Tibetische Medizin: Wobei kann sie helfen?

Julia Klinkusch Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) ist in Deutschland nicht ganz so bekannt wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Sie beruht auf dem medizinischen System des alten Indiens, der Ayurveda-Medizin, und kann bei vielen Krankheitsbildern zum Einsatz kommen.

Grüner Saft
Die tibetische Medizin ist neben der Chinesischen Medizin und der Indischen Ayurveda-Medizin die dritte bekannte große Naturheilkunde Asiens Foto:  iStock/subodhsathe
 

Was ist Tibetische Medizin?

Entstanden ist die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) vor etwa 1000 Jahren. Sie ist ein ganzheitliches, naturheilkundliches System, das Körper und Geist stets im Einklang sieht. Anders als die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) oder die indische Ayurveda-Medizin, auf der TTM allerdings beruht, gibt es für die Tibetische Medizin als einzige eine Dokumentation für die Ausbildung von Ärzten. Es handelt sich um eine Art bebilderte Enzyklopädie, die zwischen 1697 und 1703 entstanden ist und aus 77 Bänden, den sogenannten „Medizinthangkas“ besteht. Auf Bildern werden in 10.000 Darstellungen die Grundlagen der Ausbildung gezeigt.

In der Tibetischen Medizin gibt es ähnlich wie in der Chinesischen Medizin die fünf Elemente Erde, Wasser, Holz, Feuer und Metall. Sind diese Elemente in einem harmonischen Gleichgewicht, beeinflusst das die Gesundheit positiv. Darüber hinaus gibt es drei Grundenergien:

  • Lung (Wind)
  • Tripa (Galle)
  • Peken (Schleim)

Jeder Mensch besitzt alle drei Grundenergien, jedoch in unterschiedlicher Zusammensetzung. Je nach Balance können sich daher sieben verschiedene Konstitutionstypen bilden. Sind die Energien ausgewogen, herrscht im Körper nach der Lehre der Tibetischen Medizin Gesundheit. Ein Übermaß oder Mangel einer der drei Energien sorgt für Störungen im System, die sich in Form von Symptomen einer Krankheit äußern. Je nach Quelle beschreibt die Tibetische Medizin 72.000 oder 84.000 solcher Störungen. Diese wiederum werden in 404 Hauptkrankheiten eingeteilt, die sich in vier Gruppen von jeweils 101 Erkrankungen gliedern:

 

Wobei kann Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) helfen?

Die Tibetische Medizin klassifiziert sämtliche Erkrankungen in die Kategorien heiß oder kalt. Gleiches gilt für die genutzten Substanzen, darunter Gewürze, Kräuter, Mineralien und Nahrungsmittel. Nach dem Prinzip der Gegensätzlichkeit werden heiße Störungen mit kalten Substanzen geheilt und kalte Störungen mit heißen Substanzen. Bei gemischten Störungen wird mit einer Kombination aus heißen und kalten Heilmitteln gearbeitet.

Die Traditionelle Tibetische Medizin (TTM) umfasst zahlreiche Substanzen mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Besonders oft wird die Tibetische Medizin bei diesen Beschwerden eingesetzt:

Grundsätzlich sollte der Einsatz alternativer Heilmethoden mit dem Arzt besprochen werden. Die Wirksamkeit der Tibetischen Medizin ist bislang wissenschaftlich nicht sicher erwiesen.

Quellen:
Tibetische Medizin, in: Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur
Tibetische Medizin: Ein exzellenter Arzt hat Glück im Leben, in: Ärzteblatt
Dunkenberger, Thomas; Lobsang Tsultrim, Amchi (2019): Heilsubstanzen und Rezepturen der Tibetischen Medizin: Naturheilkunde vom Dach der Welt, Aitrang: Windpferd Verlag.

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