Veratrum album: Homöopathie bei psychischen Erkrankungen

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Veratrum album ist ein homöopathisches Mittel, das aus der Pflanze Nieswurz gewonnen wird. Es wird vor allem bei psychischen Erkrankungen eingesetzt. 

Weiße Blume
Veratrum album gilt in der Homöopathie als Mittel für die Extreme Foto:  iStock/hsvrs
 

Veratrum album: Was ist es?

Bei Veratrum album handelt es sich um den weißen Nieswurz, auch weißer Germer genannt. Es ist eine giftige Pflanze aus der Ordnung der Liliengewächse, die bevorzugt auf Alpenwiesen heimisch ist. Ihr Gift befindet sich vor allem im Wurzelstock. Das Gift führt zu Erbrechen, starkem Durchfall, Muskelkrämpfen sowie Atemnot bis hin zum Kollaps. Ohne Behandlung kann die Vergiftung zum Tod führen. In der Homöopathie werden zwar die giftigen Wurzelteile verwendet, diese werden jedoch stark verdünnt (potenziert). 

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Einsatzbereiche: Bei welchen Beschwerden wird Veratrum album angewandt?

Veratrum album gilt in der Homöopathie als Mittel für die Extreme. Laut Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, könne Veratrum album „ein Drittel aller Wahnsinnigen in den Irrenhäusern heilen“. Auch heute noch wird Veratrum album vor allem bei Verhaltensauffälligkeiten eingesetzt. Weitere Einsatzbereiche sind Krankheiten und Zustände wie

  • manische Gemütsverstimmungen
  • depressive Verstimmungen
  • Zerstörungswut und Lügen
  • Kreislaufschwäche und niedriger Blutdruck
  • Lebensmittelvergiftung
  • Magenschleimhautentzündung
  • Brechdurchfall (akut)
  • Verstopfung
  • ADHS
  • Infektionskrankheiten mit Fieber

Foto: iStock
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Typische Symptome und Beschwerden für Veratrum album bessern sich beim Gehen oder durch Wärme. Sie verschlimmern sich hingegen durch Sommerhitze, Wetterwechsel, durch Berührung, nach dem Trinken, nachts, im Winter oder direkt nach dem Erwachen.

 

Veratrum album: Welche Dosierung und Anwendung werden empfohlen?

Veratrum album gibt es in Form von Tropfen, Tabletten oder den typischen Streukügelchen (Globuli). Da der Nießwurz als Grundsubstanz sehr giftig ist, gibt es die Potenzen D1 bis D3 nur auf Rezept. Zur Selbstbehandlung werden am häufigsten die Potenzen D6 und D12 sowie C12 eingesetzt. D6 kann im Akutfall auch halbstündlich, aber nicht öfter als zehnmal am Tag eingenommen werden. Die Potenz D12 höchstens sechsmal am Tag und für C12 empfiehlt der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte eine Anwendung von maximal viermal täglich. Genommen wird jeweils eine Gabe, das entspricht zwei bis drei Globuli.

 

Veratrum album: Was gilt für die Anwendung bei Baby und Kind?

Bei Babys soll Veratrum album vor allem bei den berüchtigten Dreimonatskoliken helfen. Bei älteren Kindern im Schulalter wird Veratrum album von Homöopathen dann empfohlen, wenn eine ADHS-Diagnose in Betracht gezogen wird. Grundsätzlich ist ADHS keine Erkrankung, die sich ausschließlich mit Homöopathie heilen lässt. Betroffene Kinder müssen ärztlich behandelt werden. Parallel zu dieser Therapie kann man mit dem Arzt auch eine unterstützende Anwendung von Veratrum album besprechen.

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Hinweis: Die spezifische Wirksamkeit von Homöopathie wird in der Wissenschaft diskutiert. Dennoch ist Homöopathie als sanfte Heilmethode sehr beliebt.

Quellen:

Sommer, S. (2015): Homöopathie. Alltagsbeschwerden selbst behandeln. Gräfe und Unzer Verlag, München

Stumpf, W. (2015): Homöopathie für Kinder. Gräfe und Unzer Verlag, München

Wiesenauer, M. & Kirschner-Brouns, S. (2007): Homöopathie – Das große Handbuch. Gräfe und Unter Verlag, München

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