Tics bei Kindern: Ist das noch normal?

Dr. med. Nadine Heß

Gerade kleine Kinder können plötzlich Tics wie ständiges Schulterzucken, Räuspern oder Augenrollen entwickeln. Doch ist es sinnvoll, das zu unterbinden? Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wie Eltern mit Tics bei Kindern am besten umgehen sollten.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Tics bei Kindern sind in der Regel vorübergehend und sollten erst zum Thema gemacht werden, wenn sie länger als ein Jahr dauern.“ © Privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Kleine Tics bei Kindern wie ständiges Räuspern oder Schulterzucken sind grundsätzlich nichts Schlimmes. Sie treten sogar recht häufig auf  – und verschwinden dann ebenso schnell wieder, wie sie gekommen sind. In diesem Fall spricht man von einer vorrübergehenden Tic-Störung, die zwischen vier Wochen und zwölf Monaten andauern kann.

 

Tics bei Kindern: Ohne jede Absicht

Das Kind auszuschimpfen oder gar ein Verbot auszusprechen, nur weil der Tic nervt, bringt nichts. Denn die Kinder haben in der Regel keine Kontrolle über ihr Verhalten: Egal ob Räuspern oder Zwinkern, diese Tics bei Kindern laufen automatisch ab. Der beste Rat: Auch wenn es manchmal nervt, sollten Sie den Tic einfach ignorieren und den Nachwuchs ganz normal behandeln. Bleibt das Verhalten über mehrere Wochen hinweg bestehen, ist es aber sinnvoll, beim Arzt abklären zu lassen, ob es sich vielleicht gar nicht um ein psychologisches Problem, sondern um ein Krankheitssymptom handelt.

Tics bei Kindern
Auch wenn Sie von dem Tic Ihres Kindes genervt sind, sollten Sie ihn zunächst ignorieren. Tics gehen häufig von alleine wieder weg© Alamy

Kann eine eventuelle Krankheit als Ursache ausgeschlossen werden, ist erhöhte Aufmerksamkeit erst wieder gefragt, wenn der Tic auch nach etwa einem Jahr noch da ist. Dann spricht man von einem chronischen Tic. In diesen Fällen fühlt sich das Kind häufig auch selbst von dem Tic eingeschränkt. Eine Verhaltenstherapie kann dabei helfen, die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Beziehen Sie Ihren Nachwuchs aber unbedingt in die Entscheidungsfindung, ob eine Verhaltenstherapie sinnvoll ist, mit ein. Denn sollte sich das Kind von seinem Tic selbst nicht gestört fühlen, kann es gut sein, dass es sich sonst übergangen fühlt und anfängt, sich zurückzuziehen.

 

Wachsen sich Tics bei Kindern aus?

Die gute Nachricht: Selbst wenn Tics bei Kindern als chronisch eingestuft werden, muss das nicht heißen, dass der Tic ohne Verhaltenstherapie für immer besteht. Bei vielen Kindern werden die Tics im Laufe der Zeit schwächer – es ist auch möglich, dass sie im späteren Jugendalter komplett verschwinden.

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