Tierversuchsfreie Kosmetik: cruelty-free und vegan?

Michelle Kröger

Das Bewusstsein für unsere Umwelt und die uns umgebenden Lebewesen steigt: In diesem Zuge wollen auch immer mehr Menschen keine Kosmetikprodukte mehr benutzen, die an Tieren getestet wurden. Das Zauberwort: cruelty-free. Klar, es gibt unzählige Firmen, die scheinbar vegane (Natur-)Kosmetikprodukte anbieten, die auch tierversuchsfrei sein sollen. Dennoch erscheint einem der Dschungel aus Siegeln zu groß. Welchen Abzeichen kann man also wirklich vertrauen?

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Das Siegel verrät, ob Kosmetika wirklich frei von Tierversuchen sind Foto:  iStock/Motortion
Inhalt
  1. Tierversuchsfreie Kosmetik: Was gilt als tierversuchsfrei?
  2. Siegel-Dschungel: Welche Siegel bei Kosmetik sind seriös?
  3. Das sind die wichtigsten Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik
  4. Ist vegan gleich tierversuchsfrei?
  5. Gibt es ein Schlupfloch für Tierversuche bei Kosmetika?
  6. REACH-Verordnung: Was ist das genau?
 

Tierversuchsfreie Kosmetik: Was gilt als tierversuchsfrei?

Wohl kaum jemand möchte, dass Wimperntusche, Tagescreme und Co. an Tieren getestet werden, bevor sie im eigenen Badezimmerschrank landen. Doch was bedeutet cruelty-free eigentlich? Tierversuchsfrei meint, dass ein Produkt nicht mit Tierversuchen in Verbindung steht. “Allerdings ist die Gesetzeslage rund um Tierversuche und Kosmetik relativ komplex”, sagt Anne Meinert, Fachreferentin für Tiere in der Tierversuchsindustrie bei PETA. Gut, dass es da passende Siegel gibt, die einem helfen, oder? Doch oftmals sind die Auskünfte der Hersteller für Laien schwer verständlich oder die Firmen hüllen sich in Schweigen. Dafür gibt es zum Beispiel Apps wie beispielsweise barcoo, mit denen man Produkte vorher checken kann. Oder etwa die Cruelty-Free-Liste „Kosmetik ohne Tierversuche“ von PETA. Dort sind mittlerweile über 400 Hersteller gelistet, die in Deutschland erhältlich und zu 100 Prozent tierversuchsfrei sind. Das bedeutet, dass sie Tierversuche weder durchführen, noch in Auftrag geben oder finanzieren bzw. in Kauf nehmen – und dies auch für ihre Zulieferer gewährleisten.

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Richtlinien nach PETA für tierversuchsfreie Kosmetik

Die internationale Liste von PETA USA finden Sie unter https://features.peta.org/cruelty-free-company-search/index.aspx.

“Für unsere Zertifizierung und die Aufnahme auf die PETA-Liste tierversuchsfreier Kosmetik sichern Unternehmen uns zu, dass sie …
1.  … keine Inhaltsstoffe verwenden, die sie unter der EU-Chemikalienverordnung REACH anmelden und testen lassen müssten,
2. … vertraglich sicherstellen, dass Inhaltsstoffe ihrer Zulieferer ebenfalls tierversuchsfrei sind und
3. … auch keine Tierversuche durch chinesische Behörden dulden, die bei einem Export fast immer involviert sind.”

     

    Siegel-Dschungel: Welche Siegel bei Kosmetik sind seriös?

    Ein Indiz dafür, ob ein Kosmetikprodukt tierversuchsfrei ist? Siegel. Allerdings sind sie nicht immer international anerkannt – und nicht alles, was cruelty-free ist, ist auch mit einem Label gekennzeichnet. “Inzwischen gibt es viele verschiedene Siegel, die sich teilweise in ihren genauen Kriterien unterscheiden. Bei Unternehmen, die auf unserer Liste aufgeführt sind oder unser cruelty-free Logo verwenden, ist man auf der sicheren Seite: Sie haben uns über einen ausführlichen Fragebogen und eine Selbstverpflichtungserklärung die Erfüllung unserer Kriterien zugesichert”, erklärt Meinert. Unternehmen, die nicht auf dieser Liste vertreten sind, sollte man kritisch begutachten: Nutzt das Unternehmen Schlupflöcher in seinen Aussagen? Ein Beispiel: „Wir führen keine Tierversuche durch“ kann bedeuten, dass Tierversuche in Auftrag gegeben werden oder bewusst weggeschaut wird. Und auch Aussagen wie „Unsere Produkte werden nicht an Tieren getestet“ schließt nicht aus, dass für einzelne Inhaltsstoffe Tierversuche gemacht werden. Nachfragen beim Hersteller kann sich lohnen, jedoch fallen die Antworten der Firmen häufig missverständlich aus.

