Tinnitus Noiser – Das Gehirn von Ohrgeräuschen ablenken

Sarah Schwiete Medizinredakteurin

Tinnitus Noiser werden eingesetzt, um von störenden Ohrgeräuschen abzulenken. Aber wie funktioniert ein Tinnitus Noiser und für wen ist er geeignet?

Tinnitus Noiser im Ohr einer Frau
Ein Tinnitus Noiser kann dabei helfen von den Tinnitus-Geräuschen abzulenken Foto:  iStock/robertprzybysz
Inhalt
  1. Was ist ein Tinnitus Noiser?
  2. Woher kommen Tinnitus-Beschwerden?
  3. Tinnitus Noiser als Teil der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)
  4. Tinnitus Noiser einstellen: Wie geht das?
  5. Tinnitus Noiser App: Was ist das?
  6. Wie lange sollte man einen Tinnitus Noiser tragen?
  7. Wann zeigt der Tinnitus Noiser Wirkung?
  8. Wie bekommt man einen Tinnitus Noiser?
  9. Tinnitus Noiser Preise: Wie hoch sind die Kosten?
 

Was ist ein Tinnitus Noiser?

Ein Tinnitus Noiser, oder auch Masker genannt, ist ein kleines Gerät, das bei Tinnitus-Patienten zum Einsatz kommt. Es wird im Ohr befestigt und produziert ein unauffälliges Hintergrundrauschen, auch „weißes Rauschen“ genannt. Die gereizten Nerven der Hörbahn werden von dem Rauschen beruhigt. Ein Noiser verstärkt nicht, wie ein normales Hörgerät, die ankommenden Schallwellen. Er generiert ein Gegengeräusch, welches den Patienten von dem lästigen Tinnitus-Geräusch ablenken soll. Viele Betroffene empfinden dieses Hintergrundgeräusch als sehr angenehm. Durch das vom Tinnitus Noiser produzierte Rauschen lernt das Gehirn, den Tinnitus im Laufe der Zeit herauszufiltern und schlicht zu überhören.

 

Woher kommen Tinnitus-Beschwerden?

Mediziner wissen bis heute nicht genau, wie Tinnitus verursacht wird. Als gesichert gilt bislang nur, dass die lästigen Geräusche im Innenohr in der sogenannten Schnecke entstehen. Hier befinden sich feine Sinneshärchen. Werden diese geschädigt – z.B. durch sehr laute Musik oder auch durch eine Mittelohrentzündung –, können akustische Signale nicht mehr richtig gefiltert werden. Mögliche Folge: Wir hören ein Brummen, Rauschen oder Pfeifen, das aber keine reale Quelle hat.
Stress oder körperliche Überlastung stellen weitere Auslöser für einen Tinnitus dar. An den Tinnitus-Beschwerden können jedoch auch Störungen der anderen Organe beteiligt sein, wie z.B. des Herz-Kreislauf-Systems, oder Verengungen in der Halswirbelsäule.

Tinnitus Tinnitus: Was stoppt das Rauschen im Ohr?

Tinnitus frühzeitig behandeln

Ohrgeräusche, wie Pfeifen oder Rauschen, die länger als einen Tag anhalten, sollten dringend ärztlich behandelt werden – in einigen Fällen sogar mit hoch dosiertem Kortison – , da es sonst zu einer dauerhaften Hörschädigung kommen kann.
Je eher mit der Therapie begonnen wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Ein wichtiger Ansatz in der Tinnitus-Behandlung ist es, die Fließfähigkeit des Blutes zu verbessern. Ein Spezialextrakt (EGb 761) aus der Ginkgo-Pflanze hat sich hierbei besonders bewährt. Was die aus Asien stammende Heilpflanze so wertvoll macht, sind ihre hochwirksamen Inhaltsstoffe Bilobalid und Quercetin. Sie bewirken, dass die roten Blutkörperchen elastischer werden. Dadurch wird auch die Durchblutung der Kleinstgefäße gefördert. Im Falle eines akuten Tinnitus, der durch ein Trauma verursacht wurde, verbessert sich die sogenannte Mikrozirkulation im Innenohr. Das Rauschen und Pfeifen kann dadurch sogar komplett abklingen.

Eine Tinnitus-Therapie kann lange dauern und nicht immer ist sie von Erfolg gekrönt. Auch wenn in den meisten Fällen eine Reduzierung der Lautstärke der Tinnitus-Geräusche erreicht wird, sollten Betroffene wissen, dass der Tinnitus möglicherweise nicht mehr völlig verschwindet.
Aber: Die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) kann dabei helfen, das „Überhören“ der lästigen Geräusche zu erlernen.

