Was ist eine toxische Beziehung? Das sind die 8 Warnzeichen!

Redaktion PraxisVITA

Toxische Beziehungen können viel Schaden anrichten. Trotzdem ist eine Trennung meist nicht so leicht, weil den Betroffenen oft gar nicht bewusst ist, dass Ihre Partnerschaft Ihnen nicht gut tut. Welche Anzeichen gibt es und was kann man tun, um loszukommen? Die Paartherapeutin Britta Hochheimer gibt wertvolle Informationen und Tipps.

Inhalt
  1. Was ist eine toxische Beziehung?
  2. Eine toxische Beziehung erkennen – warum das so schwer ist
  3. Toxische Beziehung: Diese Anzeichen gibt es
  4. Toxische Beziehung verursachen körperliche Symptome
  5. Was sind die Gründe für eine giftige Beziehung?
  6. Auswirkungen von toxischen Beziehungen
  7. Eine toxische Beziehung beenden
  8. Toxische Beziehung – was kann man tun?
 

Was ist eine toxische Beziehung?

Toxische Beziehungen sind Partnerschaften, die langfristig Leid bei einem der Partner verursachen. Solche Beziehungen charakterisieren sich meist durch Dominanz, Egoismus, und Unterdrückung auf der einen Seite und Abhängigkeit und Selbstaufopferung auf der anderen Seite. „Toxisch meint in diesem Zusammenhang – wie es der Name schon erahnen lässt – gefärbt mit einem Gift”, sagt Therapeutin Britta Hochheimer. „Und dieses Gift kann mitunter Krankheiten, Schmerzen (körperliche und seelische), Verzweiflung und Hilflosigkeit auslösen.”

Normalerweise sollten sich beide Partner frei und laufend weiterentwickeln können. „Außerhalb der Beziehung ist jeder Mensch schließlich immer noch ein Individuum”, sagt Hochheimer. In einer gesunden Beziehung würden laut der Therapeutin beide Seiten das Gefühl haben, frei zu sein. Jeder Mensch sollte eigene Erfahrungen sammeln, seinen Bedürfnissen und Interessen nachgehen können und nicht in seiner Handlungsweise begrenzt werden.

„In einer toxischen Beziehung schränkt der Partner uns allerdings ein. Samt unserer Gedankenfreiheit. Er isoliert uns vom Rest der Welt”, sagt Hochheimer. Es besteht ein gefährliches Machtgefälle. Außerdem flößen toxische Personen ihren Partnern oftmals noch Schuldgefühle ein. Die Folge: Eine tiefe Traurigkeit und der Verlust der Lebensfreude.

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Eine toxische Beziehung erkennen – warum das so schwer ist

Am Anfang ist es gar nicht so leicht, eine toxische Beziehung zu erkennen. Schließlich trägt man dann noch die rosarote Brille. Und wer geht bei so viel Glückseligkeit schon vom Schlimmsten aus? „Eine frische Liebe ist in nahezu jeder Partnerschaft auch mit Faszination, Leidenschaft und großen Glücksgefühlen verknüpft”, sagt Hochheimer. „Die Welt ist wunderbar, jedes kleinste Detail erscheint einfach perfekt.” Erst einmal werden Unstimmigkeiten einfach unter „Missverständnis in der Kommunikation“ verbucht.

Doch mit der Zeit schleicht sich in jeder Beziehung der Alltag ins Liebesleben. Erst nach der anfänglichen Hochphase treten toxische Tendenzen zutage, meist in Form von direkten oder unterschwelligen Angriffen auf das Selbstwertgefühl des Opfers. Ihnen wird gesagt, dass sie dies nicht sind, jenes nicht können – dass sie einfach nicht genug sind und sie nicht der Idealvorstellung entsprechen.

Die Freiheit wird beschränkt, Freunde werden zu ungebetenen Gästen, in Gesellschaft ist man nur noch selten. Die Tür des Käfigs schließt sich. „Viele Betroffene fügen sich den Erwartungen, passen sich an. Sie tun das, was von ihnen erwartet wird”, sagt Britta Hochheimer. Doch später kommt dann die bittere Enttäuschung: Obwohl sie ihr Verhalten geändert haben, genügen sie dem Partner noch immer nicht.

 

Toxische Beziehung: Diese Anzeichen gibt es

Jeder sollte auf seine Gefühle hören. Dazu muss man in einer Liebesbeziehung tief reinhorchen. „Doch wenn sich das Gefühl breitmacht, dass uns jemand einschränkt und manipuliert, sollten wir der Tatsache ins Gesicht sehen”, sagt Hochheimer. Ständiges Unterwerfen, Beleidigen, Erniedrigen und fehlendes Entgegenkommen von Respekt – all das sind ernstzunehmende Indizien für eine toxische Beziehung. Eines der Hauptindizien? Ungleichheit.

