Transkranielle Magnetstimulation lindert Tinnitus

Mann hält sich die Schläfen
Auch Stress ist ein häufiger Auslöser von Tinnitus. Betroffenen bietet die transkranielle Magnetstimulation Linderung © Fotolia

Lange war es unsicher, ob die sogenannte transkranielle Magnetstimulation (TMS) wirklich Tinnitus lindern kann. Eine neue Studie zeigt jetzt sehr positive Ergebnisse. Einen Haken gibt es jedoch.

TMS kann Tinnitus lindern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Oregon in einer Studie, die sie vor Kurzem in der Fachzeitschrift JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery veröffentlicht haben.

 

Magnetfelder beeinflussen das Gehirn

„Für einige Studienteilnehmer war es das erste Mal, dass sie eine Verbesserung der Symptome erleben konnten“, sagt Studienleiter Robert L. Folmer. Bei der TMS werden Teile des Gehirns pulsierenden Magnetfeldern auszusetzen. In diesem Fall zielten die Wissenschaftler auf den auditiven Cortex.

 

Auch Ärzte wussten nicht bescheid

So funktioniert TMS

Das Verfahren macht sich zunutze, dass der Körper Magnetfelder erzeugt. Elektrische Ströme im Herz, in den Nieren und anderen Organen sind dafür verantwortlich.

Jede Zelle wird von einem Magnetfeld umgeben. Auch das Gehirn ist im Grunde ein elektrisches Organ. Grob gesagt laufen Nervenimpulse und die Vermittlung von Signalen oder ähnliche Verfahren zur Informationsvermittlung im Gehirn über elektrische Vorgänge an den Zellmembranen ab.

Bei ihrer Untersuchung unterteilten Folmer und sein Team die 64 Studienteilnehmer in zwei Gruppen. Beide wurden an zehn aufeinanderfolgenden Tagen mit der TMS behandelt – nur das bei der einen Gruppe das Gerät ausgeschaltet blieb. Um eine Verzerrung der Ergebnisse zu verhindern, wussten die Patienten und die behandelnden Ärzte nicht, ob ihre Maschine an war oder nicht.

Eine Therapie galt als erfolgreich, wenn sich die Patienten auf dem sogenannten „Tinnitus Functional Index“ (TFI) um mindestens sieben Punkte verbesserten. Der TFI ist ein Fragenkatalog, der die Auswirkungen von Ohrgeräuschen misst. Seine Skala reicht von 0 bis 100. 

 

Transkranielle Magnetstimulation – deutliche Erfolge bei Tinnitus

Mit der TMS erreichten das 18 der 32 Patienten – bei der Placebo-Gruppe (ausgeschaltetes Gerät) waren es nur sieben. Besonders wirksam zeigte sich die Behandlung bei Patienten mit starkem Tinnitus. Die größte Schwäche der Studie ist die geringe Zahl der Teilnehmer. Bevor die Methode eine Standardbehandlung werden kann, muss sie noch ihre Wirksamkeit bei einer größeren Zahl von Studienteilnehmern unter beweis stellen.

Der Bedarf dafür ist groß: Rund zehn Millionen Menschen sind alleine in Deutschland von einem Tinnitus betroffen. Die häufigsten Ursachen sind Dauerlärm, ein Knall-Trauma, Stress sowie mangelnde Durchblutung des Innenohres. HNO-Ärzte verabreichen im Akutfall meist Medikamente mit Kortison sowie Infusionen (etwa mit dem Wirkstoff Pentoxifyllin). Damit können die Leitfähigkeit der Hörbahnen und die Durchblutung im Ohr verbessert werden.

Oft hilft das aber nicht. Die Ohrgeräusche werden chronisch. Es klingelt, klopft, pfeift, rauscht, zischt oder summt im Ohr, ohne Pause, Tag und Nacht. Und zwar am schlimmsten, wenn alles außerhalb ganz still ist. An erholsamen Schlaf und Konzentration ist oft nicht mehr zu denken. Die pausenlosen Geräusche machen reizbar, depressiv und mit der Zeit auch ängstlich und verzweifelt.

 

Dr. Johannes über die transkranielle Magnetstimulation bei Tinnitus

Hamburg, 20. Juli 2015

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