Trichotillomanie: Zwanghaftes Haare ausreißen

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Patienten mit einer Trichotillomanie reißen sich selbst die Haare aus. Es handelt sich um eine Zwangsstörung, die behandelt werden muss. Sie tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Welche Ursachen hat das Leiden, und welche Therapien gibt es? 

Eine Frau begutachtet ihre Haare
Foto:  istock_Tunatura
Inhalt
  1. Wie äußert sich eine Trichotillomanie? 
  2. Was sind bei einer Trichotillomanie die Ursachen? 
  3. Welche Folgen hat eine Trichotillomanie?
  4. Wie kann eine Trichotillomanie behandelt werden?

Ärzte sprechen von einer Trichotillomanie, wenn sich Menschen selbst die Haare ausreißen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen. Dabei steht trix für das Haar, tillein für reißen oder rupfen und mania für Wahnsinn. Wenn sich Betroffene zwanghaft die Haare ausreißen, so ist das eine Krankheit, die zu den Zwangsstörungen gehört. Meist fällt die Trichotillomanie erst auf, wenn große Stellen kahl sind.

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Wie äußert sich eine Trichotillomanie? 

Menschen mit einer Trichotillomanie reißen sich meist die Kopfhaare aus. Seltener sind bei einer Trichotillomanie die Augenbrauen, die Wimpern oder sonstige Haare am Körper betroffen, aber auch diese Haare reißen sich manche Patienten aus. Das entdecken Ärzte meist nur aus Zufall bei Routineuntersuchungen oder aufgrund von Hinweisen der Partner. Schützungen zufolge leiden ein bis zwei Prozent aller Menschen an Trichotillomanie. Dabei sind neun von zehn Betroffenen Frauen. 

 

Was sind bei einer Trichotillomanie die Ursachen? 

Hinter einer Trichotillomanie verbirgt sich eine Störung der Impulskontrolle, die eine starke erbliche Komponente hat. Als Ursache kommen zudem traumatische Erfahrungen hinzu, wie:

  • ein nicht verarbeitetet Tod naher Angehöriger
  • Gewalterfahrungen
  • sexueller Missbrauch
  • Mobbing
  • emotionale Vernachlässigung in der Kindheit

Nicht immer lassen sich jedoch so deutliche Auslöser für die Trichotillomanie finden. Jedoch spielen Ängste und anhaltender starker Stress eine große Rolle bei der Krankheitsentstehung. Denn es kann zwar eine Veranlagung zu zwanghaftem Verhalten bestehen, ob sich diese allerdings entwickelt, hängt von äußeren Faktoren ab.

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Welche Folgen hat eine Trichotillomanie?

Reißen sich Menschen ihre Haare aus, bilden sich kahle Stellen auf der Kopfhaut, die dauerhaft zurückbleiben können. Das kann schnell zur sozialen Stigmatisierung führen. Mögliche Folgen sind auch Entzündungen der Kopfhaut oder Wachstumsstörungen der Haare.

 

Wie kann eine Trichotillomanie behandelt werden?

In der Trichotillomanie-Therapie gilt es herauszufinden, warum sich Patienten ihre Haare ausreißen. Besonders gute Erfolge erzielt man mit psychotherapeutischen Verfahren. Speziell die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei der Behandlung von Zwangsstörungen bewährt. Sie hilft den Patienten dabei, sich ihre eigenen Handlungen bewusst zu machen und herauszufinden, welche Auslöser es gibt. Im nächsten Schritt lernen sie, dieses Muster – das Ausreißen der Haare in bestimmten Situationen – durch andere Handlungen zu ersetzen. Sie können dann in auslösenden Situationen beispielsweise lernen, an einem Armband zu ziehen, anstatt sich Haare auszureißen.

Auch Entspannungstechniken wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, autogenes Training und Yoga helfen Betroffenen, inneren Druck auf gesunde Weise abzubauen. In seltenen schweren Fällen kombinieren Ärzte Medikamente, also Psychopharmaka, mit Psychotherapien. Ohne Behandlung leiden Betroffene oft ein Leben unter den Symptomen der Trichotillomanie.

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Quellen:

Rainer Maderthaner (2017): Psychologie, Stuttgart: UTB-Taschenbücher. 

David Morris Schnarch (2017): Die Psychologie sexueller Leidenschaft, Stuttgart: Klett-Cotta.

Theodor Waitz (2020): Lehrbuch der Psychologie als Naturwissenschaft, Bremen: Inktank-Publishing.
 

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