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Aber woran erkennt man denn genau eine toxische Partnerschaft? Erst einmal sollte man den Ursprung des Problems herausfinden. Dabei kann intensives Reflektieren helfen. Oder besser gesagt: eine Reflexion von sich selbst, des Partners und von der Beziehung im Allgemeinen (aus der Vogelperspektive). Gehen Sie in sich, seien Sie ganz ehrlich und legen Sie alle Karten und Fakten auf den Tisch.

Befinden Sie sich in einer toxischen Beziehung? Machen Sie den Test: Finden Sie sich und Ihren Partner in den folgenden Punkten wieder, deutet das stark auf eine ungesunde Beziehung hin:  

  1. Unausgewogene Partnerschaft: Die Bedürfnisse Ihres Partners sind wichtiger als Ihre eigenen. Alles dreht sich darum, den Anforderungen des anderen gerecht zu werden.
  2. Kämpfen gegen Windmühlen: Es scheint so, als könnten Sie nichts richtig machen. Ihnen wird immer wieder das Gefühl gegeben, nicht gut genug zu sein – Ihr Partner verspottet Sie vielleicht sogar für Ihre Persönlichkeit. Die Folgen: Schamgefühle, ein niedriges Selbstwertgefühl und emotionale Abhängigkeit.
  3. Soziale Isolation: In einer toxischen Beziehung kommt es häufig zu einer Abschottung vom sozialen Umfeld. Immer seltener treffen Sie Freunde – ob allein oder zusammen. Auch Eifersucht spielt eine große Rolle. Sie unternehmen nur noch selten was alleine. Und wenn mal der Wunsch danach aufkommt, wird gleich Ihre Liebe infrage gestellt. Auch die finanzielle Situation wird genau kontrolliert. Gemeinsame Konten dienen der Überwachung.Vertrauen existiert nicht.
  4. Ich- statt Wir-Gefühle: Alles dreht sich nur um Ihren Partner. Er ist Ihnen gegenüber gleichgültig, merkt, sieht und fühlt nicht, wenn es Ihnen schlecht geht. Sie bekommen kaum Aufmerksamkeit. Lange Dialoge und Diskussionen kommen eher selten vor. Und wenn, dann gibt der Partner nicht auf, bis er das letzte Wort hat. Stichwort: Machtdemonstration.
  5. Keine persönliche Weiterentwicklung: Sie bekommen Spott und Hohn auf jegliche Entwicklungspläne. Ermutigungen und Unterstützung bleiben aus. Kleinhalten ist angesagt. „Das schaffst Du doch ohnehin niemals!”
  6. Keine Hochgefühle möglich: Wenn Sie Glück empfinden oder einen Erfolg verbuchen konnten, greift Ihr Partner Ihr Selbstwertgefühl an, macht Sie klein und konzentriert sich auf das Negative. Damit hält Ihr Partner Sie im selben Zustand, in dem er auch feststeckt.
  7. Einseitige Streitsituationen: Emotionale Ausbrüche und laute Streitigkeiten sind eher selten. Sie möchten es Ihrem Partner recht machen und nehmen eine Vermeidungshaltung ein, um Diskussionen und Streitigkeiten zu umgehen. Und gibt es doch einmal Widerworte, kommt es zur Eskalation. Häufig fallen Sätze wie „Mach dies oder das", oder „liebst Du mich etwa nicht mehr?”
  8. Sich selbst verstellen: Sie können nicht Sie selbst sein. Es scheint fast so, als müssten Sie immer eine Maske aufsetzen, eine andere Rolle einnehmen, um von dieser Person akzeptiert zu werden. Das Resultat: Sie erkennen sich selbst nicht mehr wieder oder Sie werden sogar von Freunden und Familie darauf aufmerksam gemacht.
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Toxische Beziehung verursachen körperliche Symptome

An Ihrem eigenen Verhalten und an dem Ihres Partners können Sie meist leicht ablesen, wie gesund die Beziehung ist, in der Sie sich befinden Zusätzlich dazu können aber auch psychosomatische Beschwerden Hinweise darauf geben, dass etwas nicht stimmt – vor allem in der Anfangsphase, wenn negative Gefühle und Unstimmigkeiten verdrängt werden. Der Missbrauch schreibt sich dann quasi in den Körper ein.

Das hat nicht nur psychologische Gründe. Durch den andauernden psychischen Stress gerät der Hormonhaushalt des Betroffenen aus dem Gleichgewicht, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin sind dauerhaft erhöht. Der Körper ist in ständiger Alarmbereitschaft, was sich in verschiedenen körperlichen Symptomen niederschlägt:

  • Starke Erschöpfung und Müdigkeit
  • Infektanfälligkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Verspannungen und chronische Schmerzen
 

Was sind die Gründe für eine giftige Beziehung?

„Eine der häufigsten Auslöser für toxische Beziehungen ist fehlendes Selbstvertrauen”, sagt Hochheimer. Auch mit dem Selbstwertgefühl des Opfers ist es in der Regel bereits vor der Beziehung nicht gut bestellt. Die Gründe liegen bei den meisten Betroffenen in der Vergangenheit: „Selten verstehen die Menschen, dass unsere Kindheit – oder anders gesagt: die Muster der Vergangenheit – einen großen Einfluss auf unser jetziges Leben haben.”