 

Tinnitus Noiser als Teil der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Der Tinnitus Noiser ist ein wichtiger Bestandteil der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT). Tinnitus wird in diesem Konzept als Wahrnehmungsproblem verstanden und nicht nur als „Durchblutungs- oder Stressmodell“.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie zielt darauf ab, den Betroffenen dabei zu helfen, den Tinnitus nicht mehr bewusst wahrzunehmen, obwohl er noch immer zu hören ist, wenn sie sich darauf konzentrieren. Hier kommt der Tinnitus Noiser zum Einsatz.

 

Tinnitus Noiser einstellen: Wie geht das?

Der Tinnitus Noiser kann sowohl im Ohr als auch dahinter getragen werden. Er wird, wie auch ein Hörgerät, individuell von einem Hörgeräteakustiker für den Patienten angepasst, so dass der Tinnitus Noiser richtig eingestellt ist. Ob der Noiser nur in einem oder doch in beiden Ohren getragen werden soll, ist abhängig von der Lokalisation des Ohrgeräusches. Wichtig ist jedoch bei der Anpassung des Noisers, dass die Gehörgänge frei gelassen werden, damit auch die Geräusche aus der Umgebung noch vom Patienten wahrgenommen werden können. Eingeschaltet wird der Tinnitus Noiser, wie auch ein Hörgerät, über einen kleinen Hebel oder Knopf.

 

Tinnitus Noiser App: Was ist das?

Je nach dem für welches Gerät sich der Patient entschieden hat, gibt es spezielle Tinnitus Noiser Apps, durch die der Nutzer eine große Auswahl an verschiedene Klängen oder Musik hat. Hier kann sich der Patient sein bevorzugtes Geräusch aussuchen. Diese Tools führen bei vielen Tinnitus-Patienten zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik.

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Wie lange sollte man einen Tinnitus Noiser tragen?

Nach Möglichkeit sollte der Noiser mindestens sechs Stunden am Tag getragen werden. Er ist nicht zu verwechseln mit einem Hörgerät, welches für Schwerhörige gedacht ist und den ganzen Tag getragen wird. Da sich die meisten Tinnitus-Patienten erst einmal an das gleichmäßige Hintergrundrauschen gewöhnen müssen, sprechen Experten davon, dass das Gerät bis zu zwei Jahre im Dauereinsatz sein kann. Gerade zu Beginn der Eingewöhnungsphase empfiehlt es sich, unterschiedlich laute Umgebungen aufzusuchen, damit der Umgang mit neuen Geräuschen leichter fällt.

 

Wann zeigt der Tinnitus Noiser Wirkung?

Es können bis zu zwei Monate vergehen, ehe die ersten Fortschritte erkennbar sind. Bei manchen Patienten kann es aber auch bis zu einem Jahr dauern, ehe die ersten Behandlungserfolge eintreten.

 

Wie bekommt man einen Tinnitus Noiser?

Um einen Tinnitus Noiser zu bekommen, muss der Tinnitus vom HNO-Arzt diagnostiziert sein und seit mindestens drei Monaten auftritt. Der Tinnitus Noiser wird, wie auch Hörgeräte, von einem HNO-Arzt verschrieben, er ist also nicht im frei verkäuflich. Ein Hörgeräteakustiker wählt dann ein passendes Gerät aus, welches zu den individuellen Bedürfnissen des Patienten passt. Oftmals werden auch verschiedene Tinnitus Noiser ausprobiert und Probe getragen, um das letztlich das richtige Gerät für den Patienten zu finden.

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Tinnitus Noiser Preise: Wie hoch sind die Kosten?

Die Tinnitus Noiser Preise belaufen sich meist auf 10 Euro, das entspricht der gängigen Rezeptgebühr. Denn ein Tinnitus Noiser wird in der Regel von einem HNO-Arzt verschrieben und ist daher eine Kassenleistung. Die Krankenkassen übernehmen meist einen Pauschalbetrag, der je nach Kasse zwischen 500 und 700 Euro liegt. Sollte der Tinnitus Noiser preislich höher liegen, muss die Differenz selbst getragen werden.

Quellen:

Biesinger, Eberhard (2013): Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr, Stuttgart: Trias-Verlag

Tinnitus-Retraining-Therapie, in: Deutsche Tinnitus-Liga e.V.

Tinnitus-Noiser, in: flexikon.doccheck.com

Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung, in: dzm-heidelberg.de

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