Trockener Mund? Ein Warnsignal!

Redaktion PraxisVITA

Ein trockener Mund ist ein Problem, das fast jeden einmal betrifft. Ständige Mundtrockenheit sollte Betroffene allerdings aufmerksam machen: Es kann ein Warnzeichen für verschiedene Erkrankungen sein und gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. 

Wenn man es mal versäumt, über den Tag ausreichend zu trinken, ist ein trockener Mund und eine trockene Zunge die logische Folge. Doch nicht immer lässt sich das Problem durch etwas Wassertrinken beheben. Manche Menschen haben ständig mit einem trockenen Mund und seinen Folgen zu kämpfen: Eine belegte, pelzige Zunge, ein trockener Gaumen und eingerissene Lippen gehören dazu. Aus medizinischer Perspektive liegt Mundtrockenheit vor, wenn pro Minute weniger als 0,1 Milliliter Speichel produziert wird. Woran liegt das und was kann man dagegen tun?

 

Trockener Mund: Ursachen

Wer ständig unter einem trockenen Mund leidet, sollte zunächst an einen Flüssigkeitsmangel denken. Erwachsene sollten täglich mindestens 1,5 Liter Wasser trinken. Der Bedarf erhöht sich entsprechend bei körperlicher (und geistiger!) Anstrengung. Was auch oft vergessen wird: Kaffee, Energydrinks, Schwarzer Tee und Zigaretten entziehen dem Körper und besonders den Schleimhäuten Flüssigkeit. Dasselbe gilt für trockene Raumluft und extrem salzige Speisen.

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Wenn der trockene Mund trotz ausreichenden Trinkens und guter Luftfeuchtigkeit besteht, könnten verschiedene Erkrankungen, aber auch ganz harmlose Ursachen dahinterstecken. Im Alter lässt die Speichelproduktion nach. Weniger Speichel wird auch bei einer Verengung der Nase gebildet, etwa durch Polypen. Und ein trockener Mund und Hals sind erste Vorboten einer Erkältung. Als Ursache kommen auch verschiedene Medikamente in Frage. Bei starken Schmerzmitteln, Blutdrucksenkern, Mitteln gegen Diabetes und Depressionen stellt sich auch häufig eine verringerte Speichelproduktion ein.

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Extreme Mundtrockenheit kann auch mit der Schilddrüse zusammenhängen und auf eine Funktionsstörung hinweisen. Möglich sind auch Nierenprobleme und bestimmte Rheuma-Formen, bei denen Abwehrzellen irrtümlich körpereigenes Gewebe angreifen, darunter auch die Speicheldrüsen. Nicht zuletzt ist ein trockener Mund in Verbindung mit ungewöhnlich starkem Harndrang und extremem Durst ein typischer Symptomkomplex einer beginnenden Diabetes-Erkrankung.  

Die Ursachen von Mundtrockenheit im Überblick:

  • Flüssigkeitsmangel
  • Hoher Koffein- und Nikotin-Konsum  
  • Trockene Raumluft 
  • Nasenverengung durch Polypen 
  • Nebenwirkungen von Medikamenten 
  • Schilddrüsenerkrankung
  • Unbehandelter Diabetes 
  • Rheuma 
  • Nierenprobleme 
Spezialfall Sjogren-Syndrom

Extreme Mundtrockenheit – das kann auch das Sjögren-Syndrom sein, eine Autoimmun-Krankheit, bei der die körpereigene Abwehr sich irrtümlich gegen Zellen der Speichel- und der Tränendrüsen richtet. Auch Schleimhäute von Nase, Kehlkopf, Bronchien und Scheide können davon betroffen sein. Extrem ist aber die Trockenheit des Mundes und oft auch der Augen. Zur Abklärung kann der Arzt eine Blutuntersuchung anordnen. Helfen können künstlicher Speichel (Spray) sowie starke Medikamente wie Kortison und spezielle Immun-Unterdrücker.

 

Trockener Mund nachts – woran liegt das?

Aufschluss über die Ursache kann auch der Zeitpunkt liefern, an dem die Mundtrockenheit auftritt. Wachen Sie immer nachts mit einem trockenen Mund auf? Dann kann das auf Schnarchen hindeuten, besonders wenn weitere Beschwerden wie Müdigkeit am Tag und Konzentrationsschwierigkeiten hinzukommen. Die Atmung verläuft beim Schnarchen typischerweise über den Mund. Der hereinströmende Atem trägt dann den dünnen Speichelfilm auf Zunge, Zähnen und Gaumen ab. Neben Schnarchen kann jedoch auch eine verengte oder ständig verstopfte Nase, wie sie etwa bei einer chronischen Sinusitis auftritt, eine extreme Mundtrockenheit nachts zur Folge haben.

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Mundtrockenheit und ihre Folgen 

Speichel besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Schleimstoffe, Mineralien und Enzyme. Diese natürliche Munddusche reinigt, tötet Bakterien ab, neutralisiert Säuren, die den Zahnschmelz aufweichen, und gibt den Zähnen Kalzium und Phosphat zurück. Das härtet sie und schützt vor Karies. Eine dauerhaft reduzierte Speichelbildung wirkt sich daher zwangsläufig auf die Mund- und Zahngesundheit aus.

Oft entstehen Mundgeruch, Karies und Zahnfleischentzündungen. Es kann auch zu Geschwüren und Pilzbefall (Soor) kommen. Viele Betroffene schlafen zudem schlecht, weil ihnen die Mund- und/oder die Rachenschleimhaut wehtun. 

Ebenso kann der Magen-Darm-Bereich durch ständige Mundtrockenheit leiden. Speichel ist nämlich für die Vorverdauung wichtig. Es zersetzt die Nahrung beim Kauen mit Enzymen und befeuchtet die Nahrung, bevor sie in den Magen landet. Je weniger Speichel produziert wird, desto mehr Arbeit hat der Magen, was zu einer langsameren Verdauung führen kann.

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Trockener Mund – was tun?

Um Mundtrockenheit loszuwerden, sollte die zugrunde liegende Erkrankung behandelt werden. Tritt der trockene Mund nur beim Schlafen auf, kann eine Untersuchung beim Halsen-Nasen-Ohren-Arzt Hinweise auf Schnarchen und Funktionsstörungen der Nase liefern. Bei fehlender organischer Ursache können diese Hausmittel und Tipps bei Mundtrockenheit helfen:

  • Viel Wasser über den Tag verteilt trinken.
  • Auf Koffein und Nikotin verzichten oder zumindest den Konsum stark einschränken.
  • Zucker und stark gesalzene Speisen meiden, denn sie binden viel Flüssigkeit und machen den Speichel zäh.
  • Raumluftbefeuchter nutzen, um trockene Raumluft zu vermeiden.
  • Rohes Gemüse, wie Möhren, Staudensellerie oder Kohlrabi kauen, das kurbelt die Speichelproduktion an. Auch zuckerfreie Kaugummis können helfen.
  • Speichelersatz-Spray aus der Apotheke befeuchten den Mund ersatzweise, wenn die Schleimhäute dauerhaft zu wenig Speichel produzieren (etwa wegen der Einnahme bestimmter Medikamente).

Wenn man über einen längeren Zeitraum unter einem trockenen Mund leidet, keine Mittel zu einer Besserung beitragen oder Schmerzen auftreten, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

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