Truvada - eine Pille schützt vor HIV

Rasmus Cloes
Mann mit Kondom
Das Kondom ist der sicherste Schutz vor HIV - doch Truvada ist eine sinnvolle Alternative für Menschen, die sich sonst nicht schützen würden © Fotolia

Das Medikament Truvada kann vor HIV schützen. Bislang, so war die Studienlage, musste es dazu ständig eingenommen werden. Eine neue Studie aus Frankreich zeigt jetzt, dass schon vier Pillen reichen können: Zwei vor dem Sex und zwei danach.

 

Truvada vor und nach dem Sex reduziert die HIV-Ansteckungsgefahr

Truvada schützt vor HIV. Allein schon, wenn man zwei Pillen vor und zwei nach dem Sex einnimmt. Das haben französische Forscher in einer Studie mit 414 homosexuellen Männern herausgefunden. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Komplett schützt Truvada nicht. Wenn die Männer vor und nach dem Sex die Pille einnahmen, reduzierte sich ihr Risiko HIV zu bekommen um 86 Prozent, so das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Studie. Die Untersuchung „gibt erste Hinweise, dass diese Therapie für homosexuelle Männer mit riskantem Sexualverhalten sehr effektiv ist“, sagt Jonathan Mermin, Direktor der Abteilung für HIV und Aids des US Centers for Disease Control and Prevention.

Die Forscher waren speziell an der Schutzwirkung für Männer, die viele wechselnde Sexualpartner haben, interessiert: Probanden mussten in den letzten 90 Tagen mit mindestens 10 unterschiedlichen Partnern verkehrt haben. Die Teilnehmer wurden bei der Studie im Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeordnet. Die einen bekamen Truvada, die anderen ein Placebo. In der Gruppe, die sofort das Präparat bekam, gab es 2 HIV-Infektionen, in der anderen waren es 14. Als klar wurde, wie stark schon die kurzzeitige Gabe von Truvada schützt, beendeten die Wissenschaftler das Experiment.

„Wirklich spannend“, findet die Studie auch Dr. Christian Hoffmann vom Infektionsmedizinischem Centrum Hamburg, „weil hier das erste Mal die Präexpositionsprophylaxe über einen kurzen Zeitraum erforscht wurde.“ Bei der Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, nehmen HIV-negative Personen präventiv Medikamente ein, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. „Viele Fragen zu Kosten und Risiken wie Nebenwirkungen oder Resistenzen bleiben offen“, so Hoffmann. „Außerdem“, fügt er noch hinzu, „wer kein Kondom benutzt, schützt sich nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie zum Beispiel Syphilis oder Hepatitis.“

 

Truvada wird in den USA bereits viel genutzt

Truvada ist normalerweise wichtiger Bestandteil der HIV-Therapie und wird dazu auch in Deutschland eingesetzt. In den USA empfiehlt es die US Food and Drug Administration als erste Pille zur HIV-Prävention. Die meisten Krankenversicherungen zahlen dort für das Präparat. Nur war bisher die Studienlage, dass Betroffene es täglich einnehmen mussten, um sich wirkungsvoll zu schützen. Diese Tatsache hat die französische Studie jetzt infrage gestellt.

Truvada ist – wie fast jedes Medikament - nicht frei von Nebenwirkungen: Es erhöht den Laktatgehalt im Blut, was zu einer Laktatazidose führen kann. Einem schockähnlichen Zustand mit Nierenversagen. Auch belastet es die Leber sehr stark. Je länger man es nimmt, desto stärker die Nebenwirkungen. Gerade auch darum ist die neue Studie so spannend. Ein weiteres Problem von Truvada ist, dass Nutzer sich regelmäßig auf HIV testen lassen müssen, denn sollten sie unbemerkt an HIV erkranken, könnten sie durch das Medikament Resistenzen beim HI-Virus fördern.

In Deutschland ist Truvada bislang noch nicht zur Prävention zugelassen. Ein Arzt kann es jedoch auf Privatrezept verschreiben. Der Patient muss dann die Kosten selber tragen, die in Deutschland im Moment bei 800 Euro im Monat liegen. Ob sich das in Zukunft ändert, ist noch unklar.

Hamburg, 26. Februar 2015

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