Toilettentraining: Wann ist es Zeit fürs Töpfchen?

Dr. med. Nadine Hess

Alle Eltern stellen sich früher oder später die Frage: „Wann ist mein Kind bereit, mit dem Toilettentraining anzufangen?“ Das Wichtigste zuerst: Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem jedes Kind soweit ist. Bei dem einen ist es bereits nach 22 Monaten so, ein anderes macht erste Anstalten erst mit drei Jahren oder danach.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wann Ihr Kind bereit ist, selbst aufs Klo zu gehen
Expertin Dr. Hess: „Der Schritt, von der Windel wegzukommen, ist ein großer. Für Sie und ganz besonders für Ihr Kind. Und das sollte honoriert werden, auch, wenn es nicht immer perfekt klappt.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Jedes Kind ist individuell, das gilt auch für die Gewöhnung an die Toilette. In erster Linie ist es ein Zeichen der körperlichen Reife, wenn Ihr Kind Interesse am Töpfchen bekommt. Es ergibt also keinen Sinn – darüber gibt es viele Studien –, möglichst früh mit dem Training zu beginnen, denn nicht nur der Kopf, sondern auch der Körper muss bereit sein.

Sind die Kinder noch sehr klein, etwa bis zum Alter von 20 Monaten, geschieht die Ausscheidung noch reflektorisch. Das heißt, die Blase wird ständig geleert, das Kind merkt in der Regel gar nicht, dass es in die Windel macht und es empfindet es somit auch nicht als störend. Hinzu kommt, dass Kinder erst im Laufe der Zeit Gerüche als unangenehm wahrnehmen. Somit kommt dieser Punkt auch erst ab einem gewissen Alter ins Spiel.

 

Selbstständig zur Toilette – woran Sie erkennen, ob Ihr Kind bereit ist

Kinder müssen erst trainieren, nicht mehr in die Windel sondern ins Töpfchen zu machen
Der richtige Zeitpunkt, um die Windeln abzugewöhnen, ist dann, wenn das Kind von selbst anfängt, sich für das Thema Toilette zu interessieren© Fotolia

Als erstes stellt sich bei den Kindern ein Gefühl für den Stuhlgang ein. Das Kind zieht sich für „sein Geschäft“ plötzlich zurück, möglicherweise sogar immer an den gleichen Ort. Es meldet sich anschließend und möchte die Windel gewechselt bekommen, irgendwann auch, wenn es „nur“ ein kleines Geschäft war.

Ein weiteres Zeichen ist das Interesse für die Toilette und alles, was damit zu tun hat – es möchte Sie begleiten (wenn es Ihnen nichts ausmacht, lassen Sie es zu! Einfacher kann Ihr Kind nicht lernen, wie es geht, als wenn es den Eltern zusieht, wie es funktioniert!), die Toilettenspülung betätigen oder sich auch mal auf die Toilette setzen. Bestärken Sie Ihr Kind in seiner Neugierde, lassen Sie es auf die Toilette klettern, besorgen Sie einen speziellen Sitz, der die Öffnung verkleinert, so dass Ihr Kind bequem sitzen kann und keine Angst haben muss, in die Toilette zu fallen. Manche Kinder kommen mit einem Töpfchen zu Beginn besser zurecht, schauen Sie, was Ihr Kind bevorzugt. Auch Bilderbücher zum Thema sind spannend und anschaulich für die Kinder.

Es wird viele „erfolglose“ Toilettengänge geben, in denen es nur bei einem Versuch bleibt und doch nichts kommt. Und viele, in denen die Toilette nicht schnell genug in Sichtweite ist. Ermutigen Sie Ihr Kind auch bei jedem „Malheur“, schimpfen Sie nicht mit ihm. Und loben Sie es, wenn es geklappt hat. Der Schritt, von der Windel wegzukommen, ist ein großer. Für Sie und ganz besonders für Ihr Kind. Und das sollte honoriert werden, auch, wenn es nicht immer perfekt klappt.

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