Unausgeschlafene Teenager haben öfter ungeschützten Sex

Verena Elson

An beunruhigende Nachrichten über das Schlafpensum ihres jugendlichen Nachwuchses haben sich viele Eltern schon gewöhnt – Schlafmangel kann bei den Heranwachsenden neben Konzentrationsproblemen Stress, Übergewicht und Bluthochdruck auslösen. Jetzt sind Forscher auf eine weitere Auswirkung von Schlafentzug gestoßen: Unausgeschlafene Teenager lassen sich häufiger auf riskante sexuelle Handlungen ein.

Ein Mädchen blickt müde auf sein Smartphone
Chronischer Schlafmangel macht Teenager risikofreudig – auch bei ihren sexuellen Handlungen, zeigt eine aktuelle Studie Foto:  martin-dm/iStock

Zehntklässler in Deutschland schlafen im Schnitt 7,3 Stunden pro Nacht und damit zwei Stunden weniger, als Mediziner empfehlen – das ergab eine kürzlich veröffentlichte DAK-Studie zum Schlafverhalten Jugendlicher.

„Teenager bekommen im Allgemeinen nicht die empfohlenen acht bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht – dazu gibt es eine Reihe von Gründen von ihrem veränderten biologischen Rhythmus über den frühen Schulstart und außerschulische Aktivitäten bis zu sozialem Druck von Altersgenossen“, erklärt Schlafforscherin Wendy von der Denkfabrik RAND Corporation.

 

Studie zum Schlaf- und Sexualverhalten Jugendlicher

Gemeinsam mit ihrem Team untersuchte sie in einer neuen Studie den Zusammenhang zwischen dem Schlafpensum von Teenagern und ihrem Sexualverhalten. Dazu rekrutierten die Forscher 1.850 Heranwachsende unterschiedlicher ethnischer Herkunft in Südkalifornien. Im Schnitt waren die Jugendlichen zu Studienbeginn 16 Jahre alt. 

Im Studienzeitraum zwischen 2013 und 2017 füllten die Studienteilnehmer regelmäßig Fragebögen aus: Sie dokumentierten ihre Schlafdauer an Wochentagen und Wochenenden und gaben an, ob sie in den vier Wochen vor der Befragung Schlafprobleme hatten. Zusätzlich gaben sie Auskunft über ihren Alkohol- und Drogenkonsum vor sexuellen Aktivitäten und darüber, ob sie beim Sex Kondome verwendeten.

Müde in der Schule
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Nur ein Viertel der Jugendlichen bekommt genug Schlaf

Die Forscher teilten die Teenager entsprechend ihrer Schlafgewohnheiten in drei Gruppen ein: Nur ein Viertel der Jugendlichen bekam an Wochentagen genügend Schlaf (8,5 Stunden pro Nacht). Die Mehrheit schlief im Schnitt 7,5 Stunden pro Nacht und die dritte Gruppe bekam lediglich 6,4 Stunden Schlaf pro Nacht.

Auch an den Wochenenden zeigten sich große Unterschiede im Schlafpensum der Jugendlichen – die Forscher bildeten auch hier drei Gruppen: Die meisten schliefen an Wochenenden gut neun Stunden pro Nacht, während einige 10,6 Stunden und einige nur 7,8 Stunden Schlaf bekamen.

 

Wochenende: Ausschlafen ist ein Muss

Die Wissenschaftler beobachteten: Teenager, die unter der Woche und an Wochenenden zur Gruppe der „Wenigschläfer“ gehörten, ließen sich fast doppelt so häufig auf riskante sexuelle Handlungen ein (also ungeschützter Sex oder Sex unter Drogeneinfluss) als Altersgenossen, die zumindest am Wochenende ausschliefen.

Die Studie kann keinen direkten Zusammenhang zwischen Schlafpensum und sexuellem Verhalten nachweisen – doch sie liefert weitere Indizien für eine Theorie, die Wissenschaftler seit Längerem beschäftigt: Schlafmangel fördert risikofreudiges Verhalten bei Heranwachsenden.

„Sexuell riskantes Verhalten bei Jugendlichen kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen wie das erhöhte Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten, darunter HIV“, so Troxel.

Eltern rät die Schlafforscherin, ihren jugendlichen Kindern nach Möglichkeit das Ausschlafen am Wochenende zu ermöglichen. Gleichzeitig plädiert sie für einen späteren Schulbeginn – eine Forderung, die viele Mediziner teilen. Denn Teenager haben einen anderen Biorhythmus als Erwachsene – sie sind abends lange hellwach und leistungsfähig und kommen dafür morgens kaum aus dem Bett. Da sie durch den frühen Schulbeginn aber zum frühen Aufstehen gezwungen sind, bauen sie schnell ein erhebliches Schlafdefizit auf.

Quellen:
DAK-Gesundheit (2019): Präventionsradar. Erhebung Schuljahr 17/18.

Troxel, W. et al. (2019): Associations of longitudinal sleep trajectories with risky sexual behavior during late adolescence, in: Health Psychology.

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