Teresa Enke: "Lasst uns über Depressionen reden"

Teresa Enke
Teresa Enke ruft anlässlich des sechsten Todestages ihres Mannes Robert Enke zu einem offeneren Umgang mit Depressionen auf © Imago

Anlässlich des sechsten Todestag ihres Mannes ruft Teresa Enke in einem Blogeintrag zu mehr Offenheit im Umgang mit Depressionen auf. Als Beispiel für einen vorbildlichen öffentlichen Umgang mit einer schweren Krankheit nennt sie Guido Westerwelle.

In dem Blogeintrag „Lasst uns über Depressionen reden wie Guido Westerwelle über Krebs“ auf der Website der Robert-Enke-Stiftung wendet sich die Witwe Robert Enkes, Teresa Enke, an die Öffentlichkeit. Anlass ihres Apells ist der sechste Todestag ihres Mannes, der sich am 10. November 2009 das Leben nahm. Der Grund dafür waren seine schweren Depressionen.

Um künftig Schicksale wie die ihres Mannes zu vermeiden, sei es „der erste und vielleicht wichtigste Schritt, dass wir ohne Verzagtheit und falsche Scham über die Krankheit reden können.“

 

Positives Beispiel Guido Westerwelle

Als vorbildliches Beispiel für einen offenen Umgang mit schweren Krankheiten nennt sie Guido Westerwelle, der in den vergangenen Tagen in öffentlichen Auftritten und Interviews über seine Leukämie-Erkrankung sprach und seine Erfahrungen in einem Buch veröffentlichte. Vor 30, 40 Jahren sei auch das noch nicht möglich gewesen, schreibt Teresa Enke. Einen so offenen Umgang wünscht sie sich auch mit Depressionen: „Wir müssen es schaffen, mit Depressionen genauso offen, kompetent und natürlich umzugehen wie Westerwelle mit seiner Krebserkrankung. Denn auch wenn es verschiedene Krankheiten sind, gibt es doch eine entscheidende Parallele: Wie der Krebs ist die Depression eine Krankheit, die jeden treffen kann; wie bei Leukämie, Brust- oder Prostatakrebs kann der Betroffene nichts dafür, unter Depressionen zu leiden.“

Teresa Enke möchte mit der weitverbreiteten Annahme aufräumen, der Profifußball habe ihren Mann krank gemacht. Es sei gut möglich, dass er auch mit einem anderen Beruf erkrankt sei, denn er habe eine Veranlagung für Depressionen gehabt.

Und dennoch habe der Sport an der Leidensgeschichte ihres Mannes mitgewirkt. Denn als Profifußballer hatte Robert Enke das Gefühl, seine Krankheit geheim halten zu müssen, was die Behandlung erschwerte.

 

Bessere psychologische Betreuung erforderlich

„Deshalb ist es wichtig, dass der Profifußball versteht, dass Depressionen unter Fußballern genauso vorkommen wie Kreuzbandrisse. Und dass der Profifußball deshalb genauso erstklassige Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen wie für Kreuzbandrisse bereitstellen sollte.“

Teresa Enke fordert außerdem eine bessere Zusammenarbeit der Fußballvereine mit Sportpsychiatern und Psychotherapeuten. Die 2010 gegründete Robert-Enke-Stiftung gibt betroffenen Sportlern die Möglichkeit, sich per Telefon-Hotline mit solchen Fachärzten in Verbindung zu setzen.

Es gibt bereits positive Beispiele für einen offenen Umgang mit Depressionen im Profisport. So gab die deutsche Tennisspielerin Andrea Petkovic kürzlich bekannt, an Depressionen zu leiden.

Hamburg, 11. November 2015

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