Verborgenes Wissen: Wie unser Gehirn in die Zukunft blickt

Blick in die Zukunft
Wissenschaftliche Studien belegen: Der Mensch kann bis zu 10 Sekunden in die Zukunft blicken © Fotolia

Eine internationale Studie beweist, dass das menschliche Gehirn in der Lage ist, einige Sekunden in die Zukunft zu sehen. Damit bestätigt sie Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie, die bereits 2010 weltweit für Aufregung gesorgt hatte. Praxisvita.de hat für Sie die Studie zusammengefasst und verrät Ihnen, wieso das menschliche Gehirn sogar dem schnellsten Computer der Welt weit überlegen ist.

Das menschliche Gehirn kann bis zu 10 Sekunden in die Zukunft schauen. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich veröffentlichte Meta-Studie. Bereits 2010 hatte der renommierte Psychologe Prof. Daryl Bem in Laboruntersuchungen herausgefunden, dass der Mensch die Fähigkeit zur Vorahnung zukünftiger Ereignisse besitze. Die Untersuchung ─ veröffentlicht 2011 in der Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology ─ brachte Belege dafür, dass Menschen sich in ihrem Verhalten von Ereignissen beeinflussen lassen, die noch nicht stattgefunden haben. Vorahnungen dieser Art würden bis zu 10 Sekunden in die Zukunft reichen, schrieb Bem und betonte, dass das menschliche Gehirn scheinbar nicht nur in der Lage ist, vergangene, sondern auch zukünftige Ereignisse zu reflektieren.

Die nun auf der Seite Social Science Research Networks veröffentliche Studie ist eine Meta-Analyse aller seit 2010 erfolgten Replikations-Experimente ─ also aller Untersuchungen, die sich mit der Überprüfung der Ergebnisse von Bem bis heute befasst haben. Ergebnis dieser Untersuchung ist die überwiegende Bestätigung der früheren Erkenntnisse Bems über die menschliche Fähigkeit der Vorhersehung, die demnach empirisch reproduzierbar und statistisch korrekt sind.

Beteiligt an dieser Meta-Analyse waren Forscher verschiedener Universitäten aus mehreren Ländern. Ausgewertet wurden insgesamt 90 Replikations-Experimente aus 14 Ländern, denen wiederum Daten von über 12.400 Probanden zugrunde lagen. 51 der analysierten Studien waren zuvor in einschlägigen Fachzeitschriften oder Expertenseminaren veröffentlicht worden.

 

Die Studie führte zu großen Debatten

Die Ergebnisse der Bems-Studie aus dem Jahre 2010 waren bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung Gegenstand heftiger Diskussionen ─ vor allem in Fachkreisen. In einigen Replikations-Studien hieß es in der Folge, dass Bems Versuchsergebnisse hinsichtlich menschlicher Präkognition nicht reproduzierbar seien. Nun belegt die aktuelle Meta-Studie, dass Bems Ansichten aus wissenschaftlicher Sicht durchaus haltbar sind.

 

Auch andere Studien bewiesen Bems Theorie

Zwar wurden in den vergangenen Jahren von Fachzeitschriften vor allem Studien aufgegriffen, die Bems Theorie der Präkognition zu widerlegen schienen. Doch gab es seit 2010 ebenso Untersuchungen, welche die menschliche Fähigkeit zur Vorhersage von Ereignissen stützten.

Ohne Bezug zu Bems Studie hatte darüber hinaus die Psychologin Julia Mossbridge von der Northwestern University in Chicago in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Californien und Italien 2012 eine Studie in der Fachzeitschrift "Frontiers in Perception Science" veröffentlicht, bei der sie zu ähnlichen Ergebnissen kam wie zwei Jahre zuvor Bem. Mossbridge wies ihrerseits in sieben voneinander unabhängigen Laborversuchen ─ die seit 1978 durchgeführt worden waren ─ nach, dass Menschen in der Lage seien, zwei bis zehn Sekunden in die Zukunft zu schauen.

 

Das menschliche Gehirn kann Unglaubliches leisten

Immer wieder zeigt sich selbst die Wissenschaft überrascht von verborgenen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns. Auch wenn diese Ergebnisse sicher eine völlig neue Perspektive auf die menschlichen Kognitionsfähigkeiten werfen, wurde bereits in den vergangenen Jahren immer mehr deutlich, dass der Mensch mit seinem Gehirn zu unglaublichen Leistungen in der Lage ist.

So ist zum Beispiel unser Gehirn bezüglich seiner Speicher- und Rechenleistungen auch den besten Supercomputern weit überlegen. Neuesten Schätzungen zufolge kann der Mensch bis zu 1000 Terabyte an Daten in chemischer Form in den Synapsen halten. Das entspricht dem Informationsgehalt von ungefähr 500 Millionen Büchern. Zum Vergleich: Der Supercomputer Watson hat einen Arbeitsspeicher von 16 Terabyte. Doch nicht nur die Speicher-, auch die Rechenleistung ist der von Computern weit überlegen: So laufen im Gehirn pro Sekunde bis zu zehn Billiarden parallele Rechenoperationen. Dabei verarbeitet das Gehirn über unsere Sinne äußere Eindrücke der Umgebung bewusst und unterbewusst gleichzeitig: Dass wir zum Beispiel zugleich sehen, hören, riechen, schmecken sowie handeln können und nebenbei noch denken, erinnern, fühlen, ahnen und so weiter, ist nichts als eine unglaubliche Rechenleistung unseres Gehirns, die bis vor wenigen Jahren selbst für Wissenschaftler kaum fassbar war.

Hamburg, 18. April 2014

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