt. Liegen Anzeichen für eine Demenz vor, überweist der Hausarzt den Patienten zu einem Facharzt (Neurologen). Mit verschiedenen Tests und Untersuchungen kann dieser feststellen, ob eine Erkrankung vorliegt. Altes Ehepaar wandert

Bewegung an der frischen Luft tut dem Gehirn gut und hält fit © iStock/AleksandarNakic

 
 

Behandlung - was tun gegen Vergesslichkeit?

Die Behandlung der Vergesslichkeit ist abhängig von den Ursachen. Liegt keine Erkrankung zugrunde, hilft vor allem ein gesunder Lebensstil. Das heißt: 

  • Ausgewogen ernähren, um Nährstoffmangel vorzubeugen und dem Gehirn ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen. Insbesondere B-Vitamine sollten enthalten sein - sie vermindern nachweislich das Erkrankungsrisiko für Alzheimer.
  • Bewegung: Vor allem Tätigkeiten an der frischen Luft wie Wandern, Radfahren, Schwimmen und Joggen kurbeln die Sauerstoffversorgung des Gehirns an.
  • Lernen: Halten Sie Ihr Gehirn fit, indem sie etwas lernen - das fördert die Entstehung neuer Verbindungen der Nervenzellen (Synapsen). Ob eine Fremdsprache, ein Spiel, ein Musikinstrument oder eine Sportart. Auch Rätsel und Merkspiele fordernd die grauen Zellen. 
  • Schlaf und Entspannung: Gönnen Sie sich durchschnittlich acht Stunden Schlaf pro Nacht. Während Sie schlafen, überträgt das Gehirn Informationen ins Langzeitgedächtnis
  • Soziale Kontakte: Wer sich häufig mit Freunden, Familienmitgliedern und Nachbarn trifft, hält sein Gehirn fit - sozialer Kontakt fördert Merkfähigkeit und Konzentration. Umgekehrt erhöht Einsamkeit das Demenzrisiko, wie Studien beweisen.
  • Trinken: Bereits etwa fünf Stunden nach der letzten Flüssigkeitsaufnahme kommt es zu Konzentrations- und Lernproblemen. Erwachsene sollten pro Tag mindestens 1,5 Liter über den Tag verteilt trinken.
Frau löst Kreuzworträtsel
Das tägliche Kreuzworträtsel löst im Gehirn keine neuen Reize aus. Besser: etwas Neues lernen © iStock/burakkarademir
 

Vorbeugung: So halten Sie Ihr Gehirn fit

Eine gesunde Lebensweise als Mittel gegen Vergesslichkeit wirkt natürlich auch vorbeugend. Sie sollten Ihr Gehirn aber nicht nur fordern, sondern auch schützen: Vermeiden Sie es möglichst zu Rauchen und Alkohol zu trinken. Wie mehrere Studien beweisen, schadet beides dem Gehirn und somit der Merkfähigkeit.

Routinen und monotone Abläufe sind ebenfalls Gift für ein gutes Erinnerungsvermögen. Selbst wer jeden Tag ein Kreuzworträtsel oder ein Sudoku löst, gibt seinem Gehirn durch die gleichen Abläufe keine neuen Reize. Versuchen Sie lieber, Abwechslung in Ihren Alltag zu bringen: Nehmen Sie einen anderen Weg zur Arbeit oder zum Supermarkt oder benutzen Sie die andere Hand zum Zähneputzen oder Essen.

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