Ventrikelseptumdefekt: Wenn das Herz ein Loch hat

Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt den Herzfehler VSD
Expertin Dr. Hess: „Der Ventrikelseptumdefekt ist der häufigste angeborene Herzfehler beim Menschen. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen. Insgesamt kommen circa fünf von 1000 Kindern mit dem Herzfehler VSD zur Welt“ © privat

Beim Ventrikelseptumdefekt, auch VSD genannt, hat die Scheidewand, die beide Herzhauptkammern voneinander trennt, an einer Stelle ein Loch. Sauerstoffreiches Blut aus dem linken Ventrikel (Hauptkammer des Herzens) kann in den rechten Ventrikel fließen. Umgekehrt fließt normalerweise kein Blut, da der Druck in der linken Herzkammer viel höher ist, als in der rechten. Wie oft kommt er vor und bei wem besonders häufig? Wie kann man diesen Herzfehler diagnostizieren? Muss er behandelt werden und wenn ja, wie?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

VSD ist der häufigste Herzfehler überhaupt und meistens nicht dramatisch. In der Regel kommt es nur zu minimalem – wenn überhaupt relevantem – Blutfluss vom linken in den rechten Ventrikel und es hat keinerlei schädliche Auswirkungen.

Ist es stets eine größere Menge Blut, die von links nach rechts fließt, kann die rechte Herzkammer und in Folge auch die Lungengefäße durch das erhöhte Volumen belastet werden und je nach Ausmaß größeren Schaden nehmen.

 

Loch in der Herzscheidewand – wie wird die Diagnose gestellt?

Der Ventrikelseptumdefekt ist der häufigste angeborene Herzfehler beim Menschen. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen. Insgesamt kommen circa fünf von 1000 Kindern mit dem Herzfehler VSD zur Welt.

Ventrikelseptumdefekt: Loch in der Herzscheidewand
Beim Ventrikelseptumdefekt gelangt Blut durch ein Loch in der Herzscheidewand von der linken in die rechte Herzkammer. Je größer das Loch, desto stärker die Belastung für Herz und Lungenkreislauf. In schweren Fällen führt das zu irreparablen Schäden der Lungenarterien und zu Herzversagen© Shutterstock

Auffallen wird ein Ventrikelseptumdefekt vor allem beim Abhören des Herzens mit dem Stethoskop.

Dann ist ein Strömungsgeräusch hörbar, welches durch den turbulenten Blutfluss von der linken in die rechte Kammer ausgelöst wird und normalerweise eben nicht vorkommt. Bei kleinen Defekten in der Scheidewand ist das Geräusch das einzige Symptom und bleibt es auch ein Leben lang.

Hört der Arzt ein Herzgeräusch, das eigentlich nicht da sein sollte, wird er eine genauere Untersuchung des Herzens durch einen Kinderherzspezialisten anordnen.

Dieser macht dann ein EKG und eine Echokardiographie – eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Herzens. Vor allem die zweite Untersuchungsform ist normalerweise sehr aufschlussreich.

 

Herzfehler VSD: Welche Symptome treten auf?

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Ein Ventrikelseptumdefekt bei Kindern wird durch Abhören des Herzens mit dem Stethoskop festgestellt. Der VSD macht sich dabei durch anormale Strömungsgeräusche bemerkbar© Fotolia

Je größer das Loch zwischen rechter und linker Kammer jedoch ist, desto mehr Blut fließt zurück in den Lungenkreislauf, belastet diesen und auch das rechte Herz. Es kann zu irreparablen Schäden in den Lungenarterien kommen, die dazu führen, dass der Gasaustausch nicht mehr normal funktioniert und zu Herzversagen.

Durch die Veränderungen im Lungenkreislauf kann es im schlimmsten Fall sogar zu einer Druckumkehr kommen – wie schon gesagt, ist normalerweise in der linken Herzkammer der Druck deutlich höher als rechts. Bei einer dauerhaften und massiven Volumenbelastungkann es dazu kommen, dass der Druck im rechten Herzen den auf der linken Seite übersteigt. Auch eine Endokarditis, eine Entzündung der Herzinnenhöhlen, kann häufiger vorkommen. Die schwer betroffenen Kinder leiden unter mangelnder Gewichtszunahme und sind kaum körperlich belastbar, weil Atemnot besteht.

 

Wie sieht beim Ventrikelseptumdefekt die Behandlung aus?

Operationsmethoden bei VSD

1. Minimalinvasiv: Über einen Herzkatheter wird von der Leiste aus ein kleines Schirmchen im Herzen an der Stelle des Lochs platziert.
2. Operation am offenen Herzen: Dieser Eingriff ist vor allem bei sehr großen Ventrikelseptumdefekten notwendig.

Die allermeisten Fälle eines Vorhofseptumdefekts sind nicht behandlungsbedürftig. Eine lebenslange, regelmäßige Kontrolle des Herzens mit Abhören, Echokardiographie und EKG sind aber trotzdem notwendig.

Bei größeren Defekten ist früher oder später eine chirurgische Therapie notwendig, um genannte Folgeschäden, die ja auch tödlich sein können, zu verhindern.

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