Taub durch Antibiotika

Eine Frau hält sich ihr Ohr
Aminoglykosid-Antibiotika können zu bleibenden Hörschäden führen – US-Forscher haben jetzt eine Alternative zu den Medikamenten entwickelt © Shutterstock

Die sogenannten Aminoglykoside gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Antibiotika. Ihr großer Nachteil: Bei vielen Patienten verursachen sie bleibende Hörschäden. Darum haben US-amerikanische Wissenschaftler nun nach einer Alternative geforscht.

Aminoglykosid-Antibiotika sind hochwirksam gegen ein breites Spektrum gefährlicher Bakterien – sie werden unter anderem bei Hirnhautentzündung, Blutvergiftung und Lungenentzündung verabreicht.

Das Problem mit diesen Medikamenten sind ihre starken Nebenwirkungen: Häufig dringen sie in die sogenannten Haarzellen des Innenohrs ein und schädigen diese irreparabel. Der Grund dafür: Teile der Zellen sind ähnlich aufgebaut wie die Bakterien, die bekämpft werden sollen. Die Aminoglykoside verwechseln sie daher mit den Krankheitserregern.

Das kann zu Schäden von leichtem Hörverlust in den oberen Frequenzbereichen bis zur vollständigen Taubheit führen. Laut Expertenschätzungen leiden bis zu 60 Prozent aller Patienten, die Aminoglykoside einnehmen, an solchen Nebenwirkungen.

 

Neues Antibiotikum entwickelt

Auf der Suche nach einer Lösung dieses Problems haben Wissenschaftler der Universität Stanford in einer aktuellen Studie eine modifizierte Version eines Aminoglykosids an Mäusen getestet. Das Ergebnis: Das Antibiotikum heilte Infektionen genauso effektiv wie herkömmliche Aminoglykoside – doch ohne Hörschäden zu verursachen. Die Erklärung der Forscher: Das neue Mittel ist so konzipiert, dass es nicht in die Haarzellen des Innenohrs eindringen kann. Auch Nierenschäden, die als weitere Nebenwirkung von Aminoglykosiden auftreten können, kamen bei den Mäusen nicht vor.

Die Studienleiter bezeichnen ihre Ergebnisse als entscheidenden Fortschritt in der Antibiotika-Forschung. Nach weiteren Tests am Menschen soll die modifizierte Version schon bald herkömmliche Aminoglykoside ersetzen.

Hamburg, 6. Januar 2015

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