Urlaub in Corona-Zeiten: Mit diesen Maßnahmen soll es klappen

Mona Eichler

Urlaub ist auch während der Coronakrise möglich, betont die EU-Kommission. Die festgelegten Richtlinien der Brüsseler Behörde sollen "den europäischen Tourismus wieder in Gang bringen" und gleichzeitig für den notwendigen Schutz vor Corona sorgen.

Inhalt
  1. Corona und die Grenzen
  2. Hygienepflicht: Regeln in Flugzeugen, Hotels und Restaurants
  3. Sonderregelungen für Ältere und Kinder
  4. Gutschein oder Erstattung: Touristen haben die Wahl
  5. EU-Kommission rät zu Tracing-Apps im Urlaub

Statt den Urlaub 2020 wegen Corona gar nicht erst in Betracht zu ziehen, sollen europäische Bürger ihre freien Tage lieber gezielt und mit guter Vorbereitung planen: Die EU-Kommission formulierte Richtlinien, um Reisen wieder möglich zu machen. 

"Millionen von kleinen und familiengeführten Beherbergungsbetrieben, Restaurants, Beförderungsunternehmen und Reisebüros sind vom Konkurs bedroht und können Mitarbeiter nicht mehr halten. Sie müssen den Betrieb dringend wieder aufnehmen", betonte Binnenmarktkommissar Thierry Breton. "Wir tragen dazu bei, den europäischen Tourismus wieder in Gang zu bringen, ohne dass Gesundheit und Sicherheit gefährdet werden."

Autoschlange an einer Zollgrenze
Service Bundesregierung beschließt schrittweise Grenzöffnungen

 

Corona und die Grenzen

In ihren Empfehlungen sprach die Brüsseler Behörde zunächst das umstrittene Thema der europäischen Grenzen an. Schrittweise und vorsichtige Lockerungen bei Grenzkontrollen seien nur möglich, wenn die Viruszirkulation innerhalb der betreffenden Länder erfolgreich reduziert sei. Danach könne man von pauschalen Regelungen auf gezieltere, lokale Maßnahmen umschwenken.

Zwischen Nachbarländern, die eine Lockerung anstreben, müsse eine vergleichbare Infektionssituation herrschen. Sprich: Hat ein Land Corona unter Kontrolle gebracht, würde die Grenzöffnung zu einem Nachbarstaat, in dem das Virus noch heftig grassiert, eine Gefährdung bedeuten. Außerdem sollten Länder, zwischen denen die Grenzen geöffnet werden, ähnliche Hygienevorgaben haben, damit Touristen sich leichter orientieren und an die Regeln halten können. 

Zudem müsste jedes Land, das Tourismus erlauben wolle, die Kapazitäten im eigenen Gesundheitssystem im Blick haben: Reisende bedeuten einen möglichen Anstieg der SARS-CoV-2-Infektionen, der zu bewältigen sein muss. 

Zeitgleich betonte die EU-Kommission in ihren Leitlinien, dass Grenzöffnungen nicht zu einem Zwei-Klassen-System führen dürfen. Sobald ein Mitgliedstaat seine Grenze zu einem anderen öffne, müsse das "ohne Diskriminierung für alle Menschen gelten, die in diesem Gebiet wohnen, gleich, ob sie Bürger des betreffenden Mitgliedstaats sind."

Grafische Darstellung des Coronavirus
NEWS Corona: Immer mehr Fälle nach Restaurantbesuch und Gottesdienst

 

Hygienepflicht: Regeln in Flugzeugen, Hotels und Restaurants

Mit Blick auf Reisen mit dem Flugzeug fielen die Empfehlungen aus Brüssel eher schwammig aus. Bei einer Wiederaufnahme des Reiseverkehrs müssten Fluggesellschaften selbst entscheiden, ob sie in Passagierkabinen die mittleren Sitzplätze unbesetzt lassen, hieß es. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an Flughäfen und in Flugzeugen sei allerdings Pflicht. 

Auch der Urlaubsalltag in Hotels und Restaurants wird sich durch Corona gravierend verändern. In ihren Richtlinien geht die EU-Kommission einen erwartbaren Weg: Schulungen für das Personal, eine Maximalzahl an Gästen, eine Zeitbegrenzung für Mahlzeiten, Mindestabstand, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz – die Empfehlungen ähneln den Vorschlägen für Hygienemaßnahmen des Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Auch Plexiglasscheiben zum Virenschutz und Bodenmarkierungen empfiehlt die EU-Kommission.

