Trinkt mein Kind zu wenig?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Kinder dehydrieren schneller als Erwachsene. Daher müssen Eltern darauf achten, dass die Kleinen genug Flüssigkeit zu sich nehmen.“ © Privat

Wie viel Flüssigkeit braucht mein Kind– gerade jetzt im Sommer? Woran merke ich, dass es zu wenig trinkt? Und wie stelle ich sicher, dass es nicht dehydriert? Kinderärztin Dr. Nadine Hess hat die besten Tipps.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Wenn Kinder spielen, vergessen sie manchmal die ganze Welt um sich herum. Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind trinkt zu wenig, sollten Sie ihm etwas anbieten und es auch anschließend weiter daran erinnern, genug zu sich zu nehmen. Das gilt ganz besonders im Sommer, wenn die Kinder draußen in der Sonne toben. Denn die Schwitzmechanismen sind bei ihnen noch nicht ganz ausgeprägt – Kinder überhitzen deutlich schneller als Erwachsene. Entsprechend sollten die Kleinen dann auch mehr als die empfohlene Tagesmenge trinken.

 

Wie viel sollten Kinder trinken?

Als Faustformel gilt: Ab dem etwa siebten oder achten Monat, wenn drei Stillmahlzeiten mit Brei ersetzt werden, sollte das Baby zusätzlich etwa 100 Milliliter Wasser trinken. Ab dem 12. Monat nimmt der Wasserbedarf dann stetig zu:

  • 1 – 2 Jahre: etwa 600 Milliliter
  • 2 – 3 Jahre: etwa 700 Milliliter
  • 3 - 6 Jahre: etwa 800 Milliliter
  • 6 bis 10 Jahre: etwa 900 Milliliter
  • 10 bis 12 Jahre: etwa 1 Liter
  • 12 bis 14 Jahre: etwa 1,2 bis 1,4 Liter
  • ab 14 Jahre: mindestens 1,5 Liter
Melone im Sommer
Wenn das Kind sich weigert, genug zu trinken, helfen auch wasserhaltige Gemüsesorten wie Wassermelone oder Gurken© Fotolia

Es lässt sich nicht ganz genau sagen, wie viel Wasser mehr ein Kind trinken muss, wenn es zum Beispiel in der Sonne herumläuft oder Sport macht. Achten Sie deshalb auf Zeichen einer möglichen Dehydrierung: Trockene Lippen, Kopfschmerzen oder Herzrasen sind die typischsten. Sie sollten zudem stutzig werden, wenn das Kind sich plötzlich erschöpft hinsetzt, obwohl es kurz zuvor noch fröhlich gespielt hat. Ein weiteres Zeichen: Ein dehydriertes Kind wird weniger auf Toilette müssen – normal ist ein Toilettengang alle vier bis fünf Stunden.

Zum Trinken ist am besten natürlich Wasser geeignet, aber auch Schorlen oder Tee sind erlaubt. Es wird oft übersehen, dass viele Säfte wie zum Beispiel Orangensaft viele Kalorien haben – verdünnen Sie diese am besten auch mit Wasser. Zuckerhaltige Getränke wie Cola sollten nur im Ausnahmefall erlaubt sein.

 

Das Kind trinkt zu wenig: Die besten Motivationstipps

Während manche Kinder das Trinken vergessen, es aber nachholen, wenn man sie daran erinnert, weigern sich gerade die Kleinsten manchmal auch einfach, Wasser zu sich zu nehmen. Es gibt aber einige Möglichkeiten, sie zum Trinken zu Motivieren:

  • Der Lieblingsbecher: Hat ein Kind einen Lieblingsbecher, wird es diesen ständig benutzen wollen. Damit das funktioniert, sollte Ihr Kind den Becher auch selbst im Laden aussuchen dürfen
  • Es müssen nicht immer Getränke sein: Auch wasserhaltiges Gemüse wie beispielsweise Gurken oder Wassermelonen eignen sich zur Flüssigkeitsversorgung. Im Sommer ist auch ein selbstgemachtes Eis aus Früchten erlaubt
  • Der Nachahmer-Effekt: Gerade kleine Kinder wollen immer das, was die anderen haben. Bekommt also ein Kind ein Getränk – am besten in einem schönen bunten Becher mit Strohhalm – wollen alle anderen automatisch auch eines
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