Tödliches Virus überträgt sich erstmals vom Tier auf den Menschen

Ein Bunthörnchen auf einem Baum
Die exotischen Bunthörnchen stammen aus Mittelamerika, werden aber in Deutschland bisweilen als Haustiere gehalten. Vermutlich sind sie Überträger eines neuen Viren-Stamms © Fotolia

Drei Menschen sind an einer Hirnhautentzündung gestorben. Die Ursache: Ein Virus, das bislang nur bei Tieren auftrat. Es ist anscheinend mutiert.

Eine Unterform des sogenannten Bornavirus hat anscheinend bei drei Männern aus Sachsen-Anhalt zu einer tödlichen Hirnhautentzündung geführt. Das fanden Wissenschaftler der Friedrich-Loeffler und der Bernhard-Nocht-Instituts heraus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten Sie in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine.

Das ursprüngliche Virus ist nach der sächsischen Stadt Borna benannt. Dort fiel es dem Menschen zum ersten mal auf: Im Jahr 1885 infizierte es alle Pferde eines Kavallerieregiments und tötete sie ausnahmslos. Erst knapp 50 Jahre später beschrieb der Gießener Virologe Wilhem Zwick die Krankheit genauer.

 

Bunthörnchen übertragen Bornavirus

Bislang befiel das Virus vor allem Pferde und Schafe, doch in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Berichten, dass sich auch andere Tiere, wie Spitzmäuse oder Bunthörnchen damit infizierten. Letztere steckten vermutlich auch die drei Männer aus Sachsen-Anhalt an. Sie alle züchteten die Tiere.

Die Ansteckung vom Tier auf den Menschen bereitet den Wissenschaftlern Sorge: „Das neue Virus unterscheidet sich genetisch deutlich von den bisher bekannten Bornaviren. Mit der Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Vertreter aus der Familie der Bornaviren auch Menschen infizieren können“, so Dr. Dennis Tappe, einer der Autoren der Studie.

 

Virus ist mutiert

Anscheinend stimmt das Virus, das den Namen VSBV-1 trägt, nur noch zu etwa 75 Prozent mit den bekannten Bornaviren überein. Wie sich die Männer genau angesteckt haben, bleibt unbekannt – allerdings erscheinen den Experten Biss- oder Kratzverletzungen als wahrscheinlichste Möglichkeit. Jetzt suchen die Wissenschaftler der beiden Institute unter Personen, die Bunthörnchen halten, nach möglichen weiteren Infektionsfällen.

Das Robert Koch-Institut warnt: „Bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse sollte vorbeugend der direkte Kontakt zu Bunthörnchen vermieden werden. Bei kranken oder mit unklarer Ursache verstorbenen Bunthörnchen sollten Tierhalter ihren Tierarzt informieren, der gegebenenfalls weitere Untersuchungen einleiten kann.“

Bornaviren befallen insbesondere das zentrale Nervensystem und lösen eine Hirnhautentzündung aus. Die Todesrate liegt sehr hoch: etwa 90 Prozent der infizierten Tiere sterben.

 

Keine Gefahr durch Pferde und Eichhörnchen

Halter von Pferden oder Schafen müssen sich allerdings nicht sorgen, wie einer Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts gegenüber Praxisvita bestätigt. Das neue Virus unterscheidet sich deutlich von den bisher bekannten Bornaviren und konnte bisher nur bei Bunthörnchen nachgewiesen werden. Auch Eichhörnchen sind nach aktuellem Wissensstand nicht betroffen.

Hamburg, 10. Juli 2015

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