Valium: Die Sucht der Senioren

Aerzte verschreiben Senioren oft Valium
Senioren wird bei akuten Angstzuständen oder dauerhafter Schlaflosigkeit häufig das Beruhigungsmittel Valium verschrieben. Problem: Das Medikament führt sehr schnell zur Abhängigkeit © Fotolia

Valium wird gerade älteren Menschen gern verschrieben. Dass es schnell abhängig macht, wissen die wenigsten: Experten schätzen, dass in Deutschland rund 1,9 Millionen Menschen nach Benzodiazepinen, zu denen auch Diazepam gehört, süchtig sind. Diazepam ist in Valium enthalten.

Die meisten Betroffenen – etwa 1,2 Millionen – sind ältere Menschen. Das Problem liegt in der Regel in der Chemie des Gehirns: Dort arbeiten ständig zwei Systeme gegeneinander – ein erregendes und ein dämpfendes. Wenn das erregende System die Oberhand gewinnt, rasen die Gedanken, verhindern einen gesunden Schlaf und lösen Ängste aus. Valium sorgt dann dafür, dass das dämpfende System die Hirnchemie wieder in ein Gleichgewicht bringt.

Aber das funktioniert nur kurze Zeit. Um dann weiterhin die gewünschte Wirkung zu erzielen, muss die Dosis immer mehr erhöht werden. Folge: Die Betroffenen entwickeln eine körperliche und geistige Abhängigkeit. Die Wirkung von Diazepam tritt übrigens in der Regel sofort nach der Einnahme ein. Deshalb verschreibt man es bei akuten Angstzuständen oder dauerhafter Schlaflosigkeit.

 

Warum sind so häufig Senioren betroffen?

Noch vor zehn bis zwanzig Jahren haben Ärzte sehr viel häufiger Valium und ähnliche Beruhigungsmittel verordnet. Zum einen, weil damals noch nicht bekannt war, wie schnell die Mittel abhängig machen. Zum anderen weil es noch keine harmloseren, aber wirksamen Alternativarzneien gab. Heute hingegen wird viel häufiger ein Medikament mit geringerem Suchtpotenzial verschrieben.

Ein weiterer Grund für Abhängigkeit vieler Senioren: Gerade in Altersheimen werden Bewohner auch heute noch oft mit Valium ruhiggestellt, um Pflegepersonal zu sparen. Außerdem fällt die Sucht bei Senioren weniger auf. Wenn sich ältere Menschen zurückziehen, stiller werden, sich immer weniger bewegen, führen Angehörige und Freunde das in den meisten Fällen auf das fortschreitende Alter oder eine beginnende Demenz zurück.

 

Mit ärztlicher Hilfe langsam ausschleichen

„So schnell es geht wieder absetzen“, rät deshalb der Hamburger Neurologe Dr. Ansgar Frieling. Denn wenn Diazepam länger als zwei bis vier Wochen eingenommen wird, treten schwere Nebenwirkungen auf. Unter anderem werden die Betroffenen wacklig auf den Beinen und stürzen häufig, viele wandeln völlig teilnahmslos durch ihr Leben. Aber das größte Problem ist die schnelle Abhängigkeit. Sie lässt sich in der Regel nur mit ärztlicher Hilfe heilen. Schritt für Schritt reduziert der Arzt die Dosis und verabreicht gegen die Entzugserscheinungen ein Anti-Depressivum.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.