Toxoplasmose: Gefährdet die Infektionskrankheit das ungeborene Kind?

Eine Ansteckung mit Toxoplasmose ist zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich.
Eine Ansteckung mit Toxoplasmose ist zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich. Es kann dadurch zu Früh-, Fehl- und sogar Totgeburten kommen © Fotolia

Bei vielen werdenden Müttern verläuft die Schwangerschaft problemlos und sie können sich ohne Sorgen auf das neue Leben, dass in ihrem Bauch heranwächst, freuen. Doch was passiert, wenn man in der Schwangerschaft erfährt, dass man unter Toxoplasmose leidet? Welche Auswirkungen hat die Infektionskrankheit auf das ungeborene Kind?

Meine Patientin Gudrun L. war im dritten Monat schwanger. Die bisherigen Kontroll-Untersuchungen hatten ergeben, dass die Schwangerschaft völlig normal verlief. Die 29-Jährige fühlte sich rundherum wohl. Als sie sich an diesem Tag verabschiedete, meinte sie: "Was ist eigentlich, wenn ich an einer Toxoplasmose erkranke? In meinem Bekanntenkreis hat eine Mutter wegen dieser Infektion ihr Kind verloren. Muss ich mich davor fürchten? Kann man die Krankheit rechtzeitig erkennen, und was kann man dagegen tun?”

Die Fragen meiner Patientin konnte ich nicht mit einem Satz beantworten. Bei der Toxoplasmose handelt es sich um die bei Mensch und Säugetier am weitesten verbreitete tierische Parasitenerkrankung. Man geht davon aus, dass im Alter von 60 Jahren etwa 60 Prozent von dem Erreger befallen sind. Wegen der Häufigkeit wird eine Diagnose oft erschwert.

Der Mensch infiziert sich vorwiegend durch den Verzehr von rohem und ungenügend gekochtem Fleisch von befallenen Schlachttieren, vor allem Schweinen. Die einzige bisher sichere Übertragung von Mensch zu Mensch ist die intrauterine Infektion, das heißt der aktive Übergang der Toxoplasmen vom mütterlichen Organismus auf die Frucht. Das ist zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich. Es kann dadurch zu Früh-, Fehl- und sogar Totgeburten kommen. Aber auch Missbildungen werden durch Toxoplasmose hervorgerufen.

Nachdem ich meiner Patientin diese Zusammenhänge erklärt hatte, fragte sie: "Und kann man diesem Verlauf nicht vorbeugen?”

 

Ohne eine akute Infektion besteht für die Schwangerschaft keine Gefahr

"Mit bestimmten Bluttests lässt sich feststellen, ob ein Mensch bereits infiziert worden ist. Doch Sie brauchen sich wirklich keine Sorgen zu machen. Dieser Test ist bei Ihnen bereits gemacht worden. Dabei fand ich heraus, dass Sie eine Toxoplasmose-Erkrankung durchgemacht haben. Aber ohne eine akute Infektion besteht keine Gefahr für die Schwangerschaft”, beruhigte ich sie.

Toxoplasmose-Erreger

Die Toxoplasmose-Erreger werden durch das rohe Fleisch von erkrankten Schlachttieren und durch Katzenkot auf Menschen übertragen. Schwangere Frauen sollten deshalb bei der Versorgung ihrer Stubentiger unbedingt Gummihandschuhe tragen. Leider wird die Infektion oft gar nicht bemerkt. Denn etwa 60 Prozent der Erkrankungen verlaufen ohne Symptome. Werdenden Müttern wird deshalb geraten, jeder möglichen Ansteckungsquelle aus dem Weg zu gehen. Werden die Erreger auf das Kind übertragen und drohen dadurch Missbildungen, zum Beispiel Wasserkopf, ist ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt.

Anders verhält es sich, wenn die werdende Mutter noch keine Antikörper gegen die Toxoplasmose entwickelt hat. Dann wird man im fünften und achten Schwangerschaftsmonat erneut Bluttests vornehmen und gegebenenfalls eine Behandlung durchführen.

Symptome wie Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unlust, unklare Temperaturerhöhungen und starke Lymphknotenschwellungen können ein Hinweis auf eine frische Infektion bei werdenden Müttern sein. Aber nur wenn die Diagnose eindeutig ist, sollte auch behandelt werden. Diese Behandlung kann allerdings erst nach dem vierten Schwangerschaftsmonat beginnen, da man mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten vor diesem Zeitpunkt eventuell das ungeborene Kind schädigen würde.

Besser ist es allerdings, der Ansteckung der gefährlichen Krankheit vorzubeugen. Das bedeutet, dass die werdende Mutter unbedingt auf den Genuss von rohem und halbrohem Fleisch verzichten sollte. Außerdem muss sie sich von Katzen fernhalten, denn deren Kot gilt als Infektionsüberträger. Sollte die Schwangere selbst einen Stubentiger besitzen, wäre es am besten, bei der Pflege Gummihandschuhe zu tragen.

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