U2-Untersuchung bei Neugeborenen: Gründlicher Check-Up des Babys

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Die U2-Untersuchung von Neugeborenen ist zwischen dem dritten und dem zehnten Lebenstag vorgesehen. Bei dieser Vorsorgeuntersuchung des Kindes bringen Ärzte unter anderem in Erfahrung, ob Störungen des Stoffwechsels oder des hormonellen Systems vorliegen könnten.

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Die U2-Untersuchung ist Teil der sogenannten U-Untersuchungen. Das sind Vorsorgeuntersuchungen beim Baby und später beim Kind. Die letzte findet im Teenageralter statt. Ziel der Ärzte ist es bei der U2, erbliche Erkrankungen oder Entwicklungsdefizite zu erkennen. Oft gelingt es durch frühzeitiges Eingreifen, weitere gesundheitliche Folgen zu verhindern oder zumindest abzuschwächen.

 

Wann ist die U2-Untersuchung?

Die U2-Untersuchung gehört zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen des Babys. Sie findet oft noch im Krankenhaus nach der Entbindung statt, typischerweise zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag. Alternativ führen niedergelassene Kinderärzte die U2-Untersuchung bei Neugeborenen durch. Der frühe Zeitpunkt soll dazu beitragen, schwere Folgen von Stoffwechsel- oder Hormonstörungen zu vermeiden. Würde man zu lange warten, könnten sie gegebenenfalls die Entwicklung des Babys beeinträchtigen.

Baby, Vorsorgeuntersuchung
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Was ist die U2-Untersuchung?

Der Kinderarzt bestimmt bei der U2-Untersuchung des Babys zunächst das Gewicht, die Größe und den Kopfumfang. Dies kennen viele Mütter bereits von der U1-Vorsorgeuntersuchung aus dem Krankenhaus. Außerdem erhält das Neugeborene eine geringe Menge Vitamin K, um Blutungen, wie sie bei einem Mangel auftreten können, vorzubeugen. Mit dem Stethoskop werden das Herz, die Lunge und der Darm abgehört. Auffällige Geräusche können auf Erkrankungen hinweisen und machen gegebenenfalls weitere Tests erforderlich. Außerdem wird bei der U2-Untersuchung eine geringe Menge Blut an der Ferse oder am Handrücken entnommen. Das tut dem Baby nicht weh und ist auch nicht gefährlich. Im Labor wird die Probe auf verschiedene erbliche Stoffwechselerkrankungen untersucht. Darunter fallen:

  • Ahornsirupkrankheit: eine Verwertungsstörung von Aminosäuren. Betroffen ist ein Kind auf 20.000 Neugeborene.
  • Biotinidase-Mangel: ein angeborener Enzymmangel, der zu Defiziten beim Vitamin B7, auch Biotin genannt, führt. Betroffen ist ein Kind auf 80.000 Neugeborene.
  • Galaktosämie: eine angeborene Stoffwechselstörung, bei der sich Zucker (Galaktose) im Blut anhäuft. Betroffen ist ein Kind auf 40.000 Neugeborene.
  • Glutaracidurie: eine Verwertungsstörung von Aminosäuren. Betroffen ist ein Kind auf 80.000 Neugeborene.
  • Isovalerianacidämie: eine Verwertungsstörung von Aminosäuren. Betroffen ist ein Kind auf 50.000 Neugeborene
  • LCHAD-, VLCAD-Mangel: ein angeborener Stoffwechseldefekt bei der Energiegewinnung aus Fettsäuren. Betroffen ist ein Kind auf 80.000 Neugeborene.
  • Phenylketonurie: eine Verwertungsstörung von Aminosäuren. Betroffen ist ein Kind auf 10.000 Neugeborene.

Zudem werden bei der U2-Untersuchungen eventuelle Störungen des hormonellen Systems geprüft, die nicht als Erbkrankheiten gelten, aber die Entwicklung des Babys ebenfalls stark beeinflussen können:

  • Schilddrüsenunterfunktionen
  • Störungen der Hormonproduktion in den Nebennieren (adrenogenitales Syndrom)

Der Kinderarzt bespricht das Ergebnis mit den Eltern und schlägt bei Bedarf Therapien vor, sollte es Auffälligkeiten geben. Gleichzeitig lädt er zur nächsten U-Vorsorgeuntersuchung ein, falls noch nicht geschehen. Die U2-Untersuchung gehört zu den wichtigsten Terminen fürs Baby.

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Quellen:

  • Illing, Stephan; Claßen, Martin (2017): Klinikleitfaden Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.
  • Speer, Christian P. et al.  (2018): Pädiatrie, Berlin: Springer-Verlag
  • Förg, Theresa (2019): BASICS Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.
  • U2-Untersuchung – 3. bis 10. Lebenstag, in: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
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