Überschwemmungen in Deutschland: Welche Gefahren jetzt drohen

Ines Fedder Medizinredakteurin

Wassermassen fluten die Straßen, mindestens 70 Menschen werden vermisst. In Deutschland wurde wegen anhaltendem Unwetter in mehreren Kreisen der Katastrophenfall ausgerufen. Welche Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung jetzt bestehen? Alle Infos hier.

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Es sind Bilder wie aus einem Katastrophenfilm – Wassermassen durchströmen die Straßen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfahlen und vor einigen Tagen auch in Mittelfranken. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt aktuell vor "sehr großer Hochwasser-Gefahr".
Und genau diese zeigt aktuell ihr hässlichstes Gesicht. Gemeinden sind von der Außenwelt abgeschnitten, viele Personen werden vermisst. Über 200.000 Menschen sind derzeit ohne Strom. Alle Infos zur aktuellen Unwetterlage sowie mögliche Konsequenzen hier. 

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NRW und Rheinland-Pfalz: 200.0000 Menschen ohne Strom 

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind nach der verheerenden Wetter-Katastrophe rund 200.000 Menschen aktuell ohne Strom. Das teilte der Verteilnetzbetrieb Westnetz gegenüber den Medien mit. Aus Sicherheitsgründen wurden Umspannanlagen bei eindringendem Wasser abgeschaltet, so das Unternehmen. Davon betroffen ist wohl auch ein Krankenhaus in Leverkusen, welches wegen einer Störung der Stromversorgung komplett evakuiert werden musste. „Die medizinischen Geräte der Intensivstationen mussten teilweise mit Akkus betrieben werden“, erklärte das Klinikum gegenüber dem "Berliner Kurier".

 

Unwetterlage in Rheinland-Pfalz und NRW: Katastrophenfall ausgerufen

Im Bundesland Rheinland-Pfalz sind die Hilfskräfte im vollen Einsatz – besonders betroffen sind die Kreise Ahrweiler, Trier Saarburg, Mayen-Koblenz, die Vulkaneifel und der Eifelkreis Bitburg-Prüm. Hier hat der Starkregen der vergangenen Nacht besonders schwere Schäden verursacht.
Im Landkreis Ahrweiler sind mindestens vier Menschen infolge des Unwetters ums Leben gekommen. 70 Personen werden aktuell noch vermisst. Mehrere Anwohner:innen sitzen auf den Dächern ihrer Häuser und warten auf Rettung. Da die Häuser jedoch teilweise nur durch Boote erreichbar sind, stellt diese sich als äußerst schwierig dar. Der „SWR“ berichtet, dass nach Ausruf  des Katastrophenfalls nun die Bundeswehr mit einem „Schwimmpanzer“ bei der Rettung helfen soll. Für bereits Evakuierte hat der Landkreis Notunterkünfte eingerichtet. 

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Fluss in der Eifel über die Ufer getreten

Neben den offensichtlichen Wassermassen zieht das Unwetter in der Eifel weitere Kreise. So sind in Mayen sämtliche Brücken im Stadtgebiet gesperrt. Die Nette ist dort bereits über die Ufer getreten. Die Starkströmung wird hier für die Rettungskräfte zu einem Problem. Menschen vor Ort sind aufgerufen, die Einsatzorte wegen Lebensgefahr zu meiden, berichtet der „SWR“.

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Nordrhein-Westfalen: 3 Tote durch überflutete Keller

Auch weitere Teile von Nordrhein-Westfalen sind von den Folgen des Unwetters der letzten Tage betroffen. In Solingen und im Kreis Unna starben zwei Männer in überfluteten Kellern. Auch in Rheinbach wurde laut Polizei ein Todesfall gemeldet. Der extreme Dauerregen hat demnach nachgelassen, nun beginnen die Aufräumarbeiten. 

 

Deutsche Bahn rät von Reisen nach Nordrhein-Westfalen ab

Die Deutsche Bahn rät indes von Reisen nach Nordrhein-Westfalen komplett ab. "Bitte verschieben Sie Reisen von und nach NRW nach Möglichkeit auf die kommenden Tage“, geht es aus einer aktuellen Mitteilung hervor.