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    Das sind die wichtigsten Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik

    Wer beim Thema Kosmetik bewusst nur Produkte verwenden möchte, die ohne Tierversuche hergestellt wurden, sollte beim Einkauf auf folgende Cruelty-Free-Labels achten:

    • Leaping Bunny: Das einzige international gültige Siegel, das den Human Cosmetic Standards (HCS) unterliegt, verpflichtet den Hersteller dazu, keine Tierversuche durchzuführen oder in Auftrag zu geben. Zudem darf die Firma, die den Leaping Bunny trägt, keine Verbindung zu Unternehmen haben, die Tierversuche durchführen. Auch enthaltene Bestandteile von getöteten und gequälten Tieren sind tabu.
    • Hase mit schützender Hand (IHTK): Vergeben vom Deutschen Tierschutzbund und Internationalen Herstellerverband für tiergeschützte Naturkosmetik verpflichtet das Hasen-Siegel dazu, keine Tierversuche durchzuführen, in Auftrag zu geben – oder mit Unternehmen in Kontakt zu stehen, die dies tun.
    • Vegan – das Siegel mit der Sonnenblume: Das Vegan-Siegel befindet sich auf Artikeln mit Inhaltsstoffen, die frei von Tierversuchen und vegan sind. Achtung: Es verbietet Firmen nicht, die Produkte auf dem chinesischen Markt zu verkaufen.
    • Kontrollierte Naturkosmetik (BDIH): Das Erkennungszeichen gilt für Produkte, deren Entwicklung, Herstellung oder Prüfung tierversuchsfrei abgelaufen sind. Außerdem dürfen Rohstoffe, die vor 1998 noch nicht auf dem Markt waren und an Tieren getestet wurden, nicht zum Einsatz kommen. Aber: Stoffe, die von Tieren produziert werden, sind erlaubt. Der Begriff Naturkosmetik ist in Deutschland rechtlich nicht geschützt.
     

    Ist vegan gleich tierversuchsfrei?

    Leider kann man diese scheinbar einfache Fragen nicht genauso einfach beantworten. Der Begriff “vegan” ist nicht geschützt oder rechtlich klar definiert. Klar ist: Als vegan gekennzeichnete Produkte enthalten keine Inhaltsstoffe, die von oder aus Tieren produziert werden. Das bedeutet aber nicht, dass vegane Kosmetikprodukte gänzlich ohne Tierversuche hergestellt werden. Vegane Artikel können durchaus Inhaltsstoffe enthalten, die an Tieren getestet wurden. Fragen Sie im Zweifel beim Hersteller nach.

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    Gibt es ein Schlupfloch für Tierversuche bei Kosmetika?

    Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Deutschland werden von der EU geregelt. Seit dem 11. März 2013 dürfen Sicherheitstests von Kosmetika für die EU nicht mehr auf Tierversuchen basieren. Trotz dieser Regelung sind Tierversuche für Kosmetika leider nicht ausgeschlossen – und zwar durch die REACH-Verordnung und den Export nach China.

    “Durch REACH sind Tierversuche für Kosmetika für viele Inhaltsstoffe erlaubt und teils sogar vorgeschrieben, da sie rechtlich unter die Chemikalienregelung fallen”, sagt Meinert. Zwei typische Tests: der Haut- und der Augenreizungstest. Dazu werden meist Kaninchen missbraucht: “Ihnen wird der potenziell ätzende Stoff ins Auge oder auf eine kahl rasierte Stelle der Haut gerieben – was zu Brennen, entzündeten Wunden oder zugeschwollenen, vereiterten Augen führen kann. Das ist nicht nur grausam, sondern auch völlig unnötig und erlaubt in vielen Fällen keinen Rückschluss auf die Reaktion beim Menschen. Es gibt bereits zuverlässigere, effektivere und ethisch vertretbare tierfreie Methoden, die beispielsweise auf menschlichen Zellen basieren.”

    Kaum zu glauben: Tierversuche für Kosmetik sind auf dem chinesischen Markt für viele Produkte sogar vorgeschrieben. Hersteller, die Kosmetik nach China exportieren wollen, nehmen dafür Tierversuche für ihre Produkte in Kauf. “Und in der EU dürfen diese Produkte dennoch verkauft werden”, so die Tierschutz-Expertin.

     

    REACH-Verordnung: Was ist das genau?

    Zeit, um ein bisschen tiefer in das Thema REACH einzutauchen. Wofür steht die Abkürzung eigentlich? Für die englische Version von „Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe“. “Um sicherzustellen, dass Substanzen unbedenklich für Mensch und Umwelt sind, müssen sie im Rahmen dieser Verordnung registriert und eben teilweise getestet werden, wobei Tierversuche leider nicht unüblich sind”, erklärt Anne Meinert. Die REACH-Verordnung habe einen Einfluss auf alles, was in irgendeiner Form chemische Stoffe enthält: “Also auch Wandfarbe, Holzlack, Toilettenpapier etc. können mit Tierversuchen in Verbindung stehen.”

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    Verwirrend. Was also als Konsument tun? Zumindest was Kosmetik angeht, sei es eigentlich ganz simpel: “Einfach auf unsere Liste tierversuchsfreier Kosmetik schauen, dort kann man auch nach Kategorien wie Haarpflege oder Sonnenschutz filtern, aber auch gezielt nach Männerpflege suchen. Rein vegane Hersteller sind zudem zusätzlich gekennzeichnet”, rät Meinert. Hier finden Sie eine spezielle Liste mit veganen und tierversuchsfreien Drogeriemarken. Auch in Bezug auf Haushaltsprodukte kann Deutschlands größte Tierrechtsorganisation helfen: Auch dazu gibt es eine Liste – mit Herstellern, die man guten Gewissens kaufen kann.

    Hier finden Sie die erwähnte Liste tierversuchsfreier Haushaltsmittel: https://www.peta.de/haushaltsmittel-ohne-tierversuche

    Quellen

    https://www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Broschueren/Faltblatt_Tierversuche_fuer_Kosmetik.pdf
    https://kosmetik.peta.de/
    https://www.peta.de/kosmetik-tierversuchsfrei
    https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/?gclid=Cj0KCQiAtrnuBRDXARIsABiN-7DY4Nruf0m28qC3D-zcz3F_zioGjasTGDCJBrcXSgyN0cYE7PdKpWQaAhLMEALw_wcB

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