Verändert Musik den Geschmack von Bier?

Phyllis Kuhn
Anstoßen mit Bier
Achtung: Die Hintergrundmusik könnte einen großen Einfluss auf den Geschmack Ihres Bieres haben. © iStock

Das Bier schmeckt viel zu bitter? Alicia Keys und Elton John könnten Ihnen helfen, das Getränk zu versüßen.

Bier ist ein unkompliziertes Getränk. Es schmeckt zwar vielleicht etwas schal, wenn es schon ein Weile steht aber – anders als bei Wein – sind beim Biergenuss die genaue Temperatur (Hauptsache kalt), das Essen (Bier passt zu allem) und die Lagerung keine besonderen Einflussfaktoren, was den Geschmack angeht. Aber warum schmeckt dieselbe Biersorte dann trotzdem manchmal so ungewohnt? Offenbar gibt es eine völlig unerwartete Komponente, die den Geschmack von Bier beeinflussen kann: Musik.

 

Bitteres Bier „klingt tief“

Das haben Forscher aus Belgien und Großbritannien herausgefunden. Felipe Reinoso Carvalho, Psychologe an der Vrije Universität Brüssel und sein Team gaben in einem Versuch 75 Teilnehmern drei verschiedene Biersorten zu trinken. Während die Probanden zwei verschiedene Pale Ales und ein helles Bier verkosteten, wurden ihnen unterschiedliche Musikrichtungen vorgespielt. Dabei sollten sie die Lieder auswählen, die am besten zum jeweils getrunkenen Bier passten. Bei der Auswertung durch die Forscher zeigte sich ein Muster: Eher bittere Biere wurde am häufigsten mit Liedern kombiniert, die aus tiefen Tönen bestanden.

 

Hohe Töne versüßen das Bier

In einem anderen Versuch wurde die Anordnung variiert. Charles Spence, Psychologe an der Oxford Universität und sein Team spielten 340 Teilnehmern unterschiedliche Musikrichtungen vor und baten sie, dabei den Geschmack dreier verschiedener Biere zu bewerten. Tatsächlich wurden Biere bei harmonischer Musik um bis zu 20 Prozent süßer wahrgenommen. Dieser Eindruck verstärkte sich, wenn in der Musik hohe Töne vorkamen und Musikinstrumente wie Klavier und Flöten involviert waren. Wurden besonders hohe Töne von Instrumenten wie einem Glockenspiel gespielt, empfanden die Teilnehmer ihr Ale als saurer. Eher dissonant klingende Töne in Kombination mit komplexen Harmonien und tiefen Tönen von Instrumenten wie Trompeten und Posaunen veranlassten die Probanden dazu, ihr Bier als um 30 Prozent bitterer zu erleben - im Gegensatz zu Probanden, die keine Musik beim Trinken hörten. Das Bier wurde in diesem Fall auch als stärker empfunden. Die Forscher nehmen an, dass Musik auch andere Geschmäcker in Bier intensivieren kann.

 

Saures Bier durch Taylor Swift-Songs?

„Menschen neigen dazu, Bitterkeit mit tiefen Tönen und Süße mit hohen Tönen zu assoziieren. Dass diese Wahrnehmungsverschiebung auch bei der empfundenen Stärke des Bieres auftritt, hat uns überrascht“, so Carvalho. Bei der Stärke des Bieres mag die durch die Musik stärker empfundene Bitterkeit eine Rolle gespielt haben aber bestimmte Elemente der Musik scheinen der Hauptauslöser zu sein, warum die Biere als stark wahrgenommen wurden“. Wer das Experiment zuhause nachstellen möchte, aber bei der Soundtrack-Wahl unschlüssig ist: Songs von Alicia Keys, Elton John oder Mariah Carey sollten das Bier süß schmecken lassen. Bitterer könnte es schmecken, wenn Sie sich dabei Bob Marley, Britney Spears oder Lilly Allen anhören. Saurer könnte es bei Selena Gomez, Ariana Grande und Taylor Swift werden.

Für die Forscher um Felipe Reinoso Carvalho ist die Bier-Musik-Studie erst der Anfang: „Wir wollen auch verstehen, wie Geräusche unsere Entscheidungsprozesse beeinflussen und zum Beispiel herausfinden, ob bestimmte Geräusche Menschen dazu bewegen können, gesündere Lebensmittel einzukaufen“, so Carvalho. Dabei sei Musik nur eine Komponente. „Wir glauben, dass wir erst am Anfang stehen. Wir wollen in Zukunft auch mit anderen Lebensmitteln und Getränken arbeiten und schrittweise andere Sinne wie das Sehen, Riechen und Berühren integrieren.“ 

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