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Überschwemmungen in Deutschland: Diese Gesundheitsgefahren drohen nach dem Unwetter

Neben den Starkregen-Massen in der vergangenen Nacht folgen nun in weiten Teilen Deutschlands weitere Gesundheitsgefahren.

 

Nach Überschwemmungen: Trinkwasser-Versorgung in Gefahr

Anwohner:innen und Helfer:innen in betroffenen Risikogebieten haben nach dem Hochwasser nun mit weiteren Gesundheitsgefahren zu kämpfen. So ist in der Ortsgemeinde Kordel im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz die Trinkwasserpumpe aufgrund des Unwetters ausgefallen. Aktuell sind hier 22.000 Menschen ohne Trinkwasserversorgung.

 

Mittelfranken: Bakterien in Leitungswasser

Dass die Trinkwasserversorgung nach den heftigen Unwettern ein weiteres gesundheitliches Problem werden wird, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Mittelfranken. Nachdem hier Tief „Bernd“ in den vergangenen Tagen ebenfalls heftig gewütet hatte, müssen nun rund 150.000 Menschen in Mittelfranken ihr Leitungswasser vorerst abkochen. Aufgrund der anhaltenden Niederschläge der letzten Tage gab es bei zwei Brunnen eine Grenzüberschreitung bei E.coli-Bakterien, berichtet unter anderem die Süddeutsche Zeitung. Die Darmbakterien können Durchfall und Übelkeit hervorrufen. Betroffen sind die Gebiete Weißenburg-Gunzenhausen, Ansbach und Roth, teilte der Versorger mit. Die beiden Brunnen seien derweil vom Netz genommen worden. Bis auf Weiteres gilt dennoch das Abkochgebot von Trinkwasser.

 

Gesundheitsgefahr Hochwasser: Richtig handeln bei Überflutung

Die schlimmen Unwetter der vergangenen Tage in West- und Süddeutschland hat man nicht kommen sehen. So waren die Bürger:innen völlig unvorbereitet auf solch langanhaltenden Starkregen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz hat jedoch Handlungsempfehlungen im Falle von Hochwasser herausgegeben. Bei drohender Gefahr empfiehlt das Amt unter anderem folgende Maßnahmen:

Vorbeugung

  • Schutz- und Sandsäcke besorgen sowie wasserfeste Sperrholzplatten und Silikon.
  • Chemikalien von Wasser fernhalten.
  • Heizöltanks sichern.
  • Ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser bereit stellen.

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Was tun bei Hochwasser?

  • Während des Hochwassers nicht im Keller aufhalten (Lebensgefahr!).
  • Elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die überflutet werden können, möglichst abschotten.
  • Schalten Sie den Strom gegebenfalls komplett aus (Sicherung raus) – Stromschlaggefahr!
  • Besondere Vorsicht bei Tiefgaragen.
  • Nicht mit dem Auto durch überflutete Straßen fahren.
  • Nicht sich selbst in Gefahr bringen, um andere Leben zu retten.
  • Kinder aus Überschwemmungsgebieten möglichst schnell in Sicherheit bringen.
  • Keine Uferbereiche betreten, da die Gefahr von Unterspülung oder Abbrüchen besteht.
  • Anweisungen der Einsatzkräfte beachten.
  • Nach der Überschwemmung: Essen Sie kein Obst, Gemüse oder Salat aus überschwemmten Gebieten. Bei verunreinigten Gärten oder Feldern sollte das Landratsamt oder das Amt für Landwirtschaft informiert werden.
     

Weitere Informationen unter bbk.bund.de

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Tief Bernd hat in Deutschland zu einer überraschenden und starken Unwetter-Katastrophe geführt. Neben den verheerenden Überschwemmungen werden in den nächsten Tagen wohl noch weitere Gesundheitsgefahren drohen, deren Ausmaß aktuell noch nicht abzusehen ist.

Quellen:

Vier Menschen sterben bei Unwetter in Rheinland-Pfalz, in: swr.de

Mindestens elf Tote in NRW und Rheinland-Pfalz nach Hochwasser, in: rp-online.de

Schwere Schäden durch Überflutungen im Norden von Rheinland-Pfalz, in: swr.de

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