Triage: Welche Bedeutung hat das System für Corona-Patienten?

Gaby Scheib

Während der jetzigen zweiten Welle der Corona-Pandemie werden wieder mehr Menschen im Krankenhaus behandelt, einige von ihnen auch intensivmedizinisch. Stehen dort nicht mehr genügend Plätze zur Verfügung, muss das medizinische Personal nach dem System der Triage über die Behandlungsdringlichkeit entscheiden. Wie läuft das ab – und welche Bedeutung hat das für die Patienten?

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Inhalt
  1. Was ist eine Triage?
  2. Das Triage-System in Deutschland
  3. Was bedeutet Triage für Corona-Patienten?
  4. Nicht das Alter, sondern die Erfolgsaussichten entscheiden

Die Bedeutung einer Triage hat in Corona-Zeiten eine traurige Bekanntheit erlangt. Aber: Was ist das eigentlich?

 

Was ist eine Triage?

Triage geht auf das französische Wort „trier“ zurück, auf Deutsch „auswählen“ oder „aussortieren“. Es bezeichnet ein Verfahren, mit dem die Erkrankung von Patienten in der Notaufnahme nach bestimmten Standards eingeschätzt und ihre Behandlung je nach Dringlichkeit und Erfolgsaussichten eingeordnet wird. Ursprünglich für Kriegs- und Katastrophenfälle entwickelt, findet es heute unter anderem auch bei Pandemien Anwendung.

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Das Triage-System in Deutschland

International gibt es verschiedene Systeme der Triage. Deutsche Krankenhäuser arbeiten nach dem Manchester-Triage-Systeme (MTS). Dabei werden die Beschwerden und Symptome der Patienten in fünf verschiedene Gruppen kategorisiert:

Blau: leicht erkrankt, kein dringender Behandlungsbedarf
Grün: eher leicht erkrankt, baldiger Behandlungsbedarf
Gelb: eher schwer erkrankt, dringender Behandlungsbedarf
Orange: schwer erkrankt, sehr dringender Behandlungsbedarf
Rot: lebensbedrohlich erkrankt, sofortiger Behandlungsbedarf

Da das medizinische Personal in Notaufnahmen generell – auch außerhalb von Corona – unter immer größerem Entscheidungsdruck und Stress steht, ist ein verlässliches System zur Kategorisierung der Patienten eine große Hilfe: So können die schwereren Fälle schnell identifiziert und behandelt werden. Normalerweise wird dies als Ersteinschätzung bezeichnet – der Begriff Triage kommt nur in außergewöhnlichen Fällen zum Einsatz, wenn aufgrund der extrem hohen Zahl an Erkrankten die Behandlungskapazitäten begrenzt sind.

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Was bedeutet Triage für Corona-Patienten?

Viele Menschen befürchten, dass die steigende Zahl der COVID-19-Erkrankten in den Kliniken zu einem Ausleseprozess führt: Werden alte Menschen, Vorerkrankte oder Menschen mit Behinderungen schlimmstenfalls nicht mehr behandelt? Zugunsten von Jüngeren oder Gesünderen? Wie soll das medizinische Personal in der Coronakrise entscheiden? 
Diese Fragen beantwortet die sogenannte „S1-Leitlinie“ – sie enthält klinisch-ethische Entscheidungsempfehlungen, die Experten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften im Zuge der Pandemie überarbeitet haben. Die Empfehlungen geben eine Orientierung, welche Patienten intensiv- und welche palliativmedizinisch betreut werden sollten. Das Wichtigste: Grundsätzlich gilt der Gleichheitsgrundsatz. Und: Die Entscheidung sollte von einem Team getroffen werden, das aus mindestens drei Personen besteht und verschiedene Perspektiven betrachtet.

 

Nicht das Alter, sondern die Erfolgsaussichten entscheiden

„Wir haben unter anderem deutlicher klargestellt, dass Grunderkrankungen und Behinderungen kein legitimes Kriterium für Triage-Entscheidungen sind“, so DIVI-Präsident Prof. Dr. Uwe Janssens. Aber: „Wir Ärzte brauchen eine fachliche wie rechtliche Sicherheit bei der Patientenbehandlung in Extremsituationen. Dabei helfen die aktualisierten Empfehlungen.“ Auch das Alter spiele keine Rolle, denn es gehe um die Wahrscheinlichkeit, die aktuelle Erkrankung mithilfe der Intensivtherapie zu überleben – und nicht um die längerfristige Überlebenswahrscheinlichkeit. Dies gelte nicht nur für COVID-19-, sondern auch für Schlaganfallpatienten oder Unfallopfer. 
Geprüft wird natürlich aber auch der Wille des Patienten, der zum Beispiel in einer Patientenverfügung festgelegt ist. Soll keine intensivmedizinische Therapie erfolgen, geschieht dies auch nicht. 
Das Verfahren der Triage ist für Mediziner also eine wertvolle Unterstützung, wenn schnell dringend notwendige Entscheidungen getroffen werden müssen – von Bedeutung bei einer Triage ist dabei allein die Aussicht, dass die Behandlung Erfolg haben und der Patient überleben wird.

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Service COVID-19 Behandlung: Kosten pro Patient im fünfstelligen Bereich

Quellen:

Triage bei COVID-19: „Wir entscheiden nicht nach Alter oder Behinderung“ – Intensiv- und Notfallmediziner aktualisieren klinisch-ethische Entscheidungsempfehlungen in: divi.de
Empfehlungen zur Triage bei COVID-19 erneuert in: gelbe-liste.de
Triage, die in: dwds.de
„Triage“ in der Notaufnahme in: pflege-professionell.at

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