Taub durch Schmerzmittel?

Frauen, die über einen längeren Zeitraum Schmerztabletten wie Ibuprofen oder Paracetamol nehmen, riskieren einen plötzlichen Hörverlust. Laut einer Studie kommt es schon bei einer Dosis von zwei Tabletten pro Woche über ein Jahr vor, dass Hörverluste auftreten. Auch die Art des Schmerzmittels scheint dabei entscheidend zu sein.

Plötzliche Hörverluste und Hörstürze sind für die Betroffenen meist eine sehr belastende Erfahrung, die eine sofortige ärztliche Behandlung erfordert. Gerade bei älteren Betroffenen kommt es außerdem vor, dass das Gehör anschließend nicht mehr oder nur noch teilweise zurückkehrt. Ein plötzlicher Hörverlust liegt dann vor, wenn der Verlust mehr als 30 Dezibel in drei aneinander grenzenden Frequenzen in weniger als drei Tagen beträgt. Bei manchen Menschen tritt der Hörsturz vollkommen unvermittelt auf, bei anderen kommt es zu einem schleichenden Prozess über mehrere Stunden oder Tage. Neben dem Hörverlust können dann auch noch andere Symptome wie Schwindel hinzukommen.

Hörsturz
Frauen, die über einen längeren Zeitraum häufiger Schmerztabletten nehmen, riskieren einen Hörsturz. Bei einem Hörsturz kommt es zu akutem Hörverlust und manchmal auch Schwindel.
 

Ausgelöst durch Schmerzmittel?

Ein Hörsturz kann verschiedene Ursachen haben und nicht alle sind endgültig geklärt. Allerdings belegt eine neue Studie aus den USA erstmals einen Zusammenhang mit der Einnahme von Schmerzmitteln bei Frauen. Von den insgesamt 55.850 Frauen in der Studie berichteten 33 Prozent von persönlichen Erfahrungen mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten plötzlichen Hörverlust. Für den Bericht mussten sie außerdem angeben, ob, wie oft und welche Schmerzmittel sie zu sich nahmen. Dabei konnten die Forscher einen Zusammenhang mit der längeren, regelmäßigen Einnahme von NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) feststellen, darunter Ibuprofen und Paracetamol. Die Schmerzstiller führten demnach bei einer fortlaufenden Einnahme von mindestens zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren zu einem zehn Prozent höheren Risiko für einen Hörsturz als in der Kontrollgruppe. Doch auch schon bei einer regelmäßigen und häufigen Einnahme über eine kürzere Zeit konnten die Wissenschaftler ein erhöhtes Risiko feststellen. Mit einer längeren Einnahmedauer stieg das Risiko lediglich weiter an. Die Einnahme von Aspirin schien jedoch kein erhöhtes Risiko nach sich zu ziehen, da hier die Wirkstoffmenge pro Tablette mittlerweile geringer ist. Insgesamt konnten die Forscher vier Prozent der Fälle von plötzlichem Hörverlust mit einer Einnahme von Schmerzmitteln in Verbindung bringen.

 

Auswirkungen auf das Gehör

Warum die längere Einnahme das Risiko für einen plötzlichen Hörverlust zu erhöhen scheint, ist nicht vollends geklärt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Schäden am Gehör dadurch zustande kommen, weil die Wirkstoffe von Schmerzmitteln die Durchblutung der Hörschnecke im Innenohr hemmen und die feinen Sinneshärchen im Gehör zerstören können. Da die Studie an Frauen durchgeführt wurde, lassen sich aus den gewonnenen Daten keine Rückschlüsse auf das Risiko für Männer ziehen. Es ist aber immerhin denkbar, dass Männer ebenfalls negative Folgen auf das Gehör befürchten müssen. Eine längere, häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann dazu auch aus anderen Gründen gefährlich sein. In speziellen Therapien können Betroffene lernen, ihren Schmerzmittel-Gebrauch zu verringern und alternative Schmerzbehandlungen erhalten.

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