Teratom: Von wegen "Zwilling im Kopf"

Verena Elson
Eine Frau hat Kopfschmerzen
Bei einer US-amerikanischen Patientin entfernten Ärzte ein Teratom: Einen Hirntumor mit Haaren, Knochen und Zähnen © Fotolia

Als US-Ärzte bei der 26-jährigen Yamini Karanam einen Gehirntumor entfernen wollten, machten sie eine erstaunliche Entdeckung: Der Tumor hatte Knochen, Haare und Zähne. Praxisvita erklärt das Phänomen Teratom.

Per Schlüsselloch-OP wollten die Ärzte in Los Angeles den vermuteten Hirntumor der jungen Patientin entfernen. Doch bei dem Eingriff bemerkten sie Auffälligkeiten: Das Gebilde im Gehirn von Yamini Karanam hatte Anfänge von Knochen, Haaren und Zähnen – es handelte sich um ein sogenanntes Teratom.

 

Was ist ein Teratom?

Ein Teratom, auch „Wundergeschwulst“ entsteht aus sogenannten Keimzellen, aus denen sich ein Embryo entwickelt – darum ist es auch häufig wie ein Embryo mit Knochen- und Knorpelgewebe, Haut, Muskelgewebe, Haaren und Zähnen ausgestattet. Als Grund für seine Entstehung vermuten Mediziner folgenden Vorgang: Während der Entstehung des Embryos „verirren“ sich Keimzellen, siedeln sich an falschen Stellen im Körper an und bilden dort einen Tumor. Das Teratom ist demnach immer „angeboren“, besteht also schon seit der Geburt. Manchmal zeigen sie schon bei Neugeboreren in beachtlicher Größe, in den meisten Fällen treten die ersten Symptome jedoch erst im Erwachsenenalter auf. Meist tritt das Teratom in den Eierstöcken oder Hoden auf, er kann aber auch in anderen Bereichen des Körpers vorkommen.

 

Ein Teratom ist kein Zwilling

Die Vermutung, es handele sich bei einem Teratom um einen Zwilling des Patienten, hat dem Tumor im Volksmund den Namen „Zwillingsgeschwür“ eingebracht. Die Annahme ist jedoch falsch: Bei dem Teratom handelt es sich nicht um einen unterentwickelten Menschen – denn es ist nicht aus Eizelle und Spermium entstanden, sondern als „versehentliche“ Ablagerung der Embryozellen.

 

Therapie eines Teratoms

Entscheidend für die Behandlung eines Teratoms ist, ob es sich um einen gutartigen oder einen bösartigen Tumor handelt. Während es bei gutartigen Teratomen ausreicht, den Tumor operativ zu entfernen, kommt bei einem bösartigen Teratom zusätzlich Chemotherapie zum Einsatz – die Heilungschancen sind sehr gut.

Hamburg, 27. April 2015

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