Taub durch Dreitagefieber

Taub durch das Dreitagefieber
Eine dramatische Folge das Dreitagefieber kann eine Gehörlosigkeit sein. Der Grund: Die Entzündung greift den Hörnerv an © shutterstock

Wie Sabine aus Hamburg durch Dreitagefieber taub wurde und wie Sie mit diesem Schicksal umgeht, erfahren Sie bei Praxisvita.

„Mein Traum ist ein Job beim Fernsehen”, lacht Sabine Schulz selbstbewusst. „Trickfilme zeichnen – das wärs.” Wenn man die farbenfrohen Bilder und Design-Entwürfe der dunkelhaarigen Malerin so sieht, traut man ihr das auch ohne weiteres zu.

 

Kinderkrankheit Dreitagefieber

Doch etwas ist merkwürdig an der jungen Frau: Sie verständigt sich per Gebärdensprache, liest ihren Gesprächspartnern von den Lippen – Sabine Schulz ist taub. Der Grund: die eigentlich harmlose Kinderkrankheit Dreitagefieber.

Mit 9 Monaten hatte ich hohes Fieber. Meine Mutter war so in Sorge, dass sie den Notarzt alarmierte. Der sagte ihr: Kein Grund zur Aufregung, das gehe vorüber”, berichtet Sabine gestenreich. Doch er hatte sich geirrt. Das stellte sich 2 Jahre später heraus. „Ich war im Krankenhaus, weil mir Mandeln und Polypen herausgenommen wurden. Bei der Gelegenheit entdeckten die Ärzte, dass mein Hörnerv völlig zerstört war”, berichtet Tanja.

Mit 3 Jahren kam das Kind in einen Gehörlosen-Kindergarten, lernte mit Gebärden zu sprechen. Sabines Eltern erlernten ebenfalls die Gebärdensprache, um sich mit Sabine zu verständigen. „Sie haben mir viel Selbstbewusstsein vermittelt”, findet Sabine und versucht zu erklären, warum sie das Hören nicht wirklich vermisst: „Ich habe einen besonderen Blick für Situationen, ob schön oder schlecht. Und ich rieche, spüre intensiv. Meine anderen Sinne sind eben viel ausgeprägter.” In der Gehörlosen-Schule hatte sie nie Probleme, machte ein glänzendens Abitur. In der Schule hat sie auch ihre Leidenschaft für Bilder und fürs Malen entdeckt. „Wenn ich male, bin ich in meiner eigenen Welt. Da vergesse ich das dass ich nicht hören kann. Für mich war immer klar, dass ich kreativ arbeiten wollte.” Sie hatte Glück: Die Bewerbung um einen Studienplatze an der Hamburger Kunstschule klappte auf Anhieb. „Dort hatte ich allerdings eine schwere Zeit”, erinnert sich Sabine und wirkt etwas traurig. „Meine hörenden Kommilitonen wussten wohl nicht, wie sie mit mir umgehen sollten. Ich fand kaum Kontakt.” Das tapfere Mädchen ließ sich nicht unterkriegen, beendete im September 2000 die Kunstschule mit Bravour.

Heute konzentriert sich die ehrgeizige Sabine auf das Internet als Arbeitsmetier – und fand vor kurzem eine Stelle als Grafik-Designerin in einer Hamburger Agentur. „Der Job macht mir einen Riesen-Spaß. Und die Kollegen sind supernett”, lächelt die 27-Jährige. Nach der Arbeit setzt sie sich an ihre Staffelei und malt. Ihre Motive: meist Gegenstände und Szenen aus dem täglichen Leben. Ihr Stil: surrealistisch und farbenfroh.

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