Toxisches Schocksyndrom (TSS) – was steckt hinter der Tamponkrankheit?

Michelle Kröger

Dass Tampons ein gesundheitliches Risiko darstellen können, wissen die wenigsten Frauen. Wenn auch äußerst selten, kann es durch sie zum sogenannten Toxischen Schocksyndrom kommen. Doch wer ist gefährdet, was sind die Symptome, was haben Tampons damit zu tun und was kann man dagegen tun?

Frau mit TSS hält Tampon und Menstruationstasse in der Hand
Ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) kann durch einen Tampon oder eine Menstruationstasse ausgelöst werden, wenn diese während der Menstruation zu lange im Körper verbleiben Foto:  iStock/a_namenko
Inhalt
  1. Toxisches Schocksyndrom – was steckt dahinter?
  2. Welche Beschwerden (Symptome) gehen mit dem TSS einher?
  3. Welche Risiken bestehen durch TSS?
  4. Kann es nur während der Menstruation zu TSS kommen?
  5. Wie kann man TSS vorbeugen?
 

Toxisches Schocksyndrom – was steckt dahinter?

“Das Toxische Schocksyndrom, kurz TSS, wird durch Bakterien ausgelöst, die sich im Körper vermehren und Gifte ausschütten, die den Körper schädigen”, sagt Dr. med. Christian Albring. Meist handele es sich um Staphylokokken oder Streptokokken, mit denen man normalerweise auch im Alltag häufig Kontakt hat, ohne aber daran ernsthaft zu erkranken. “Nur wenn diese Keime in großer Zahl vorhanden sind und die Immunabwehr versagt, kommt es zu schweren Entzündungszeichen.”

Wie stecken sich Betroffene mit den Keimen an?

Dem Experten zufolge finden sich die Keime bei den meisten Menschen auf der Haut und Schleimhaut. “Bei oberflächlichen Wunden können sie Entzündungszeichen hervorrufen wie Erwärmung, Schmerzen und einen typischen roten Entzündungshof. Diese können aber oft auch ohne Behandlung verschwinden, weil das Immunsystem sie eliminiert”, sagt Dr. Albring. Manchmal brauche es noch zusätzlich desinfizierende Salben, um die Infektion zu bekämpfen.

Doch eine Infektion kann auch durch die Haut der Vagina erfolgen und die frühe Entzündung kann unentdeckt bleiben. In dem Fall spürt die Frau keinerlei Veränderung. “Wenn das Immunsystem die Abwehr nicht schafft, was aber nur ganz extrem selten passiert, gelangen die Keime bzw. ihre Gifte auch in die Blutbahn.”

 

Welche Beschwerden (Symptome) gehen mit dem TSS einher?

TSS stellt eine sehr seltene Komplikation von bakteriellen Entzündungen dar. Die Erkrankung werde laut Dr. Albring zum Beispiel bei infizierten Wunden nach Unfällen oder Operationen beobachtet. “Aber auch unter der Verwendung von Tampons oder Menstruationstassen kann es zum TSS kommen, wenn diese zu lange im Körper bleiben und die Keime sich im warmen Blut vermehren können“, sagt er. Die Erkrankung gehe im Vollbild mit einem schweren Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Benommenheit, Schüttelfrost und später Herz- und Nierenversagen einher.

Die Symptome des Toxischen Schocksyndroms treten meistens sehr überraschend auf. Betroffene berichten, dass sie sich plötzlich während der Menstruation extrem krank gefühlt haben.

Diese grippeähnlichen Symptome sind beim TSS möglich:

Was können Betroffene tun?

“Wenn die Immunabwehr tatsächlich versagt und sich ein TSS entwickelt, müssen die Betroffenen sofort ins Krankenhaus und meist auch auf der Intensivstation behandelt werden, um mögliche Komplikationen zum Beispiel am Herz und an den Nieren in den Griff zu bekommen. Die Behandlung erfolgt meist mit Antibiotika, um die Keime zu bekämpfen”, sagt Dr. Albring.

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Welche Risiken bestehen durch TSS?

Dem Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. zufolge könne es unter dem Toxischen Schocksyndrom zu Kreislaufversagen, Herzversagen, Nierenversagen und zu generalisiertem Versagen der Blutgerinnung kommen.

 

Kann es nur während der Menstruation zu TSS kommen?

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes spricht pro Jahr in ganz Deutschland von etwa 70 bis 80 Menschen, bei denen die Diagnose TSS gestellt wird. “Davon sind mehr als 2/3 Mädchen und Frauen zwischen 15 und 50 Jahren. Das restliche Drittel verteilt sich auf Kinder, Frauen über 50 Jahren und Männer aller Altersstufen”, sagt Dr. Albring. Ob bei den Mädchen und Frauen immer ein Zusammenhang mit der Menstruation besteht oder ob es andere Zusammenhänge gibt, wurde bisher noch nicht wissenschaftlich untersucht. Es sei laut dem Gynäkologen auch völlig unklar, wie häufig leichtere Formen einer solchen Infektion sind, wie häufig sie unentdeckt bleiben und wie häufig leichte Infektionen von allein ausheilen.

 

Wie kann man TSS vorbeugen?

“Bei Wunden an der Körperoberfläche gilt: Entzündungszeichen frühzeitig erkennen und ernst nehmen”, sagt Gynäkologe Dr. Albring.

Mädchen oder Frauen, die aufgrund ihrer individuellen Situation während der Menstruation ein TSS fürchten, sollten laut dem Experten lieber auf Tampons und Menstruationstassen verzichten und nur Binden verwenden.

Wer nicht auf Tampons verzichten mag, der kann verschiedene Maßnahmen ergreifen, um eine TSS-Infektion zu verhindern:

  • Verzicht auf hochsaugfähige Tampons
  • Verwendung der kleinsten Größe Tampons
  • Abwechslung zwischen Tampons und Binden
  • Regelmäßiges Wechseln der Tampons (ca. alle 4 bis 8 Stunden)
  • Generell ist auf eine besondere Monatshygiene zu achten

Auf Diaphragmen, Zervixkappen oder andere okklusive Barrieremethoden ist eher zu verzichten, wenn bei Frauen bereits das Toxische Schocksyndrom durch Staphylokokken hervorgerufen wurde.

Quellen:

Interview Dr. Albring

https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/infektionskrankheiten/171-grampositive-kokken/toxisches-schock-syndrom-tss (Abrufdatum: 13.09.2019)

https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/infektionen/bakterielle-infektionen-grampositive-bakterien/toxisches-schocksyndrom (Abrufdatum: 13.09.2019)

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/toxisches-schocksyndrom-risiken-durch-tampon-verwendung-aeusserst-gering/ (Abrufdatum: 13.09.2019)

https://www.researchgate.net/profile/Annelies_Zinkernagel/publication/281566176_CME_Grampositives_toxisches_Schocksyndrom/links/582ae87c08ae102f071ff880/CME-Grampositives-toxisches-Schocksyndrom.pdf (Abrufdatum: 13.09.2019)

Unser Experte: Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

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