Tinnitus-Gel: Endlich auch in Deutschland!

Eine Frau wird im Ohr untersucht
Ein neues Gel soll Tinnitus-Patienten helfen – jetzt werden auch in Deutschland Studien damit durchgeführt © Fotolia

Wir berichteten in einem Artikel von einem Gel, das Tinnitus-Patienten helfen kann. Jetzt hat sich etwas Wichtiges bei der Entwicklung getan.

Seit wir in diesem Artikel über ein Gel gegen Tinnitus berichtet haben, erreichen uns fast täglich Leserfragen: Wo kann ich das Gel bekommen? Wo gibt es die Behandlung? Darauf müssen wir leider immer noch antworten: Es ist zurzeit nicht frei erhältlich, da es sich bislang noch in der Studienphase befindet.

 

Tinnitus-Gel: Studien in Deutschland

Oft folgte dann die Frage: Kann ich nicht vielleicht an einer der Studien teilnehmen? Auch da hatten wir lange Zeit nur eine unbefriedigende Antwort anzubieten, denn das Gel wurde nur im europäischen Ausland erprobt. Doch genau das hat sich jetzt geändert! Auch in Deutschland können jetzt Tinnitus-Patienten das Gel testen - ebenfalls im Rahmen einer klinischen Studie.  

An diesen 15 Standpunkten können Betroffene an der sogenannten Tinnitus Studie teilnehmen: Bad Schönborn, Göttingen, Halle, Hamburg, Heidelberg Neuenheim, Heidelberg Rohrbach, Iserloh, Köln, Lichtenfels, Mainz, München, Porta Westfalica, Ravensburg, Regensburg und Ulm. Eine Karte mit allen Standorten finden Sie hier.

Praxisvita beantwortet dazu die wichtigsten Fragen zum Tinnitus-Gel

 

Was ist Tinnitus-Gel eigentlich?

Im Gel befindet sich der Wirkstoff AM-101, der die Glutamat-Rezeptoren im Innenohr blockiert. Dabei handelt es sich nicht um das gleiche Glutamat, das als Geschmacksverstärker bekannt ist, sondern um einen chemischen Botenstoff – einen sogenannten Neurotransmitter –, der Geräusche von den winzigen Haarsinneszellen (Nervenzellen) in das Gehirn überträgt.

 

Bekomme ich auf jeden Fall das Gel, wenn ich an der Studie teilnehme?

Studienteilnehmer erhalten nicht unbedingt das Tinnitus-Gel – es kann auch sein, dass sie nur ein Placebo bekommen. Den Grund dafür beschreibt der Anbieter so: „Um die Wirksamkeit von AM-101 prüfen zu können, muss die Verbesserung des Tinnitus nach der Behandlung mit einer Kontrollgruppe verglichen werden können. Ein Teil der Patienten wird deshalb ein Placebopräparat erhalten. Weder der Prüfarzt noch der Patient wissen, ob Sie AM-101 oder Placebo erhalten haben.“ Vom Aufbau einer vergleichbaren Studie zu urteilen haben Probanden eine Chance von 66 Prozent, das richtige Medikament zu bekommen. Einen kleinen Trost gibt es dazu noch: Alle Studienteilnehmer können nach Abschluss der Studie an einer weiteren teilnehmen, in der sie auf jeden Fall AM-101 erhalten werden.

 

Welchen Zeitaufwand muss ich einplanen?

Zu Beginn kommt es zu einer längeren Eingangsuntersuchung und einer ersten Behandlung mit AM-101. Danach folgen drei weitere kürze Termine: Diese finden nach zehn Tagen, nach fünf Wochen und nach circa drei Monaten statt. Während der gesamten Studie müssen die Probanden mit einem handyähnlichem Gerät Tagebuch führen und abends zwei Fragen zu ihrem Tinnitus beantworten.

 

Kann ich an der Tinnitus-Studie teilnehmen?

Sie können an der Studie teilnehmen, wenn Sie älter als 18 und jünger als 75 Jahre alt sind; Sie seit einem Lärmtrauma, Barotrauma (ausgelöst durch Druck, z.B. beim Tauchen), einer Operation am Mittelohr, einem Trommelfellriss oder einer Mittelohrentzündung an einem Tinnitus leiden und sie nicht länger als 12 Monate davon betroffen sind.

 

Wo kann ich mich für die Studie anmelden?

Hier können Sie mit einem Studien-Zentrum Kontakt aufnehmen.

Hamburg, 14. April 2015

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