Teff: Wie gesund ist die Trend-Hirseart wirklich?

Michelle Kröger

Wissen Sie, welches die kleinste Getreideart der Welt ist? Es ist Teff oder häufig auch Zwerghirse genannt. Dahinter steckt eine glutenfreie Hirseart, die traditionell in Äthiopien angebaut wird und sich in den letzten Jahren auch in Europa immer mehr zum trendy Superfood gemausert hat. Calcium, Magnesium, Eisen, Zink: Teff (auch: Eragrostis tef) ist vitalstoffreich, ja. Doch ist es tatsächlich gesünder als andere Getreidesorten, so wie viele Menschen behaupten?

Teff-Körner mit Holzlöffel
Foto:  iStock/marekuliasz
Inhalt
  1. Was genau ist Teff?
  2. Welche gesundheitlichen Vorteile hat Teff?
  3. Ist Teff wirklich gesünder als anderes Getreide?
  4. Kann Teff die Symptome der Zöliakie reduzieren?
  5. Teff: Genuss ohne Rücksicht auf Verluste?
  6. Alternative bei Glutensensitivität und Diabetes?
 

Was genau ist Teff?

“Teff ist eine kleinkörnige Hirseart, die ausschließlich in Äthiopien angebaut wird”, sagt Ernährungsexperte Dr. med. Stefan Kabisch. Damit gehört Teff zur Gattung der Kulturhirse. Seit rund 6.000 Jahren wird Teff nun schon traditionell in Äthiopien angebaut. Damit handelt es sich um eine der ältesten kultivierten Getreidesorten überhaupt.

Oftmals auch als Zwerghirse bezeichnet, gilt diese Hirseart als die kleinste Getreideart der Welt – aber warum eigentlich? Nun, weil 150 Teff-Körner in etwa der Größe eines Weizenkorns entsprechen. Übrigens: Eine Teff-Pflanze produziert etwa 10.000 Körner. Sie sind so winzig klein wie beispielsweise Mohnsamen. Teff kann weiß, rot, schwarz oder braun sein – die weiße Variante ist am beliebtesten.

Im Ursprungsland wird die Zwerghirse für viele verschiedene Zwecke verwendet. Ob für das traditionelle Fladenbrot, das Injera, für Hirsebrei, Tierfutter, Schnaps oder Bier (Tella): Es ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel, auf das die Menschen hier nicht verzichten wollen und können. “Um Teffmehl zu klassischem Brot oder Pasta zu verarbeiten, braucht es aufwendige Fertigungsprozesse und Zusätze”, erklärt Dr. Kabisch weiter.

Teff zählt wie Weizen und Roggen zu den Süßgräsern – allerdings ist es frei von Gluten. Für Menschen, die an Zöliakie oder an einer Glutensensitivität leiden, kann das durchaus vorteilhaft sein.

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Welche gesundheitlichen Vorteile hat Teff?

Keine Frage: Es handelt sich bei Teff um ein vital- und nährstoffreiches Getreide. Doch welche Merkmale zeichnet Teff genau aus?

Die Vorteile von Zwerghirse im Überblick:

 

Ist Teff wirklich gesünder als anderes Getreide?

In den Medien wird Teff als unterschätztes Superfood gefeiert. Zurecht? Nicht unbedingt, meint der Experte. “Teff ist nicht gesünder als andere Getreidearten. Es enthält ähnlich viel Eiweiß, aber sogar weniger Ballaststoffe als Weizen”, sagt Dr. Kabisch. Der Mineraliengehalt sei höher als in den meisten anderen Getreiden, ja, aber ähnlich hoch wie in anderen kleinkörnigen (Pseudo)-Getreiden (Quinoa, Amaranth). “Der Gehalt an Vitamin E ist in all diesen kleinkörnigen Getreiden aber deutlich geringer als zum Beispiel in Weizen, Roggen oder Mais.”

 

Kann Teff die Symptome der Zöliakie reduzieren?

“Alle glutenfreien Produkte können Symptome der Zöliakie reduzieren, denn nur Gluten ist bei Zöliakie ein Problem”, gibt Dr. Kabisch zu bedenken. Betroffen seien hiervon zwischen 0,5 und 1 Prozent der Bevölkerung. Glutenfreie Körner (Getreide und Pseudogetreide) sind beispielsweise auch Mais, Reis, Hirse, Buchweizen und Amaranth. “Quinoa und Teff sind auch glutenfrei, sollten aber aus ökologischen und sozialen Gründen nicht in Europa verwendet werden”, sagt er.

 

Teff: Genuss ohne Rücksicht auf Verluste?

Exotisches Getreide statt heimisches Getreide? Hier spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Eine intensive Verwendung außerhalb des traditionellen Anbaugebietes sollte laut dem Ernährungswissenschaftler Dr. Kabisch aus ökologischen und sozialen Gründen unterbleiben: “Aufgrund des gegenüber anderen Getreidearten geringeren Ernteertrags und der Fülle an alternativen glutenfreien Getreiden jenseits von Teff, sollte Teff in Deutschland nicht gezielt gekauft werden, nur um eine glutenfreie Diät zu ermöglichen. Ähnliche unnötige Gesundheitstrends führen schon in Mexiko zu blutigen Bandenkriegen, um Ackerflächen und Bewässerung für Avocado-Plantagen und in Bolivien zur Gesundheitsverschlechterung der Bevölkerung, die sich Quinoa nicht mehr leisten kann und auf billiges Fastfood ausweicht.”

 

Alternative bei Glutensensitivität und Diabetes?

Bei Glutensensitivität sind alle Formen der glutenfreien Ernährung hilfreich. “Teff ist dafür nicht notwendig und an keiner Stelle besser als ein anderes glutenfreies Produkt”, betont Dr. Kabisch. Außerdem sollten sich Diabetiker ohne Glutensensitivität ausgewogen und vielfältig ernähren: gemüsebetont, fleischreduziert, ballaststoffreich, mit reichlich gesunden pflanzlichen Fetten und wenig hoch verarbeiteten, zuckerhaltigen Produkten. Gluten spiele hierbei keine Rolle. “Glutenfreie Ernährung bei Patienten ohne Glutensensitivität ist laut Studienlage mit einem erhöhten Risiko für eine koronare Herzerkrankung assoziiert”, so Dr. Kabisch.

Unser Experte

Dr. med. Stefan Kabisch, Studienarzt in der Abteilung für Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (Außenstandort Charité CBF).

Quellen: 
Heiniger, U. (2016). Tef (Eragrostis tef (ZUCC.) TROTTER) - glutenfreies Getreide aus Äthiopien, Schweiz Z Ganzheitsmed 
Baye, Kaleab (2014). Teff: Nutrient Composition and Health Benefits. International Food Policy Research Institute
Lebwohl, B., Cao, Y., Zong, G., Hu, F. B., Green, P. H., Neugut, A. I., ... & Willett, W. C. (2017). Long term gluten consumption in adults without celiac disease and risk of coronary heart disease: prospective cohort study. bmj, 357, j1892.

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