Totimpfstoffe gegen Corona: Wie sie wirken, wann sie in Deutschland kommen

Mona Eichler Health-Redakteurin

In Deutschland könnten bald Totimpfstoffe gegen Corona verimpft werden. Werden Impfskeptiker:innen dadurch doch noch von einer Immunisierung gegen COVID-19 überzeugt? Wie wirken Totimpfstoffe überhaupt? Alles, was Sie jetzt darüber wissen müssen.

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Inhalt
  1. Wie funktionieren Totimpfstoffe gegen Corona? 
  2. Erprobt und gut verträglich: Vorteile von Totimpfstoffen
  3. Weniger wirksam: Nachteile von Totimpfstoffen
  4. Wann kommen Totimpfstoffe in Deutschland? 
  5. Könnten Totimpfstoffe Impfskeptiker:innen überzeugen?

In Deutschland werden derzeit mRNA- und Vektor-Impfstoffe gegen Corona angewendet. Zahlreiche andere Länder der Welt aber setzen auf Totimpfstoffe. Coronavac der in Peking ansässigen Firma Sinovac ist sogar das weltweit am häufigsten verimpfte SARS-CoV-2-Vakzin. 

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Wie funktionieren Totimpfstoffe gegen Corona? 

Der Begriff Totimpfstoff bezeichnet Vakzine, die abgetötete und damit nicht mehr vermehrungsfähige Krankheitserreger enthalten. Es gibt Impfstoffe, die ganze (inaktive) Viren in sich tragen (Ganzvirenimpfstoff) und solche mit Bestandteilen oder einzelnen Molekülen (Spalt- oder Subunit-Impfstoff). 

Coronavac aus China ist ein Ganzviren-Vakzin. Nach der Impfung werden die inaktiven Viren als Fremdkörper erkannt, Antikörper gebildet und so eine Immunantwort entwickelt. Da durch Coronavac ganze inaktive Viren injiziert werden, bildet das Immunsystem gegen alle Bestandteile des Erregers Abwehrstoffe. Bei mRNA- und Vektor-Impfstoffen steht dagegen nur das Spike-Protein im Fokus.

 

Erprobt und gut verträglich: Vorteile von Totimpfstoffen

Totimpfstoffe werden seit Jahrzehnten zum Beispiel gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Hepatitis B, Tetanus oder die Grippe verwendet. Das Vertrauen in diese Impfmethode ist weltweit hoch. 

Hier spielt ebenfalls die Tatsache eine Rolle, dass Totimpfstoffe inaktive Krankheitserreger enthalten – im Gegensatz zu Lebend- oder mRNA-Impfstoffen. mRNA-Vakzine tragen genetische Informationen des Coronavirus, die mRNA, in sich, durch die der Körper das sogenannte Spike-Protein des Virus nachbildet und so Antigene produziert. Gerüchte, mRNA-Impfstoffe könnten die menschliche DNA verändern, sind zwar falsch, halten sich aber dennoch hartnäckig. 

Totimpfstoffe können außerdem relativ schnell in hoher Stückzahl hergestellt werden. Auch die Lagerung ist einfacher als bei mRNA-Impfstoffen: Vakzine dieser Art sind bei Kühlschranktemperatur mehrere Jahre lang haltbar und können bei Raumtemperatur bis zu 24 Stunden lang verimpft werden.

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Nicht zuletzt gelten Totimpfstoffe als sehr gut verträglich. Im Gegensatz zu mRNA- oder Vektor-Impfstoffen rufen sie Nebenwirkungen ingesamt seltener und weniger schwerwiegend hervor. 

 

Weniger wirksam: Nachteile von Totimpfstoffen

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erteilte im Frühjahr 2021 nicht nur Coronavac von Sinovac eine Notfallzulassung, sondern auch Vero von Sinopharm, einer ebenfalls in Peking ansässigen Firma. Die chinesischen Vakzine werden in mehr als 100 Ländern verimpft – die Europäische Union, Großbritannien, USA, Kanada, Australien und Neuseeland gehören nicht dazu. Offiziellen Zahlen zufolge hat mehr als die Hälfte aller weltweit geimpften Personen entweder Coronavac oder Vero erhalten. 

