Tinnitus: Stress als Auslöser?

Benjamin Müller Medizinredakteur

Ein Tinnitus bedeutet für viele Betroffene eine enorme psychische Belastung. Wenn unangenehme Ohrgeräusche zum ständigen Begleiter werden, ist Stress die logische Folge. Doch kann Stress Tinnitus auch auslösen?

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Inhalt
  1. Was versteht man unter Tinnitus?
  2. Tinnitus durch Stress: Möglicher Auslöser?
  3. Kann Stress den Tinnitus verstärken?
  4. Weniger Stress, weniger Tinnitus

Kann Stress Tinnitus auslösen? Und geht der Tinnitus wieder weg, wenn ich Stress abbaue? Diese Fragen stellen sich viele Betroffene, gerade, wenn die Ohrgeräusche in besonders stressigen Zeiten zum ersten Mal aufgetreten sind. Wissenschaftler haben sich in Studien mit diesen Fragen beschäftigt.

 

Was versteht man unter Tinnitus?

Der Begriff Tinnitus aurium ist aus dem lateinischen abgeleitet ("tinnīre" = klingeln, auris = Ohr) und beschreibt ein Klingeln der Ohren. In der Realität klingen die störenden Ohrgeräusche wohl für jeden Betroffenen anders. Doch ob es nun klingelt, pfeift, knackt oder zischt - miteinander gemein haben die Geräusche, dass sie ohne erkennbare äußere Schallquelle auftreten.

Nur in sehr wenigen Fällen liegt die Ursache eines Tinnitus an einer Schallquelle im Körperinneren, etwa im Innenohr. Dann spricht man von einem „objektiven Tinnitus“. Sehr viel häufiger ist der „subjektive Tinnitus“, der gänzlich ohne Schallquelle auftritt und in fehlenden Nervenaktivität in Teilen des Gehörgangs oder des Gehirns begründet ist. Ursache ist meist eine Schädigung des Hörnervs oder des Gehirns durch Krankheit oder Trauma.

Je nach Schwere der Schädigung kann ein Tinnitus das Leben der Betroffenen unterschiedlich stark beeinträchtigen. Die Wissenschaft spricht von vier Schweregraden der Phantomgeräusche. Auch wie lange die Störung anhält und ob sie von allein wieder verschwinden kann, ist je nach Ursache unterschiedlich ausgeprägt.

 

Tinnitus durch Stress: Möglicher Auslöser?

Die möglichen Auslöser von störenden Ohrgeräuschen sind zahlreich. Zu ihnen zählen unter anderem Lärmschwerhörigkeit, Schall- oder Knalltraumata, Hörstürze, Verletzungen des Trommelfells und sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Doch kann auch psychischer Stress Tinnitus auslösen? Die Antwort auf diese Frage ist kompliziert. Emotionaler Stress ist ein wesentliches Begleitsymptom von Tinnitus. Studien zufolge berichtet etwa die Hälfte aller Betroffenen von starkem Stress, Ängsten, Überforderung oder psychischen Erkrankungen.

Somit ist der Schluss naheliegend, dass dauerhafter Stress sich im sogenannten „Ohrensausen“ niederschlagen kann. Allerdings gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige empirische Untersuchungen zu diesem Thema. Der Zusammenhang zwischen Stress und Tinnitus ist also wissenschaftlich noch nicht gesichert.

Beim Tinnitus heilen mit Hypnose wird die Patientin in einen Zustand innerer Aufmerksamkeit versetzt
Tinnitus Tinnitus heilen mit Hypnose

 

Kann Stress den Tinnitus verstärken?

Auch wenn Stress als Auslöser von Tinnitus noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist, kann er sich stark auf die Wahrnehmung des Tinnitus auswirken. Psychische Faktoren haben einen enormen Einfluss darauf, wie Betroffene die Geräusche erleben und mit ihnen umgehen können. Schon solange die Störung noch akut ist (unter drei Monate), haben psychische Faktoren einen großen Einfluss. Wer in dieser Phase stark seelisch belastet ist, der nimmt mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit einen hohen Leidensdruck durch die Ohrgeräusche wahr. Dann spricht man von einem „dekompensierten“ Tinnitus, der alle Lebensbereiche beeinträchtigt.

Das gilt auch bei lang anhaltenden, also chronischen Phantomgeräuschen. Dazu kommt dann noch, dass der Tinnitus bei vielen chronischen Patienten immer enger mit den eigenen Emotionen verbunden wird.

Laut Studien des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim nehmen chronisch von Tinnitus Betroffene emotionale Eindrücke auch mit Teilen des Gehirns wahr, die mit dem Gehör vernetzt sind. Emotionen werden buchstäblich „gehört“.

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Weniger Stress, weniger Tinnitus

Wie die Auswirkungen von Stress auf die Wahrnehmung vorhandener Ohrgeräusche zeigen, sollten Betroffene nach Möglichkeit den Stress in ihrem Leben reduzieren. Ein möglichst gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, viel Schlaf und sportlicher Freizeitgestaltung kann die psychische Gesundheit schon stark positiv beeinflussen.

Liegt ein Tinnitus vor, kann ein gezieltes Tinnitus-Stress-Management mit genauer Zeiteinteilung und regelmäßigen Arbeitspausen helfen, stressige Situationen zu vermeiden, in denen die störenden Geräusche besonders stark wahrgenommen würden.

Gut etabliert ist mittlerweile die sogenannte „Tinnitus-Retraining-Therapie“, an der neben HNO-Ärzten und Audiologen auch klinische Psychologen beteiligt sind. Diese Therapie mit individueller psychologischer Betreuung hilft, stressverstärkende Gewohnheiten zu erkennen und zu bewältigen. Denn umso besser Patienten mit Stress umgehen können, desto geringer wird der Leidensdruck durch den Tinnitus.

Auch durch sanfte Mittel aus der Natur (zum Beispiel Ginkgo-Extrakt) können die Ohrgeräusche einfacher ertragen werden. In der akuten Phase können diese Mittel dazu beitragen, die Störung wieder verschwinden zu lassen, während ein chronischer Tinnitus zumindest gelindert werden kann. Auch, wenn die Frage, ob Stress Tinnitus auslösen kann, nicht abschließend geklärt werden kann – Stressreduktion kann in jedem Fall dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern.

Frau hört mit Kopfhörern Musik
Übersicht Gesundheits-Podcast: Tinnitus - Wenn es in den Ohren "klingelt"

Quellen:

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