Uralter Schlaf-Mythos widerlegt – Vollmond nicht für Schlaflosigkeit verantwortlich

Schlaf-Mythos Vollmond
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München widerlegt in einer aktuellen Studie einen uralten Schlaf-Mythos: Ein voller Mond lässt den Menschen nicht schlechter schlafen © Fotolia

Der Vollmond ist nicht verantwortlich für Schlaflosigkeit. Eine aktuelle Studie konnte keinen Zusammenhang zwischen Schlafqualität und einzelnen Mondphasen finden und widerspricht damit den Ergebnissen früherer Untersuchungen. Nach Meinung der Forscher unterschätzen aber viele Menschen den Einfluss von Licht – besonders künstlichem – auf den Schlaf. Praxisvita nennt die Fakten.

Viele Menschen sehen sich von einem vollen Mond in ihrer Schlafqualität beeinflusst. Diese Wahrnehmung entlarven nun Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie in München in einer kürzlich veröffentlichten Studie als einen Mythos und zeigen, dass es „keinen statistisch belegbaren Zusammenhang“ zwischen einzelnen Mondphasen und gutem oder schlechtem Schlaf gibt.

 

Frühere Schlaf-Studien wurden widerlegt

„Nachdem wir diese große Anzahl von Daten ausgewertet hatten, konnten wir frühere Ergebnisse aus anderen Studien nicht bestätigen", erklärt der Studienautor und Neurowissenschaftler Martin Dresler. Frühere Studien hatten immer wieder den Vollmond als signifikanten Auslöser für Schlafstörungen – wie Schlaflosigkeit – gesehen. Der Fehler solcher Studien lag nach Aussagen des MPI an den zu kleinen Probanden-Zahlen. Schlafstudien mit nur 15 Testpersonen produzieren demnach keine quantitativ ausreichende und qualitativ sichere Datenlage für eine wissenschaftliche Untersuchung. Forscher sprechen bei solchen Ergebnissen von einem „Schubladenphänomen“.

Zudem fanden die Wissenschaftler des MPI bei ihrer Recherche im Vorfeld der eigenen Studie zahlreiche Untersuchungen, die ebenfalls den Einfluss des Mondes auf die Schlafqualität von Menschen ausgeschlossen hatten, aber auffälligerweise in beinahe keinem Fall publiziert worden waren.

 

Der Einfluss des Mondes hat eine subjektive Komponente

Für die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlichte Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von 1.265 Probanden aus mehr als 2.000 Nächten. Dabei zeigte sich zwar, das es keine direkten Nachweise für eine Beeinflussung der Schlafqualität gibt, gleichzeitig aber die persönliche Einschätzung eine große Rolle spielt.

Wenn ein Mensch weiß, dass Vollmond ist und er glaubt, bei einem vollen Mond schlechter zu schlafen, dann wird dieses Gefühl häufig zu einer Art sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Solche Faktoren sind weniger neurologischer Natur, als viel mehr ein psychologisches Phänomen, das – so unterschiedlich es auch auf den Einzelnen wirken mag – als schlafstörender Einfluss von den Wissenschaftlern nicht unterschätzt wird.

Schlaf-Mythos Vollmond
Zwar gibt es keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und Vollmond. Dennoch ist in Fachkreisen unbestritten, dass der Einfluss von künstlichem Licht – wie z.B. das blaue Licht von Handy- und Computerbildschirmen – durchaus schlafstörend auf den Menschen wirken kann© Fotolia
 

Ob Vollmond oder Neumond – Licht ist Faktor für Schlaf

Hinzu kommt, dass der Vollmond eine Nacht deutlich heller macht und Licht ist nach Aussagen der Schlaf-Experten durchaus ein Störfaktor auf den menschlichen Schlaf. Die Ausschüttung des Einschlafhormons Melatonin wird durch Licht verringert, sodass sich eine schlafstörende Wirkung zeigen kann. Dieser Effekt bezieht sich aber auf jedes Licht – insbesondere auf „blaues Licht“. Der Mond spielt in Sachen Beleuchtung heute aber nur noch eine Nebenrolle.

Vor allem in Stadtgebieten ist der Einfluss von künstlichem Licht – Straßenlaternen, Scheinwerfern, Zimmerlampen, aber auch das Bildschirmlicht von Handys und  Computern – so stark, dass der Mond als nächtlicher Lichtfaktor nur noch eine unbedeutende Nebenrolle spielt.

Hamburg, 23. Juni 2014.

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