Thrombektomie: Revolution in der Schlaganfall-Therapie

Eine neue Thrombektomiemethode erhöht die Chancen, nach einem Schlaganfall wieder vollständig zu genesen
Eine neue Thrombektomiemethode erhöht die Chancen, nach einem Schlaganfall wieder vollständig zu genesen © IStock

Eine neue Methode der Thrombektomie konnte bei der Behandlung von Schlaganfällen die Heilungschancen in Studien mehr als verdoppeln und ermöglicht es deutlich mehr Betroffenen, wieder unabhängig zu leben. Praxisvita hat die Fakten.

 

Bei einem Schlaganfall beginnt der Wettlauf mit der Zeit

Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall – nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs ist er die dritthäufigste Todesursache. Bei einem Schlaganfall wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt – meist, weil ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß verstopft. Dann beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Gelingt es nicht, das Blutgerinnsel in den ersten Stunden nach dem Vorfall aufzulösen und den Blutfluss wieder herzustellen, stirbt das betroffene Hirnareal ab und es kommt zu Behinderung oder Tod.

 

Neue Thrombektomie-Methode

Bisher wurde ein durch ein Blutgerinnsel ausgelöster Schlaganfall mit Medikamenten behandelt, die das Gerinnsel auflösen sollen. Forscher des australischen Royal Melbourne Hospital erprobten in ihrer aktuellen Studie eine neue Behandlungsmethode, die die Schlaganfall-Therapie revolutionieren könnte. Bei der Thrombektomie mit einem Stent wird ein Röhrchen durch eine Arterie von der Leiste bis zum Gehirn geführt und das Blutgerinnsel wird herausgezogen.

Thrombektomie mit einem Stent
Bei einer Thrombektomie wird ein sogenannter Stent über die Leiste ins Gehirn geschoben, um dann das Blutgerinnsel herauszuziehen © IStock

Für ihre Studie behandelten sie Patienten mit einem akuten Schlaganfall zusätzlich zur gängigen Medikamententherapie mit dieser Form der Thrombektomie. Eine Kontrollgruppe erhielt nur die Standard-Therapie.

Das Ergebnis überwältigte die Wissenschaftler: Bei 89 Prozent der Thrombektomie-Gruppe konnte der Blutfluss im Gehirn wieder hergestellt werden, in der Kontrollgruppe waren es nur 34 Prozent – damit wurden die Heilungschancen durch die neue Form der Thrombektomie mehr als verdoppelt. Nach der Therapie waren 71 Prozent der mit der neuen Methode behandelten Patienten wieder in der Lage selbstständig zu leben, in der Standardtherapie-Gruppe dagegen nur 40 Prozent. Dr. Bruce Campbell vom Royal Melbourne Hospital: „Das ist ein extrem beeindruckendes Ergebnis, bedenkt man, dass diese Patienten die schlimmste Form des Schlaganfalls hatten.“

Zeitgleich prüften auch kanadische Wissenschaftler das neue Verfahren in einer Studie – auch sie erzielten unerwartet gute Ergebnisse.

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