U1, Apgar-Score und Co.: Ablauf der ersten Untersuchungen beim Baby

Dr. med. Nadine McGowan Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

Gerade ist das Baby geboren und schon gibt es die ersten Untersuchungen. Aber was passiert eigentlich bei der U1-Untersuchung genau, was ist der Apgar-Score, was wird beim Hörscreening gemessen und warum kann anschließend noch ein Neugeborenenscreening erfolgen? Frauenärztin Dr. Nadine McGowan erklärt den genauen Ablauf.

 

Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern

Bei allen Kindern, die in Deutschland aufwachsen, werden bis zum Erwachsenenalter diverse Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt. Sie dienen zur frühzeitigen Entdeckung auffälliger und behandlungsbedürftiger Krankheiten oder Fehlbildungen und werden von gesetzlichen wie privaten Krankenkassen bezahlt.

Die erste Vorsorgeuntersuchung ist die U1 und findet zwei bis vier Stunden nach der Geburt des Kindes statt. Zunächst wird das Neugborene jedoch anhand des Apgar-Scores beurteilt. 

 

Apgar-Score als erster Check-up des Säuglings

Es beginnt unmittelbar nach der Geburt: Genau nach einer, fünf und zehn Minuten wird Ihr Baby anhand des sogenannten Apgar-Scores beurteilt. Dieser Score wurde von der amerikanischen Anästhesistin Virginia Apgar 1952 eingeführt und ist noch heute gültig. Es werden die Herzfrequenz, die Atmung, die Hautfarbe, die Reflexe und der Muskeltonus beurteilt und jeweils 0-2 Punkte vergeben. Die meisten Babys erreichen insgesamt bereits in der ersten Minute eine Punktzahl von 9-10 Punkten, oft muss der eine Punkt bis zum Erreichen des Maximalwertes abgezogen werden, weil die Babys in der ersten Minute noch nicht ganz rosig sind. Das ist aber ganz normal und überhaupt nicht schlimm. Erreicht das Neugeborene eine Punktzahl von sieben oder darunter im Apgar-Score, wird schnellstmöglich ein Kinderarzt hinzugezogen, bei Punktwerten unter fünf ist von einer akuten Gefährdung auszugehen, was glücklicherweise sehr selten ist.

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Ablauf der  U1-Untersuchung beim Baby

Nachdem sich das Neugborene zwei bis vier Stunden erholen konnte, erfolgt mit der U1 die erste der elf U-Untersuchungen des Kindes. Der Arzt oder die Hebamme hören im Rahmen der U1 erneut Herz und Lunge ab, schauen sich die Hautfarbe an, fühlen nach dem Puls und schauen, ob es sich das Neugeborene normal bewegt. Außerdem wird der Säugling bei der ersten Untersuchung gewogen und gemessen.

Zu diesem Zeitpunkt wird dem Baby zudem das erste Mal Vitamin K als Tropfen mit einer kleinen Spritze in den Mund geträufelt. Vitamin K ist wichtig für die Blutgerinnung. Unglücklicherweise kommen Babys mit einem relativen Vitamin K-Mangel zur Welt und auch in der Muttermilch ist nicht ausreichend enthalten, so dass es früher immer wieder fatale Fälle mit schweren, spontanen Hirnblutungen gab. Seitdem den Kindern unmittelbar nach der Geburt, nach ca. vier Tagen und ca. vier Wochen Vitamin K verabreicht wird, sind diese Hirnblutungen sehr selten geworden.

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Hörscreening erfolgt noch im Krankenhaus

Um angeborene Hörstörungen so früh wie möglich zu entdecken, bekommen alle Kinder noch im Krankenhaus ein Hörscreening. Mittels einer kleinen Sonde werden die sogenannten OAEs untersucht. Das steht für otoakustische Emissionen und weist die Funktionsfähigkeit einiger Teile der Gehörschnecke (Cochlea) nach. Alle Hörstörungen werden damit zwar nicht erfasst, aber zumindest solche, die mit einem Cochleaimplantat versorgt werden können, womit – bei zeitnahem Einsatz –  eine fast normale Entwicklung der Hörfähigkeit sichergestellt werden kann.

 

Neugeborenenscreening kann Hinweise auf Stoffwechselerkrankungen geben

In den ersten 36 bis 72 Stunden nach der Geburt kann bei allen in Deutschland geborenen Kindern das Neugeborenenscreening mittels einer Blutuntersuchung aus der Ferse durchgeführt werden. Das Screening ist im Gegensatz zu den Vorsorgeuntersuchungen nicht verpflichtend. Es werden verschiedene Stoffwechselerkrankungen getestet, die teilweise diätetisch oder mittels Medikamenten behandelt werden können. Was genau untersucht wird, können Sie unter den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zum Neugeborenenscreening nachlesen.

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Wenn die Diagnose früh genug gestellt und gleich gehandelt wird, kann bei einigen Erkrankungen Schaden vom Kind gänzlich abgewendet werden (wie zum Beispiel bei der angeborenen Schilddrüsenunterfunktion). Darum ist diese Untersuchung so wichtig und sinnvoll. Nachricht von den Ergebnissen bekommt man nur im Falle von Auffälligkeiten. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie nichts vom Screeninglabor hören – ein gutes Zeichen, dass alles in Ordnung ist!

Alle U-Untersuchungen von U1 bis U11, die Gabe von Vitamin K und auch der Beleg für das Neugeborenen- und Hörscreening, werden stets in das gelbe Untersuchungsheft eingetragen. Dieses erhalten Sie nach der zweiten Vorsorgeuntersuchung ihres Babys.

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