Unfruchtbarkeit als Folge einer Corona-Infektion oder -Impfung?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Immer wieder wird – vor allem in den sozialen Netzwerken – behauptet, dass Männer wie Frauen nach der Corona-Impfung unfruchtbar geworden seien. Immer mehr wissenschaftliche Hinweise gibt es hingegen für eine andere These: Nach einer Corona-Infektion kann es bei Männern zu Potenzstörungen kommen.

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Inhalt
  1. Unfruchtbarkeit durch Corona-Impfung: Risikofaktor Spike-Protein?
  2. Wissenschaftliche Hinweise auf Impotenz nach Corona-Infektion
  3. Corona könnte zu Erektionsstörungen beitragen
  4. Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen bleibt im Fokus

Ist Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen eine Nebenwirkung, die durch die Corona-Impfung auftreten kann? Und wie hoch ist das Risiko nach einer COVID-Erkrankung, unfruchtbar zu werden oder eine Potenstörung zu erleiden? Wissenschaftler:innen haben das sensible Thema seit Langem im Blick.

 

Unfruchtbarkeit durch Corona-Impfung: Risikofaktor Spike-Protein?

Kern der Unsicherheiten ist die Behauptung, dass die Corona-Impfung nicht nur die Spike-Proteine des Coronavirus kodiert, sondern auch andere, für die Fruchtbarkeit wichtige Proteine. Grund dafür soll sein, dass die Impfstoffe die Proteine aufgrund einer großen Ähnlichkeit schlichtweg verwechseln und Antikörper so gegen die falschen Proteine vorgehen. Bei Frauen soll die Impfung Spike-Proteine in der Plazenta schädigen, bei Männern in den Hoden. Für keine der beiden Behauptungen gibt es allerdings wissenschaftliche Beweise.

Das Robert Koch-Institut weist im Gegenteil darauf hin, dass eine Kreuzreaktion bei Männern ausgeschlossen werden könne. Bestimmte Proteine seien denen des Coronavirus zwar ähnlich. Zu Verwechslungen komme es deswegen aber nicht. "RND" zitiert die Behörde: "Tatsächlich beschränkt sich diese Ähnlichkeit auf wenige Abschnitte des Proteins."

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Gleiches gilt für die Sorge, die Corona-Impfung könnte zu einer Unfruchtbarkeit bei Frauen führen. Angeblich ähnelt das Coronavirus-Spike-Protein dem Plazenta-Protein Syncytin-1 so sehr, dass eine Kreuzreaktion durch die Impfung hervorgerufen werde.

Wie der Spiegel berichtet, besteht das Coronavirus aus 1.273 Aminosäuren, das besagte Plazenta-Protein Syncytin-1 aus 538. Darunter ähneln sich zwei Sequenzen: VVNQN beim Corona-Spike-Protein und VVLQN bei Syncytin-1. Die Ähnlichkeit ist da, allerdings nicht so groß, dass es zu Verwechslungen kommen kann.

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Wissenschaftliche Hinweise auf Impotenz nach Corona-Infektion

Nicht nur die Corona-Impfung steht beim Thema Unfruchtbarkeit im Fokus – auch eine Infektion könnte theoretisch Auswirkungen auf die Potenz haben. Immer wieder gibt es Berichte über Potenzstörungen nach COVID-19-Erkrankungen Unter dem Oberbegriff Impotenz sind mehrere Funktionsstörungen der männliche Sexualorgane zusammengefasst. Dazu zählen Erektionsstörungen ebenso wie Unfruchtbarkeit oder Anejaku­lation (ein Ausbleiben des Samenergusses).

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In verschiedenen Studien konnten Forschende SARS-CoV-2-Viren im Penis und Hoden von Infizierten nachweisen. Eine sehr kleine Studie aus China an verstorbenen Corona-Patienten beispielsweise ergab, dass in den Hoden gelangte Viruspartikel theoretisch die Keimzellen infizieren und so zu Problemen bei der Bildung von Sperma führen könnten.

 

Corona könnte zu Erektionsstörungen beitragen

Eine Studie aus den USA weist darauf hin, dass COVID-19 das Endothel, also die innerste Zellschicht der Blutgefäße, schädigen kann. In der Folge könnte es zu Erektionsstörungen bei Männern kommen. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine weit verbreitete Endo­thelzell-Dys­funktion aufgrund einer COVID-19-Infektion zu erektiler Dysfunktion beitragen kann", erklärten die Forschenden von der Universität in Miami.

Die Studie fand allerdings nur unter vier Teilnehmern statt. Die Verantwortlichen Wissenschaftler:innen wiesen deswegen darauf hin, dass weitere Studien nötig seien, um die These zu stützen.

 

Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen bleibt im Fokus

Sicher ist: Solange sich immer wieder Menschen mit dem Coronavirus infizieren, wird das Thema im Fokus der Wissenschaft bleiben. Bisher zählt Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen – ob nach einer Impfung oder Infektion – allerdings nicht zu den bekannten Nebenwirkungen oder Spätfolgen.

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Quellen:

Warum Frauen nach einer Impfung keine Angst vor Unfruchtbarkeit haben müssen, in: spiegel.de

Impotenz: Führt eine Corona-Infektion zu Erektionsstörungen und Unfruchtbarkeit?, in: rnd.de

Ma, Xixiang [u.a] (2021): Pathological and molecular examinations of postmortem testis biopsies reveal SARS-CoV-2 infection in the testis and spermatogenesis damage in COVID-19 patients, in: nature.com

Kresch, Eliyahu [...] (2021): COVID-19 Endothelial Dysfunction Can Cause Erectile Dysfunction: Histopathological, Immunohistochemical, and Ultrastructural Study of the Human Penis, in: pubmed.gov

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