Schwangere mit Mundschutz
Schwangerschaft & Geburt Schwangerschaft in der Corona-Krise: Darauf sollten Schwangere achten

 

Sonderregelungen für Ältere und Kinder

Da ältere Menschen zu den Risikogruppen des Coronavirus gehören, deswegen aber nicht auf ihren Urlaub verzichten sollen, gelte es, sie besonders zu schützen. Das könne neben den bereits beschriebenen Maßnahmen unter anderem dadurch geschehen, dass Aufzüge in Hotels und Restaurants vornehmlich den Senioren vorbehalten sind. "Vorrang in Aufzügen sollten diejenigen haben, die körperlich eingeschränkt sind oder Gepäck tragen müssen", schrieb die EU-Kommission dazu. Hotels sollten außerdem bereit sein, private Mahlzeiten auf den Zimmern anzubieten – damit sich die Älteren beim Auswärtsessen keinem Risiko aussetzen.  

Kinder hingegen könnten den Urlaub in Zukunft enger mit ihren Eltern verbringen: Brüssel empfiehlt, Kinderbetreuung fürs Erste nicht anzubieten. Jeder "Beherbergungsbetrieb sollte sorgfältig überlegen", ob hier das Infektionsrisiko nicht zu groß sei.

Animation eines sich vermehrenden Virus
Krankheiten & Behandlung Coronavirus: Bin ich immun nach einer Infektion?

 

Gutschein oder Erstattung: Touristen haben die Wahl

Weiterhin umstritten ist die Frage, ob Kunden von geplatzten Reisen die gezahlten Kosten zurückerstattet oder einen Gutschein bekommen. Die Kommissionsbehörde erklärte dazu in ihren Richtlinien: 

"Nach EU-Recht haben Reisende einen Anspruch darauf, zwischen Gutscheinen und einer Barerstattung für annullierte Tickets (für Flug-, Bahn- und Busreisen sowie Überfahrten mit einer Fähre) oder Pauschalreisen zu wählen. Mit der Empfehlung der Kommission wird dies bekräftigt und zugleich sichergestellt, dass Gutscheine eine praktikablere und attraktivere Alternative zur Erstattung des Geldwerts für im Kontext der aktuellen Pandemie annullierte Reisen werden, durch die Reiseveranstalter auch finanziell stark unter Druck geraten sind."

Des Weiteren mahnte die Behörde an, die Gutscheine, die stets auf Freiwilligkeit basieren, für die Kunden attraktiver zu gestalten. Sie sollten "vor einer Insolvenz des ausgebenden Unternehmens geschützt, mindestens 12 Monate gültig und bei Nichteinlösung nach höchstens einem Jahr erstattbar" sein. Ein weiteres Plus: Die EU-Kommission legte Reiseanbietern nahe, sämtliche Gutscheine übertragbar zu machen.

Halb volle Infusion in einem Krankenhauszimmer
Krankheiten & Behandlung Corona: Remdesivir zeigt erste Erfolge in klinischer Studie

 

EU-Kommission rät zu Tracing-Apps im Urlaub

Besonderes Augenmerk legte die EU-Kommission in ihren Richtlinien zu Urlaub in der Coronakrise auch auf die umstrittenen Tracing-Apps. Diese Anwendungen protokollieren über Bluetooth mögliche Corona-Risiko-Kontakte auf dem Smartphone und warnen den Besitzer, sobald einer der gespeicherten Kontakte positiv auf COVID-19 getestet wurde und dies in der App hinterlegt hat. So sollen Infektionsketten nachvollziehbar gemacht werden. 

Online schrieb die Kommission dazu: "Die EU-Bürger müssen auf sichere und geschützte Weise Warnung in Bezug auf eine mögliche Infektion erhalten können, und zwar unabhängig davon, wo in der EU sie sich aufhalten und welche App sie benutzen."

Ausführliche Informationen zu Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen finden sich auf der Homepage des Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. 

Quellen: 
EU-Kommission gibt Orientierungshilfe für sicheres Reisen und Aufschwung des europäischen Tourismus, in: ec.europa.eu
Was die Corona-Warn-App können soll, in: sueddeutsche.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.