Trennung während der Corona-Krise? Das sagt die Psychologin

Daphne Sekertzi

Eine Trennung während der Corona-Krise ist keine gute Idee. Warum das so ist und inwieweit die Krise die Beziehung stärken kann, erklärt unsere Expertin.

Ein Paar sitzt mit verschränkten Armen nebeneinander
Eine Trennung ist in Corona-Zeiten nicht die beste Lösung für Beziehungsprobleme Foto:  istock_PeopleImages
Inhalt
  1. Beziehungsprobleme wegen Corona: „Die Krise ist wie ein Brennglas“
  2. Soll ich mich während der Corona-Krise trennen?
  3. Was machen Paare, die sich vor der Corona-Krise getrennt haben?
  4. Wenn es gar nicht mehr geht – Therapie per Videocall

Soll ich mich während der Corona-Krise trennen? Diese Frage könnte gerade Paare beschäftigen, die zusammenwohnen. Die fehlenden Ausweichmöglichkeiten können zu einer Zerreißprobe für Beziehungen werden und den Wunsch nach einer Trennung oder gar einer Scheidung hochkommen lassen. Die Psychotherapeutin, Melanie Schmidt, gibt Tipps, was Paare tun können, wenn die Nerven in Corona-Zeiten blank liegen.

 

Beziehungsprobleme wegen Corona: „Die Krise ist wie ein Brennglas“

Ob durch die Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverbote oder eine häusliche Quarantäne: Die Corona-Krise führt nach Meinung der Therapeutin dazu, dass "wir eine Form von Nähe erleben, die viele von uns gar nicht gewohnt sind.“ Ansonsten verbringen viele Paare die meiste Zeit des Tages getrennt außer Haus. Aber das tägliche Training im Fitnessstudio oder Treffen mit Freunden können nach Meinung der Psychologin auch Strategien sein, zu viel Nähe zu vermeiden.

Die ungewohnte Nähe trägt nun dazu bei, dass unterschwellige Konflikte an die Oberfläche kommen: „Die Krise ist wie ein Brennglas. Probleme und Konfliktherde, die bereits vor der Corona-Krise existierten, können sich nun verschärfen.“

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Soll ich mich während der Corona-Krise trennen?

Trennen oder bleiben? Die Psychologin hat dazu eine klare Meinung: „Ich zitiere hier einen befreundeten Kollegen: ‘Trennen Sie sich nie während einer Krise, sondern erst, wenn diese vorbei ist.‘“ Die Corona-Krise, die das Nähe- und Distanzbedürfnis von Paaren unterläuft, stellt wie jede andere Krise auch eine zeitlich begrenzte Extrem-Situation dar.

Deswegen plädiert Schmidt dafür, auf dem Höhepunkt einer Krise die Gründe für die Trennung aufzuschreiben, anstatt den Partner damit zu konfrontieren: „Wenn man wieder seinen geregelten Alltag aufnimmt, kann man sich die Gründe für die Trennung noch einmal angucken und überlegen, ob sie noch standhalten.“

Außerdem sollte man, nach Meinung der Therapeutin, die Ausnahmesituation als Chance für ihre Beziehung sehen. Paare könnten gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Denn „man kann seinen Blick bewusst auf bereits lange bestehende Beziehungsprobleme und Konflikte lenken und so Klarheit darüber gewinnen, woran man arbeiten muss.“  

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Was machen Paare, die sich vor der Corona-Krise getrennt haben?

Schwerer als Paare, die während der Corona-Krise an ihrer Beziehung zweifeln, haben es diejenigen, die kurz zuvor eine Trennung oder Scheidung beschlossen haben. Sie sind nun dazu gezwungen, ihren Ex-Partner weiterhin um sich zu haben. Die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote machen eine räumliche Trennung nämlich mitunter unmöglich.

Auch wenn es schwer ist, lässt sich Zuhause zumindest ein wenig räumliche Distanz herstellen. Die Psychologin schlägt vor: „Das sieht dann so aus, dass man sich nicht im selben Raum wie der Andere aufhält.“ Dafür ist es ratsam, die Zimmer aufzuteilen. Aus Schlafzimmer und Wohnzimmer werden dann jeweils ein Zimmer für den einen und ein Zimmer für den anderen Partner.

Auch für Paare in kriselnden Beziehungen kann die Aufteilung der Zimmer eine Möglichkeit sein, um Abstand voneinander zu gewinnen und eventuell eine Trennung während der Corona-Krise zu verhindern.

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Wenn es gar nicht mehr geht – Therapie per Videocall

Im Normalfall entscheiden sich besonders verheiratete Paare zu einer professionellen Beratung, wenn sie merken, dass alle guten Vorsätze und Geduld keine Besserung bringen und die Konflikte auf die Psyche schlagen. Da eine Therapie zur medizinischen Grundversorgung gehört, sind auch zu Corona-Zeiten Erstgespräche in der Praxis unter Einhaltung der Sicherheitshinweise möglich.

Viele Therapeuten bieten zudem Videosprechstunden an – besonders für bereits laufende Therapien und Beratungen. Der Videoanruf ersetzt dann das persönliche Gespräch in der Praxis, wenn eine Ansteckungsgefahr besteht. Eine professionelle Beratung kann die Gemüter streitender Partner beruhigen und eine Trennung während der Corona-Krise vermeiden. Allerdings müssen die Kosten für Paartherapien selbst getragen werden.

Unsere Expertin: Melanie Schmidt, Psychologische Psychotherapeutin aus Köln

 

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