US-Behörde lässt umstrittene Maßnahme gegen Übergewicht zu

Phyllis Kuhn
Abnehm-Pumpe
Die AspireAssist-Pumpe saugt noch unverdautes Essen aus dem Magen ab und soll so die Kalorienaufnahme der Nutzer reduzieren. © YouTube

Die US-amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) hat eine Magen-Pumpe zugelassen, die schwer übergewichtigen Patienten helfen soll, abzunehmen.

Die sogenannte AspireAssist-Pumpe ist umstritten, da sie im Grunde nur Teile des Mageninhalts der Patienten absaugt. Kritiker bezeichnen den Vorgang deshalb auch als „assistierte Bulimie“. Die Hersteller der AspireAssist-Pumpe halten dagegen, dass die Pumpe eine Gewichtsabnahme von bis zu 12 Prozent bewirken könne und für nicht essgestörte Patienten unbedenklich sei.

Durch einen schmalen Schnitt in die Haut (minimalinvasiv) wird die elektrische Pumpe mit einem Schlauch an den Magen angeschlossen. Auf Knopfdruck saugt die Pumpe zwanzig Minuten nach einer Mahlzeit den Mageninhalt an, dieser kann dann laut Hersteller direkt über die Toilette entsorgt werden. Im nächsten Schritt wird Wasser in den Magen geleitet, um weitere Essensreste aufzulösen. Auch diese werden anschließend abgepumpt. Nach dem etwa fünfminütigen Vorgang soll der Magen um bis zu ein Drittel entleert sein, der restliche Mageninhalt wird normal verdaut.

Die Idee dahinter: Das Gehirn hat zwanzig Minuten nach der Mahlzeit schon entsprechende Sättigungssignale vom Magen erhalten. Der Magen hat jedoch noch nicht angefangen die Nahrung zu verdauen. Entfernt man nun 30 Prozent des Mageninhalts, entstehen keine neuen Hungergefühle, obwohl weniger Kalorien aufgenommen werden.

 

Kalorienreduzierung ohne Diät?

Klinische Versuche haben bereits gezeigt, dass Patienten durch die Anwendung der Pumpe nach einem Jahr durchschnittlich 23 Kilogramm abgenommen hatten. Vorteile des Apparats sind seine relativ komplikationslose Implantation und spätere Anwendung durch den Nutzer. Gewichtsverringernde Alternativen wie eine Magenverkleinerung oder ein Magen-Bypass erfordern gerade bei schwer adipösen Patienten riskante Operationen und sind nicht rückgängig zu machen. Da die Anwender selbst steuern können, wann und wie oft sie die Pumpe anwenden, ist auch keine ständige ärztliche Betreuung nötig. Ist die Pumpe für extrem Übergewichtige daher ein geeignetes Mittel, die Kalorienaufnahme stressfrei zu reduzieren?

 

Ist die Pumpe eine „Bulimie-Maschine“?

Experten sind kritisch, ob ein bloßes Abführen der noch unverdauten Speisen wirklich eine nachhaltige Art des Abnehmens ist. Tatsächlich wirbt der Hersteller auf seiner Seite damit, dass Patienten durch die Pumpe noch nicht einmal ihre Ernährung umstellen müssten. Genau das ist jedoch eines der Grundprinzipien für eine gesunde und nachhaltige Gewichtsabnahme. Auch einige anwendungstechnische Probleme sorgen für Kritik. So berichten Nutzer, dass Nahrung, die noch nicht vollständig zerkleinert ist, häufig im Schlauch stecken bleibt und die Pumpe verstopft. Ärzte warnen außerdem davor, dass ein unkontrolliertes Absaugen des Mageninhalts Dehydrierung und Unterversorgung an Elektrolyten und Mineralien bewirken kann. Die amerikanische Seite Jezebel bezeichnete die Pumpe bereits als Bulimie-Maschine, die zudem das Risiko für Infektionen und weitere gesundheitliche Komplikationen berge.

Auch in Deutschland ist die Pumpe bereits erhältlich, konnte sich in der Behandlung übergewichtiger Patienten aber noch nicht durchsetzen.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 15. Juni 2016

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