Umsorgt bis zum Schluss: Sterben im Hospiz

Benjamin Müller Medizinredakteur

Die moderne Medizin ist ein Wunderwerk: Selbst schwere Krankheiten können durch sie geheilt werden. Trotzdem sind noch längst nicht alle Erkrankungen heilbar und gerade im hohen Alter bedeuten Sie oft den Abschied vom Leben. Wer sich in seinen letzten Wochen gut umsorgt wissen will, der kann sich für einen Umzug ins Hospiz entscheiden.

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Wo man sterben will, ist für viele eine schwierige Frage Foto:  iStock/monkeybusinessimages
Inhalt
  1. Was ist ein Hospiz?
  2. Wie viele Hospize gibt es?
  3. Zuhause, Krankenhaus oder Hospiz?

Ruhig, schmerzfrei, würdevoll: So zu sterben wünschen sich wohl die meisten Menschen. Aber wo soll das eigene Leben enden? Je nach familiärer, finanzieller und medizinischer Situation endet der Lebensweg für die meisten Menschen im eigenen Heim, im Krankenhaus – oder im Hospiz.

Doch was verbirgt sich überhaupt hinter dem Wort „Hospiz“? Da der Tod häufig als Tabuthema gilt, wird selten über diese Einrichtungen geredet. Ein Fehler, denn nur wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, kann im Ernstfall eine informierte Entscheidung treffen.

 

Was ist ein Hospiz?

Als Hospiz bezeichnet man im deutschsprachigen Raum eine stationäre Einrichtung der Palliativversorgung, also der Sterbebegleitung. Eine stationäre Hospizpflege muss im Falle einer unheilbaren, tödlichen Krankheit, die keine Krankenhausbehandlung mehr erfordert, von einem Arzt verordnet werden.

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Die meisten Hospize sind wie kleine Pflegeheime organisiert und bieten durchschnittlich etwa zehn Patienten Platz. Dabei stehen die Lebensqualität der Sterbenden und ihrer Angehörigen sowie ein möglichst würdevoller Abschied im Mittelpunkt.

Jedes stationäre Hospiz ist eine voll und ganz eigenständige Einrichtung mit speziell geschulten Mitarbeitern und eigenem Pflegekonzept. Im Mittelpunkt stehen jedoch immer die Wünsche der Patienten. So können Angehörige jederzeit kostenlos im Zimmer des Kranken mitübernachten.

 

Wie viele Hospize gibt es?

Deutschlandweit gibt es aktuell etwa 230 stationäre Hospize für Erwachsene mit durchschnittlich etwa zehn Betten. Das bedeutet circa 2.300 Hospizbetten in denen jährlich etwa 30.000 Menschen versorgt werden. Dazu kommen 17 stationäre Hospize speziell für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Finanziell werden diese Institutionen in den meisten Fällen von gemeinnützigen Vereinen und Organisationen, Stiftungen oder Kirchen getragen. Einige von ihnen werden von Ärzten geleitet, während andere mit niedergelassenen Medizinern zusammenarbeiten. Jedoch bleibt jedem Patienten sein Recht auf freie Arztwahl.

Neben den stationären Hospizen gibt es in Deutschland außerdem etwa 1.500 ambulante Hospizdienste und circa 330 Palliativstationen in Krankenhäusern, von denen drei auf Kinder- und Jugendliche spezialisiert sind.

 

Zuhause, Krankenhaus oder Hospiz?

Die klassische Vorstellung eines würdevollen Todes findet im eigenen Zuhause im Kreis der Familie statt. Dieses Bild entspricht jedoch nur noch selten der Realität: Zwischen 80 und 90 Prozent der Menschen stirbt heute in Krankenhaus oder Pflegeheim.

Warum ist das so? Angesichts hoher medizinischer Ansprüche an die Pflege schwer kranker Menschen sowie Stress in Job und Privatleben sind viele Familien schlicht überfordert von dieser Aufgabe. So wird eine professionelle Betreuung des Sterbenden attraktiver.

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Ob diese Betreuung durch einen ambulanten Dienst in den eigenen vier Wänden stattfinden kann, oder lieber stationär geschehen sollte, müssen Patienten und Familie je nach Situation selbst entscheiden. Bei einer stationären Behandlung ziehen viele Menschen Hospize dem Krankenhaus vor, da sie kleiner sind und meist eine individuellere Betreuung bieten. Deutschlandweit sind jedoch verhältnismäßig wenige Hospizbetten verfügbar. Daher kann sich die Suche nach einem eigenen Platz im Hospiz schwierig gestalten.

Und auch die Finanzierung kann für manche Patienten zum Problem werden: Zwar übernehmen gesetzliche Krankenkassen einen Großteil des Bedarfssatzes, private Kassen jedoch nicht immer. Daher sollte möglichst frühzeitig eine Kostenzusage eingeholt werden.

Quellen:

  • Gronemeyer, R. (2002): Die späte Institution. Das Hospiz als Fluchtburg, in: Wohin mit den Sterbenden. Hospize in Europa-Ansätze zu einem Vergleich, S. 139-145.
  • Zahlen und Fakten, in: dhpv.de
  • Wenn das Leben zu Ende geht (2016), in: caritas. de
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