Transsexualität: Wenn ein Kind im falschen Körper geboren wird

Kindliche Transition
Eine aktuelle Studie beschäftigt sich mit den sozialen und psychologischen Folgen kindlicher Transition. Ein Medikament kann dabei helfen, die geschlechtliche Entwicklung zu blockieren, damit Kinder im falschen Körper zu einem späteren Zeitpunkt selbst üb © Fotolia

Eine aktuelle Studie erfasste zum ersten Mal in systematischer Weise die Lebensbedingungen von transsexuellen Menschen in Deutschland. Kinder sind demnach besonders schwer betroffen von dem Wunsch einer Geschlechtsumwandlung. Eine Möglichkeit bietet die Verzögerung der Pubertät, um Kinder mit dem Alter selbst entscheiden zu lassen.

In Deutschland leben in etwa 170.000 transsexuelle Menschen. Viele davon sind Kinder. Eine aktuelle Studie des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) des Landes Nordrhein-Westfalen untersuchte die unterschiedlichen Lebensverläufe transsexueller Menschen. Dabei stand auch das Problem kindlicher Transition von einem Geschlecht zum anderen im Fokus. Kinder leiden Studien zufolge besonders schwer unter dem Wunsch, das Geschlecht zu wechseln.

 

Manche Kinder wollen ihren Körper nicht

In Deutschland haben nach aktuellen Schätzungen mehrere hundert Kinder das Gefühl, mit dem falschen Geschlecht geboren worden zu sein. Das heißt, sie fühlen sich nicht ihrem biologischen, sondern dem anderen körperlichen Geschlecht zugehörig. Kann sich ein Kind nicht mit seinen Geschlechtsmerkmalen identifizieren sprechen Ärzte von einer Geschlechtsidentitätsstörung (GID).

 

Die Pubertät blockieren

Seit einigen Jahren gibt es die Behandlungsmöglichkeit, den Beginn der Pubertät durch Hormone zu verhindern. Zu diesem Zweck werden Kindern mit GID sogenannte hypothalamische Blocker verschrieben – ein Medikament, das auf die Hirnanhangsdrüse wirkt und dort die Produktion der Hormone stoppt, welche die Geschlechtsdrüsen dazu veranlassen, Östrogen und Testosteron zu produzieren. Die so behandelten Körper der Heranwachsenden bilden nicht die jeweils spezifischen Geschlechtsmerkmale aus, sondern verbleiben entwicklungstechnisch in einem kindlichen Zustand.

Diese Vorgehensweise kann einen Vorteil für die betroffenen Kinder bedeuten: Indem man die sexuelle Entwicklung eines Kindes bereits im frühen Anfangsstadium der Pubertät unterbricht, kann eine spätere Geschlechtsangleichung unkomplizierter erfolgen. Die so verhinderten äußerlichen Veränderungen schützen die Kinder vor Schikanen und mindert nachweislich das als quälend empfundene Gefühl im falschen Körper zu stecken. Nach einiger Zeit und begleitenden Spezialtherapien werden die Hormone umgestellt und die Pubertät schließlich eingeleitet. Letztlich führt diese Therapievariante dazu, dass die Kinder mit Transitionswünschen im Erwachsenenalter weniger operative Eingriffe bei der Geschlechtsumwandlung über sich ergehen lassen müssen.

Hamburg, 22. April 2014

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