Unterwegs am Steuer bis ins hohe Alter – mit diesen Tipps!

Eine alte Frau fährt Auto
Die Reaktionszeit von Menschen über 65 verlängert sich, wenn sie mehrere Informationen gleichzeitig auswerten müssen, zeigt eine britische Studie © Fotolia

Wenn sie abgelenkt werden, haben Menschen über 65 eine dreimal so lange Reaktionszeit wie Jüngere – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie britischer Forscher.

Ein Team aus Psychologen an der Nottingham Trent University untersuchte in drei verschiedenen Tests, wie schnell Menschen über 65 visuelle Informationen verarbeiten können. Die Studie wurde in dem Magazin „Journal of Vision“ veröffentlicht.

Zunächst sollten die Probanden bestimmen, in welcher Richtung sich ein Objekt bewegte, dass für kurze Zeit auf einem Bildschirm erschien. Dabei waren sie genauso schnell wie 18- bis 30-Jährige Probanden.

 

Bei Ablenkung verlängert sich die Reaktionszeit älterer Menschen

Das änderte sich im zweiten Experiment: Wieder wurden die Probanden gebeten, ein bestimmtes Objekt auf dem Bildschirm auszumachen und seine Richtung zu bestimmen – doch diesmal tauchten währenddessen drei verschiedene ablenkende Objekte auf dem Bildschirm auf. Beim dritten Test erschienen zwei Objekte gleichzeitig auf dem Bildschirm und die Probanden wurden nach ihrem Verschwinden nach Ort und Richtung eines der Objekte gefragt – sie wussten also vorher nicht, auf welches sie besonders zu achten hatten. Bei de Experimenten zwei und drei schnitten die älteren Probanden jeweils deutlich schlechter ab als jüngere – im Schnitt brauchten sie dreimal länger für die Lösung der Aufgaben.

Die Wissenschaftler zeigen damit, dass sich die Verarbeitung visueller Informationen im Alter verlangsamt – besonders, wenn es darum geht, viele Informationen gleichzeitig zu registrieren. Ihrer Meinung nach wirkt sich diese verlangsamte Verarbeitung auf Tätigkeiten im Alltag wie das Autofahren aus. Denn im Straßenverkehr müssen ständig viele visuelle Informationen gleichzeitig berücksichtigt werden.

Studienleiter Dr. Duncan Guest: „Fahrer müssen beispielsweise eine Anhäufung visueller Informationen nach Zielen wie Straßenzeichen und Gebäuden absuchen, während sie gleichzeitig Informationen über viele andere Fahrzeuge oder Risiken auswerten und abspeichern.“

 

Erhöhtes Unfallrisiko bei älteren Autofahrern

Die Studienleiter halten es für wichtig, dass älteren Autofahrern das erhöhte Risiko bewusst ist. Da viele Senioren dauerhaft mehrere Arzneimittel einnehmen, passieren ihnen häufiger Unfälle aufgrund von Medikamenteneinnahme. Sie sollten darum besonders darauf achten, ob ihre Arzneimittel die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können.

Aufgrund verlängerter Reaktionszeiten im Alter kommt immer wieder die Diskussion um eine verpflichtende Überprüfung der Fahrtüchtigkeit für Senioren auf. Diese ist stark umstritten. Gegner bezeichnen eine solche Regelung für diskriminierend. Der ADAC etwa weist in diesem Zusammenhang auf die jahrzehntelange Fahrerfahrung älterer Menschen hin, die ihnen Vorteile wie Besonnenheit und Ruhe am Steuer brächte. Diese Eigenschaften könnten das altersbedingte Nachlassen der Fahrfähigkeiten wettmachen.

Senioren können auch selbst aktiv an der Verbesserung ihrer Reaktionszeit arbeiten: So gibt es Fahrsicherheitstrainings für Senioren von verschiedenen Anbietern.

Gute Reflexe sind besonders wichtig im Straßenverkehr. Mit diesen Tipps können Senioren ihre Reflexe verbessern:

1. Körperliche Betätigung

Radfahren schult die Beweglichkeit und unsere Reaktionsfähigkeit. Mal fahren wir auf Sand und Schotter, dann auf Straßen, lenken um Kurven, strampeln bergauf oder düsen bergab. Da müssen Kopf und Körper schnell reagieren und sich auf neue Situationen blitzschnell einstellen.

2. Geistige Übungen

Achten Sie während eines Spaziergangs oder einer Fahrt mit Ihrem Auto auf Dinge, die in Ihrer peripheren Sicht auftauchen. Benennen Sie zum Beispiel die Haarfarbe der Menschen oder die Marken und Typen vorbeifahrender Autos schnellstmöglich. Auf diese Weise wird das periphere Sehen verbessert und Hindernisse stärker wahrgenommen.

3. Ernährung

Manche Nahrungsergänzungsmittel können zu verbesserten Reflexen führen. So werden vor allem Gingseng, Gingko, Vitamin B12, Vitamin C und Omega 3 Säuren als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, um die kognitiven Fähigkeiten und die eigene Reaktionszeit zu verbessern.

4. Ausreichend Schlaf

Ihre Reflexe sind am schnellsten, wenn Sie sieben oder acht Stunden geschlafen haben.

Hamburg, 26. Oktober 2015

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