Außerdem geht eine toxische Beziehung oft mit ausgeprägtem Narzissmus beziehungsweise mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung einher – daher die fehlende Empathie, Kritikunfähigkeit, Manipulation und Machtbesessenheit aufseiten der toxischen Person. Es ist deshalb sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, mit solchen Menschen eine Beziehung zu führen. Ihr Selbstbewusstsein ziehen narzisstische Personen aus der Bewunderung von anderen und aus der Abhängigkeit, die sie auszunutzen wissen.

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Auswirkungen von toxischen Beziehungen

Dass der unterdrückte Part in einer solchen Beziehung psychische Probleme bekommen kann, liegt wohl eindeutig auf der Hand. Die psychische Belastung ist immens hoch. Die Betroffenen können psychische Erkrankungen entwickeln, wie Depressionen, Angst- und Panikstörungen. Der langfristige Stress hinterlässt Spuren. US-amerikanischen Studien zufolge haben Menschen, die langfristig in toxischen Beziehungen stecken, sogar ein höheres Risiko für Herzprobleme. Der Grund? Der dauerhaft hohe Stresspegel.

 

Eine toxische Beziehung beenden

Den Opfern fällt es meist extrem schwer, sich zu trennen. Sie fühlen sich unterlegen – und gestehen sich die Probleme nicht ein. Meistens nehmen diese Personen den Partner vor anderen sogar noch in Schutz und idealisieren ihn. Dass dauernd Grenzen überschritten werden, nehmen die Betroffenen oft gar nicht mehr wahr, weil das verletzende Verhalten des Partners zur Normalität wird.  

Mit der Zeit entsteht eine Abwärtsspirale, denn durch ständige Beleidigungen sinkt das Selbstwertgefühl mmer weiter in den Keller. Gleichzeitig steigt dadurch die Angst vor einer Trennung. Hinzu kommt, dass sich Phasen der Abwertung mit Phasen der extremen Aufwertung abwechseln, was Teil der Manipulation ist. Dadurch entwickelt das Opfer eine emotionale Abhängigkeit. Wenn jedoch die Tiefs häufiger werden und es immer seltener zu Hochphasen kommt, fällt der Schritt zur Trennung dann unter Umständen leichter.

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Toxische Beziehung – was kann man tun?

Einen Schlussstrich zu ziehen, ist meist nicht leicht für die Betroffenen. Außenstehende schütteln in der Regel nur noch mit dem Kopf, können es nicht verstehen, warum derjenige die Beziehung nicht einfach beendet. Die Gründe können unterschiedlicher Natur sein – sei es etwa ein mangelndes Selbstwertgefühl, das Verleumden der Probleme oder eine große Angst vor der Reaktion des Partners.

„Am wichtigsten ist es erst einmal, überhaupt zu erkennen, dass wir leiden”, sagt Hochheimer. „Das ständige Nachdenken darüber, dass wir in der Beziehung einfach nicht glücklich sind”, Erkenntnis sei der wichtigste Faktor bei jeder Art von Veränderung. Außerdem könne es helfen, „eine Weile getrennt zu leben, um herauszufinden, ob der Partner sich auch tatsächlich ändern kann und will. Oder sich auf eine professionelle Unterstützung einlassen kann.”

Ein Paarcoaching bzw. eine Therapie können dabei helfen. „Allerdings müssen beide Seiten dazu bereit sein, etwas gegen die derzeitige Situation zu unternehmen. Nur dann ist es sinnvoll, ein Paarcoaching zu versuchen”, sagt Hochheimer. Wenn diese Bereitschaft nur einseitig besteht, dann wird das Vorhaben großer Wahrscheinlichkeit nach nicht glücken und die Trennung ist unvermeidbar. „Es lohnt sich jedoch sicherlich, zumindest einen Versuch zu starten, die Beziehung zu retten.”

Auch eine Psychotherapie kann dem Opfer dabei helfen, all die negativen Ereignisse aufzuarbeiten, das Selbstwertgefühl zu stabilisieren und so Stärke zu finden, um sich vom Partner zu lösen. Freunde und Familienangehörige können auch etwas tun: für das Opfer da sein und im Zweifel Hilfe anbieten, die toxische Beziehung zu beenden.

Quellen:

Cacioppo, John T., Cacioppo, Stephanie (2014): Social Relationships and Health: The Toxic Effects of Perceived Social Isolation, in: National Library of Medicine 

De Vogli, Roberto, Chandola, Tarani, Marmot, Michael G. (2007): Negative Aspects of Close Relationships and Heart Disease, in: Research Gate

Von Fürstenberg, Antonia: Toxische Beziehungen. Narzissten und Co-Narzissten in der Partnerschaft

Unsere Expertin: Britta Hochheimer, zertifizierte Paartherapeutin, Mediatorin, Master-Coach und Kommunikationstrainerin. In ihrer Frankfurter Praxis widmet sie sich der modernen Paartherapie und dem Coaching.

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