Therapeutin auf vier Pfoten: Hündin Bella begleitet den autistischen Tim

Autistischer Junge mit Hund
Hunde bekommen häufig besseren Zugang zu autistischen Kindern als ihre Mitmenschen – der Kontakt mit den Tieren wirkt auf die Betroffenen beruhigend © Fotolia

Der neunjährige Tim ist Autist, er leidet unter häufigen Ausrastern – wenn ihn die Wut packt, rennt er einfach weg. Seitdem er Hündin Bella hat, bringt er sich damit nicht mehr in Gefahr. Sie hat Zugang zu ihm und passt auf ihn auf.

Verträumt sitzt Tim auf der Wohnzimmercouch und kuschelt sich an Hündin Bella. Dass der Junge noch vor wenigen Minuten einen unkontrollierten Wutanfall hatte und außer sich vor Zorn weglaufen wollte – davon ist nichts mehr zu sehen. Bella hat dieses kleine Wunder vollbracht! Sie spürt, wenn die Wut in dem Neunjährigen hochkocht und weiß, ihn in solch schwierigen Momenten zu beruhigen.

Dass Hunde bei der Therapie von Kranken wahre Wunder vollbringen können, gilt als erwiesen. Doch was Hündin Bella im Fall von Tim leistet, ist wirklich erstaunlich! Tim ist Autist. Menschen, die wie er an Asperger-Autismus leiden, haben Probleme, Kontakte zu knüpfen, äußern kaum Emotionen. Dabei sieht man ihnen die Krankheit nicht an. „Es ist eher eine seelische Behinderung", sagt seine Mutter Anna.

 

Asperger-Autisten teilen sich nicht mit

Außenstehenden gelten Asperger-Autisten oft als sonderbar, weil sie sich so gut wie niemandem mitteilen. Auch Tim fällt das schwer. „Bei ihm machen sich Gefühle in Wutanfällen bemerkbar", sagt Anna Thiede. „Wenn er hinfällt und sich wehtut, lässt er sich nicht trösten, sondern reagiert mit Wut – für ihn ein ganz wichtiges Gefühl."

Manchmal gerät der Junge so in Rage, dass er im Affekt einfach wegläuft. Weder Mutter noch Vater Matthias dringen dann noch zu ihm durch. Einzig und allein Bella schafft es, seine Wut zu besänftigen.

 

Bella passt auf Tim auf

Erst vor ein paar Wochen büxte Tim aus. „Bella schoss wie ein Pfeil durch das Gartentor, sie nahm sofort seine Spur auf", berichtet Anna Thiede. Der Junge kam keine 100 Meter weit. „Bella stoppte ihn, indem sie ihn in den Oberschenkel zwickte, sie ließ ihn einfach nicht mehr weiterlaufen. Ich brauchte beide nur noch einzusammeln."

Die Hündin kam schon als Welpe zu den Thiedes. Inzwischen ist sie 16 Monate alt, hat eine Schulterhöhe von 75 Zentimeter. „Ihre Größe gibt Tim viel Sicherheit", sagt seine Mutter. Damit nicht genug: Über den Verein „Beschützerinstinkte" wird Bella zum Personenschutzhund ausgebildet.

 

Hundetraining für Bella

Zweimal pro Woche geht Anna Thiede mit der Hundedame trainieren – und das zahlt sich aus: Bella entwickelt von Mal zu Mal mehr Gespür für Tim. Will er weglaufen, weicht sie nicht von seiner Seite. Sie drängt ihn ab oder stellt sich ihm so geschickt in den Weg, dass er nicht an ihr vorbei kommt. Durch die innige Beziehung zu Bella sind Tims Wutanfälle zuletzt sogar etwas weniger heftig geworden.

Doch da gibt es auch noch Dennis (4), den kleineren Bruder von Tim. Er hat keine Freunde, ihm fällt es schwer, in Interaktion mit Gleichaltrigen zu treten – auch bei ihm besteht der Verdacht auf Autismus! Kaum zu glauben, aber trotzdem hadert die Mutter nicht. „Es gibt ja viel schlimmere Schicksale", so die Meinung von Anna Thiede.

„Meine Kinder mögen anders sein, doch ich empfinde sie nicht als behindert", sagt sie. „Wir sind sicher keine Familie wie jede andere. Aber wir sind deswegen nicht unglücklich. Bei uns läuft halt vieles anders. Wir haben gelernt, gemeinsam andere Wege zu gehen – auch dank unserer Bella!"

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