Inzwischen wird die Kritik an den beiden Totimpfstoffen aber immer lauter. Mitte Oktober veröffentlichte das Fachmagazin "Nature" einen Artikel, in dem Wissenschaftler:innen zu dem Schluss kamen, dass die chinesischen Vakzine weniger wirksam als mRNA-Impfstoffe seien. Coronavac schütze demnach nur zu 51 Prozent vor einer symptomatischen COVID-19-Infektion, Vero zu 79 Prozent. Damit liegen beide Produkte deutlich unter den Werten der in Deutschland zugelassenen mRNA-Impfstoffe.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna rufen jeweils einen rund 90-prozentigen Impfschutz hervor. Ein Grund für die schwächere Wirkung könnte sein, dass die Immunantwort auf inaktive Viren zwar breitgefächert, aber nicht stark genug ist. Weitere Studien belegten, dass die Wirksamkeit von Coronavac und Vero schneller nachlässt als bei anderen Corona-Impfstoffen. Grund hierfür sei, dass die Anzahl der durch die Impfung aufgebauten Antikörper nach der Zweitimpfung schnell abfalle. 

Illustration von Antikörpern, die sich an einen Krankheitserregern heften
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Wann kommen Totimpfstoffe in Deutschland? 

Totimpfstoffe könnten schon 2022 in Deutschland verimpft werden. Seit Mai 2021 durchläuft Coronavac von Sinovac ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Das Ergebnis dieser Prüfung steht noch aus. Ein Impfstoffkandidat aus Europa ist das Vakzin VLA2001 des französisch-österreichischen Unternehmens Valneva. 

Nahaufnahme Impfstoff und Spritze
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Mitte Oktober konnte Valneva positive Ergebnisse aus der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie melden. Das Unternehmen hat auch schon die geringere Wirksamkeit von Totimpfstoffen gegen Corona ins Auge gefasst. Eigenen Angaben zufolge versuchen die Wissenschaftler:innen die Dichte an Spike-Proteinen bei den inaktiven Viren zu erhöhen. Dies soll mithilfe von zwei Wirkverstärkern, die der Impfung hinzugefügt werden, möglich sein. Kommt VLA2001 von Valneva auf den Markt, wird es in zwei Dosen im Abstand von vier Wochen verimpft. 

 

Könnten Totimpfstoffe Impfskeptiker:innen überzeugen?

Die Impfkampagne in Deutschland ist schon vor Monaten ins Stocken geraten. Aktuell haben etwa 67 Prozent aller Bürger:innen (rund 55,7 Millionen Menschen) einen vollständigen Impfschutz, doch täglich werden weniger neue Impfungen verabreicht. Weder Mahnungen noch Anregungen, sich impfen zu lassen, scheinen bei der noch ungeimpften Bevölkerung anzukommen. Dabei geht es in den meisten Fällen nicht um ein kategorisches Nein zu Impfungen, sondern vielmehr darum, dass einige Bürger:innen sich Sorgen machen, wie sicher die neuartigen Impfstoffe sind. 

Jene Menschen könnten zumindest teilweise mithilfe der Totimpfstoffe von einer Corona-Schutzimpfung überzeugt werden. Das ergab eine Forsa-Umfrage unter ungeimpften Personen in Deutschland. Demnach gaben 56 Prozent der befragten Impfskeptiker:innen an, dass sich ihre Impfbereitschaft erhöhen würde, wenn in Deutschland Totimpfstoffe gegen Corona zur Verfügung stünden. 

Quellen:
Corona: Totimpfstoffe bald verfügbar - Was das bedeutet, in: fr.de

Forsa-Umfrage: "Befragung von nicht geimpften Personen zu den Gründen für die fehlende Inanspruchnahme der Corona-Schutzimpfung", in: bundesgesundheitsministerium.de

Corona-Impfung: Sollte man auf die Totimpfstoffe warten?, in: br.de

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