Tiergestützte Therapie – besser als jede Medizin?

Redaktion PraxisVITA
Tiergestützte Therapie mit Alpakas
Tiergestützte Therapie: Alpakas helfen durch ihr ruhiges Wesen und ihre zurückhaltende Art auch bei Ängsten und ADHS © Fotolia

Zahlreiche Studien belegen mittlerweile: Eine tiergestützte Therapie kann ADHS, Schlafstörungen, Depressionen, Kopfschmerzen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen bekämpfen. Welches Tier wann hilft.

Sie konnte nicht mehr arbeiten, keine Freunde treffen, nicht mehr einkaufen. Sieben Jahre lang war es für Tanja Buburas (37) immer wieder unmöglich, ihre Wohnung zu verlassen. Sie war eine Gefangene ihrer Angst- und Panikattacken. Teilweise setzte sie wochenlang keinen Schritt vor die Tür. "Manchmal musste ich mich tagelang von Brot, Chips und Schokolade ernähren, weil nichts anderes da war und ich es nicht rausschaffte", erinnert sich die Bad Tölzerin an ihre schlimmsten Zeiten. Antidepressiva, stationäre und ambulante Therapien, alternative Heilmethoden, nichts half ihr.

 

Tiergestützte Therapie mit Hund

Dann trat ein kleines Hündchen in ihr Leben: Yorkshireterrier-Mischling Gonzo (3), der ihre Angst verjagte. "Nun habe ich draußen keine Zeit mehr für komische Gedanken oder Horrorszenarien, weil ich auf Gonzo aufpassen muss", erzählt Tanja Buburas.

Während eines Klinikaufenthalts erfährt sie von Besuchshunden, im Internet stößt sie daraufhin auf das "Wunjo-Projekt", eine tiergestützte Therapie in ihrem Wohnort. Schritt für Schritt kämpft sich die ehemalige Marketingassistentin mit Therapiehunden nach draußen, in die normale Welt. Erst nur bis auf die gegenüberliegende Straßenseite, dann bis zum nahen Park, dann zum Einkaufen. 2013 nimmt sie Hündchen Gonzo von einer Tötungsstation auf Zypern bei sich auf. "Die Verantwortung für ihn hat Kräfte mobilisiert, die ich vorher so nicht wahrgenommen habe", so Buburas. Hunde interessiert nicht, was gestern war oder morgen sein wird, sie leben im Hier und Jetzt. "Jahrelang habe ich in der Vergangenheit gewühlt, war nur mit mir selbst beschäftigt. Gonzo zeigt mir, dass der Moment zählt", erklärt Tanja Buburas. Der kleine Vierbeiner weicht seinem Frauchen nicht von der Seite. "Ich freue mich immer wieder darüber, dass ich, der Angsthase, Gonzo beschützen kann, zum Beispiel vor anderen Hunden."

Mittlerweile kann Tanja Buburas wieder halbtags als Office Managerin von zu Hause arbeiten. Außerdem möchte sie Gonzo zum Therapiehund ausbilden lassen, dann können die zwei vielleicht auch bald anderen Kranken helfen.

 

Tiergestützte Therapien: Gesund mit Hund, Katze und Co.

Tiergestützte Therapien werden bei psychiatrischen, neurologischen, körperlichen und geistigen Behinderungen eingesetzt.

Welches Tier hilft wem?

Hunde geben ein gewisses Gefühl von Schutz und Sicherheit. Schon deshalb sind sie gerade bei einsamen Menschen sehr beliebt. Da man mehrmals täglich mit ihnen an die frische Luft gehen muss, sind sie für Herz-Kreislauf-Patienten ideal.

Katzen sind kuschelig und anschmiegsam. Kein Wunder, dass sie die bevorzugten Haustiere von sensiblen Frauen sind, die das beruhigende Schnurren der Katze schätzen. Die gefühlsstarken Tiere können insbesondere bei depressiven Menschen eine große Wirkung entfalten.

Vögel sind äußerst pflegeleicht und bringen schon durch ihr Piepsen "Leben in die Bude” – besonders gut für einsame, ältere Menschen und Einzelkinder.

Meerschweinchen sind sanft und sehr anhänglich. Nicht nur für Kinder sehr geeignet. Die geselligen Tiere können auch die Psyche chronisch Kranker stabilisieren, z.B. bei Gelenkrheuma.

Fische strahlen eine große Ruhe aus. Sie können auf gestresste Menschen äußerst beruhigend einwirken. Daher haben manche Zahnärzte auch ein Aquarium in ihrem Wartezimmer.

Tiergestützte Therapie mit Pferden
Der Kontakt mit Pferden und die Wärme hilft Menschen, Ängste und Hemmungen abzubauen© Fotolia

Pferde werden z.B. in Bewegungstherapien für körperlich und geistig Behinderte eingesetzt. Der Körperkontakt und die Wärme hilft ihnen u.a., Ängste und Hemmungen abzubauen.

Lamas und Alpakas können z. B. bei Burn-out-Patienten verlorenes Interesse durch ihre Neugierde entfachen. Es sind außerdem ruhige Tiere, sodass eine tiergestützte Therapie ADHS-Kinder Gelassenheit mit ihnen lernen können.

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