Trigeminus-Neuralgie: Ärzte raten zur OP

Trigeminus-Neuralgie
Heftige Schmerzattacken, häufig nur in einer Gesichtshälfte: Eine Trigeminus-Neuralgie quält die Betroffenen – aber es gibt gute Behandlungsmethoden © Fotolia

Medikamente helfen nicht langfristig bei den quälenden Gesichtsschmerzen, so die Einschätzung von Fachärzten. Sie raten bei Trigeminus-Neuralgie zur Operation.

Plötzlich durchzog ein stechender Schmerz die linke Gesichtshälfte von Inge Berger. Sie dachte sich zuerst nichts dabei, hielt das Gefühl für ein Nervenzucken. Doch die blitzartig auftretenden Beschwerden kamen immer häufiger. „Mein Mann berührte nur sanft meine Wange – und es fühlte sich an wie ein glühender Dolch", erzählt die 57-Jährige. Die Drogerie-Fachverkäuferin suchte ihren Hausarzt auf, der ihr Schmerzmittel verschrieb. Diese halfen aber nicht. Denn die Wirkung trat erst ein, wenn die Attacke bereits vorüber war. Einige Zeit später ging Inge Berger zu einem Neurologen. Die Diagnose des Nervenarztes war ein Schock: Trigeminus-Neuralgie.

 

Verursacher: Trigeminus-Nerv

Diese Erkrankung tritt sehr selten auf. Nur fünf von 100.000 Menschen sind betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Im Normalfall zeigt sie sich erst ab einem Alter von rund 50 Jahren. Die Trigeminus-Neuralgie ist nach dem Ort benannt, an dem sie entsteht: Der fünfte Hirnnerv, der Trigeminus-Nerv, ist geschädigt oder irritiert. Er teilt sich von der Stirn aus in drei Äste auf, die sich durch das gesamte Gesicht ziehen.

Wird der Nerv gereizt, sendet er Schmerzsignale aus. Diese reichen bis in die Augen und die Zähne. Oft treten die Schmerzattacken der Trigeminus-Neuralgie nur in einer Gesichtshälfte auf. Sie gehören jedoch zu den stärksten bekannten Schmerzen. Eine häufige Ursache sind verdickte Blutgefäße, die auf den Nerv drücken. Aber auch Tumoren können ihn einengen. In seltenen Fällen ist die Neuralgie eine Folge einer anderen Erkrankung, die eine Entzündung im Nerv auslöst.

 

Rat vom Facharzt bei Gesichtsschmerzen

Bei Verdacht auf eine Trigeminus-Neuralgie sollte ein Neurologe aufgesucht werden. Er kann Krankheiten ausschließen, die ähnliche Beschwerden auslösen, etwa Cluster-Kopfschmerzen oder Erkrankungen der Augen. Außerdem kann der Arzt die Nervenfunktionen testen. Der Trigeminus reagiert gereizt, wenn er bestimmten Einflüssen, sogenannten Triggern, ausgesetzt ist. Das kann eine Berührung beim Zähneputzen oder nur ein Luftzug sein.

 

Medikamente: Starke Nebenwirkungen

Meist wird die Erkrankung mit Medikamenten behandelt. Die dazu eingesetzten Antiepileptika beugen zwar Schmerzen vor, haben aber starke Nebenwirkungen: unter anderem Übelkeit, Müdigkeit und Haarausfall. Wenn diese überwiegen oder die Mittel nicht mehr anschlagen, raten viele Mediziner zu einer Operation. Neuere Untersuchungen legen jedoch nahe, dass Medikamente das Leiden unnötig verlängern. Manche Fachärzte empfehlen deshalb, gleich andere Methoden zu nutzen.

 

Strahlentherapie

Das niedrigste Komplikationsrisiko, aber leider auch die geringste Erfolgsquote hat die radiochirurgische Behandlung. Bei ihr wird der Nerv in einer einmaligen Sitzung bestrahlt. Weil die Strahlendosis unschädlich ist, lohnt sich ein Versuch.

 

Nadelpunktion

Zeigt dies keine Wirkung, kann der Nerv an Knotenpunkten lahmgelegt werden. Eine Nadel wird durch die Wange eingeführt. Über sie wird Hitze oder eine chemische Substanz in die Nervenfasern geleitet und so die Schmerzübermittlung zerstört. Der Vorteil dieser Methode: Sie findet unter örtlicher Betäubung statt. Andererseits geht sie oft mit einer leichten Empfindungsstörung auf der behandelten Seite des Gesichts einher.

 

Trigeminus-Neuralgie: Operation

Eine Operation – unter Vollnarkose – zielt darauf ab, den eingeengten Nerv zu entlasten. Über eine Öffnung hinter dem Ohr, so groß wie ein Daumennagel, wird der Trigeminus-Nerv freigelegt. Anschließend wird mit einem Gewebekleber ein Polster aus ungiftigem Kunststoff zwischen den Nerv und die Blutgefäße gebracht. So können diese keinen Druck mehr ausüben. 98 Prozent der Betroffenen sind danach dauerhaft beschwerdefrei. Auch Inge Berger hat dank des Eingriffs keine Schmerzen mehr.

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